"Leben, Life, Hayat" - ein wichtiger Begriff in der Jugendkultur, sichtbar gemacht mitten im Eingangsbereich der BBS Cuxhaven. Fotos: Reese-Winne
"Leben, Life, Hayat" - ein wichtiger Begriff in der Jugendkultur, sichtbar gemacht mitten im Eingangsbereich der BBS Cuxhaven. Fotos: Reese-Winne
Bildung

Tag der Demokratie an den BBS Cuxhaven: Bedürfnisse, Visionen und Träume zeigen

von Maren Reese-Winne | 10.02.2026

Es gibt viele Wege, sich mit dem Thema Demokratie zu beschäftigen, und die BBS Cuxhaven setzte am Dienstag möglichst viele davon um. Neues lernen, die Meinung sagen: Das funktionierte auch als Quiz oder Escape Room - Entkommen nur gegen Wissen... 

Der zweite "Tag der Demokratie" an den BBS Cuxhaven gab auch dem gerade angetretenen neuen Schulleiter Manfred Runge den perfekten Rahmen, sich der Schulgemeinschaft und den zahlreichen Gästen vorzustellen. Bis zum Schuljahresende wird er die Schule leiten. Er fand anerkennende Worte für das über Monate vorbereitete Programm: "Sie sind die Generation, die für Demokratie und Grundwerte kämpfen muss", richtete er sich an die Schülerinnen und Schüler.

Werte sind nicht mehr selbstverständlich

Was jahrzehntelang wie selbstverständlich zu unseren Werten gezählt habe, sei angreifbar geworden, betonte  auch Bürgermeister Thomas Brunken. Die Bereitschaft, einander zuzuhören, sei die Grundvoraussetzung, um eine sich ausbreitende Unzufriedenheit aufzufangen.

Manfred Runge ist bis zum Ende des Schuljahres Leiter der BBS Cuxhaven.

Zuhören blieb das wichtigste Schlüsselwort: Viele Workshops und Angebote an den Ständen ermunterten die Jugendlichen, sich Bedürfnisse, Visionen und Träume bewusst und sichtbar zu machen, zum Beispiel mit dem Schriftzug "Leben, Life, Hayat" (alles drei bedeutet "Leben") an einer Säule in der Eingangshalle, die sich im Laufe des Tages mehrfach veränderte. Dort wurden auch Collagen aus einem Workshop mit dem Künstler und Pädagogen Niels Hertel aufgeklebt.

Die "Omas gegen Rechts" fragten: Was habe ich in letzter Zeit für die Demokratie getan?

Befreundete Institutionen wie die Jugendwerkstatt des Paritätischen, das Haus der Jugend, der Jugendbeirat, die "Omas gegen Rechts", die Regionalgruppe von "Gegen Vergessen - für Demokratie", die Europa-Union, die Caritas, der Stadtteilverein "Ritzebüttel aktiv" und viele andere hatten wieder ordentlich Personal aufgeboten, das auf die Jugendlichen zuging. Den begehrten Stempel auf dem Laufzettel gab es nicht geschenkt, sondern nur gegen aktive Teilnahme und ein bisschen Grübeln: Warum lohnt es sich, sich einzubringen? Wo könnte ich das tun? Was ist mir am wichtigsten? Was wünsche ich mir von der Politik?

Und da ging es nicht um Geplänkel: Bei der Kanzlerfrage ("Was würde ich tun, wenn ich Kanzler wäre") stand der Wunsch nach günstigeren Lebensmittelpreisen direkt neben dem Eintrag "armen Leuten helfen", der Forderung nach höheren Strafen für Vergewaltigungen und der Einführung der Vier-Tage-Woche.

Umfrage: Sollte der Staat soziale Medien für Jugendluche stärker regulieren?

Was sich Jugendliche für ihre eigene Heimat, also der Stadt Cuxhaven, wünschen, damit sich sich dort ein gutes Leben auch nach der Schulzeit vorstellen können, darüber hatten sich bereits zuvor Elftklässler in einem Werte- und Normen-Kurs des beruflichen Gymnasiums Gedanken gemacht. Nach der Premiere beim Neujahrsempfang der Stadt Cuxhaven waren die Visionen für Cuxhaven im Jahr 2040 nun auch im Schulforum zu sehen.

Studieren können, Freizeit erleben

Ein großer Wunsch ist der nach Studienmöglichkeiten in der eigenen Stadt. Neben Grundbedürfnissen wie bezahlbarem und überhaupt erstmal verfügbarem Wohnraum, ÖPNV und Arbeitsstätten wünschten sich die Schülerinnen und Schüler unter anderem mehr Licht im Schlossgarten, einen Action-Park in Strandnähe, eine Trampolin- oder Kletterhalle, aber auch mehr generationenübergreifende Freizeitangebote. 

Anhand des bekannten historischen Fotos aus Cuxhaven, das den Spießrutenlauf von Oskar Dankner und Adele Edelmann zeigt, machte Britta Schumann deutlich, was passiert, wenn die Demokratie untergeht.

Voll besetzt war das Forum beim Vortrag von Britta Schumann aus dem Präventionsteam der Polizeiinspektion Cuxhaven. Sie erklärte, warum der Schutz der Demokratie zu den ureigensten Aufgaben der Polizei zählt und zeigte klare Grenzen zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung auf. Bereits in den jüngeren Schulklassen komme es inzwischen immer häufiger zu offen geäußerten Gewaltaufrufen, was alarmierend sei und jedes Eingreifen rechtfertige.  

Demokratie-Quiz mit dem Jugendbeirat.
Kein Planet B: Gesprächsrunde über Plastikmüll und Billigmode.

Weitere Schwerpunkte im Workshop-Programm widmeten sich der persönlichen Identität und der Verantwortung für Klima und Nachhaltigkeit - zum Beispiel mit einem kritischen Blick auf das eigene Konsumverhalten. Ferner gab es geballte Kompetenz für Wissen und Bildung um Wahlen, Debattenkultur, Religionsformen, EU und Medienkompetenz.  

In der Halle gab es verschiedene Anlaufstellen.
Kreativ an der Litfasssäule.
Mitmachaktion bei den Pari-Jugendwerkstätten.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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