Nach Kastanienfällung in Cuxhaven: Stadt erklärt Gründe und präsentiert neue Pläne
Nach hitzigen Debatten um gefällte Kastanien präsentiert die Stadt eine klimaresiliente Lösung: Silberlinden sollen die Deichstraße prägen. Doch die Entscheidung sorgt für Kontroversen und ein besonderes Augenmerk auf den Umgang mit Stadtbäumen.
Die Diskussion im Bauausschuss war aufgeladen. Zwei markante Kastanien an der Deichstraße waren an einem Sonnabend gefallen und die Gemüter erhitzten sich. Jetzt liegt die Neuplanung auf dem Tisch: Silberlinden sollen die Lücke schließen, insgesamt 67 neue Bäume prägen künftig die gesamte Deichstraße.
Wurzeln durchzogen den Deichkörper
Stadtbaurat Andreas Eickmann erklärte in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses die Hintergründe: "Wir haben am 16. Dezember 2025 mittels eines Saugbaggers den Bereich freigelegt und haben festgestellt, dass der gesamte Deichkörper im gesamten oberen Bereich bereits mit substanziellen Wurzeln durchzogen ist." Die Konsequenz: Standsicherheit gefährdet, Überleben der Kastanien unwahrscheinlich. "Wir haben diese Entscheidung mit Sicherheit nicht leichtfertig getroffen", betonte Eickmann. "Wir hatten von vornherein vorgehabt, die Bäume zu erhalten."
Die Fällung erfolgte an einem Sonnabendvormittag. Der Zeitpunkt war bewusst gewählt, wie der Stadtbaurat erläuterte: "Weil der Samstag der Zeitpunkt ist, in dem erstens keine Schule ist und der Bereich am wenigsten frequentiert wird." Für Eickmann eine sachlich begründete Entscheidung in einem engen Zeitfenster. Das Deichband-Projekt steht bekanntlich unter großem Termindruck.

Klimaresiliente Alternative mit 6 bis 7 Metern Höhe
Marco Lammers von der Bauverwaltung präsentierte die Neuplanung: Wo einst die Kastanien standen, werden künftig Silberlinden wachsen. "Die Bäume erreichen später eine Höhe von 20 bis 25 Metern", erklärte Lammers. Die Wahl fiel bewusst auf diese Art: "Klimaresilienz spielt eine Rolle", so Projektleiterin Julia Gäckle. Die Silberlinde komme gut mit dem lehmigen Boden im Deichkörper zurecht und passe gut zu den vier alten Linden am Eingang zum Lotsenviertel.
Die Ersatzbäume werden beachtliche Ausmaße haben: "Wir visieren einen Stammumfang von 30 bis 35 Zentimetern an und eine Höhe bei Pflanzung von sechs bis sieben Metern", so Gäckle. Die Größe hänge allerdings auch davon ab, was die Baumschule konkret anbieten kann. Gepflanzt wird im Herbst 2026, entsprechend der Vegetationsperiode. Dann wachsen die Silberlinden 40 bis 60 Zentimeter pro Jahr.

"Ein wenig sorgfältiger mit Stadtbäumen umgehen"
Norbert Welker von den Grünen mahnte im Ausschuss: "Für die nähere Zukunft möchte ich doch darum bitten, dass mit Stadtbäumen, insbesondere mit älteren Stadtbäumen, ein wenig sorgfältiger umgegangen wird." Stadtbaurat Eickmann reagierte: "Ich verwehre mich gegen die Aussage, dass wir nicht verantwortungsvoll mit den Bäumen umgegangen sind. Das ist mal wieder diese Legendenbildung, die hier geschaffen wird, die einfach nicht seriös ist."
Ausschussvorsitzender Enak Ferlemann dämpfte die Wogen und verwies auf die fachliche Expertise: "Die Kastanie ist kein zukunftsfähiger Baum in der Region." Die Silberlinde sei "hinsichtlich der Blüten und der Frucht sowohl vogel- als auch insektenfreundlich". Ferlemann lobte die sachliche Aufklärung der Verwaltung: "Ich halte es für gut, dass die Verwaltung sachlich aufgeklärt hat, warum sie das gemacht hat, wie sie das gemacht hat."
Die Arbeiten an der neuen Rampe zwischen Amtsgericht und NPorts-Gebäude können nun weitergehen. Der enge Zeitplan des Deichband-Projekts drängt. Und wo einst zwei alte Kastanien standen, werden im Herbst 2026 junge Silberlinden in den Himmel wachsen.