Rollo, der engagierte Rollstuhlfahrer, hat sich eine eigene Konstruktion gebaut, um mit dem Rasenmäher die kleine Grünanlage hinter dem Ritzebütteler Marktplatz zu pflegen. Fotos: May
Rollo, der engagierte Rollstuhlfahrer, hat sich eine eigene Konstruktion gebaut, um mit dem Rasenmäher die kleine Grünanlage hinter dem Ritzebütteler Marktplatz zu pflegen. Fotos: May
Eigeninitiative vom Rollstuhlfahrer

Mit Leidenschaft und Engagement: Rollo erweckt eine Grünanlage in Cuxhaven zum Leben

von Denice May | 13.11.2024

Unter seinem echten Namen Andree Klöpfer kennt ihn eigentlich kaum jemand. Beim Namen "Rollo" weiß im Lehfeld aber jeder, von wem die Rede ist. Seit einem Schicksalsschlag sitzt Rollo im Rollstuhl - der ihn aber nicht davon abhält, immer zu helfen. 

Wenn in der kleinen Grünanlage hinter dem Ritzebütteler Marktplatz am Abend der Rasenmäher zu hören ist, dann kann dahinter nur einer stecken: Andree Klöpfer. Denn der 45-Jährige, den im Lehfeld alle nur unter dem Namen Rollo kennen, kümmert sich hingebungsvoll um das kleine Fleckchen Grün samt Teich an der Straße Vor dem Flecken. Er wohnt nur wenige Meter von der Grünanlage entfernt, geht hier regelmäßig mit seiner Hündin spazieren. Wobei spazieren gehen vielleicht das falsche Wort ist. Denn Rollo sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl.  

Den Weg frei mähen, Bäume beschneiden, Fische in den Teich (der offiziell ein Niederschlag-Ausgleichsbecken ist) setzen, die Bank reparieren oder Müll aus dem Teich fischen. All das sind Arbeiten, die Rollo freiwillig und gerne macht. "Es kümmert sich ja sonst keiner darum. Immer wieder haben Leute gesagt, hier müsste mal was gemacht werden", erinnert sich Rollo an die Zeit, bevor er die Sache selbst in die Hand genommen hat. Denn Rollo redet nicht nur darüber, was gemacht werden muss, er tut es einfach. So war es schon immer - und wurde ihm einmal auch zum Verhängnis.

Nach einem Autounfall war Rollo querschnittsgelähmt

Geboren wurde Rollo in Cuxhaven, zog in jungen Jahren mit seinen Eltern nach Stade. Dort besuchte er die Schule, absolvierte eine Ausbildung in der Kfz-Branche, baute anschließend eine eigene Werkstatt auf und arbeitete als Monteur im Heizkraftwerk. Sein Leben bestand als Mitte 20-Jähriger aus Arbeit. Er fand immer weniger Schlaf, war überarbeitet und ständig übermüdet. Dass das auf Dauer nicht gut gehen konnte, musste er 2006 auf schlimme Weise erfahren. "Ich habe zehn Tage lang nur drei bis vier Stunden geschlafen, wollte noch schnell was zu essen holen und bin völlig übermüdet ins Auto gestiegen." Ein großer Fehler. Auf einer Landstraße fallen ihm während der Fahrt die Augen zu. Er prallt gegen einen Baum und wird erst 17 Tage später im Krankenhaus wach. "Da habe ich erfahren, dass ich querschnittsgelähmt bin", so der 45-Jährige.

Seine Quads hat er selbst auf Handgas umgebaut

Ein heftiger Einschnitt in das Leben des noch jungen Cuxhaveners. Seinen Traum vom Hausbau, wegen dem er zuvor so viel arbeitete, platzte. Nun standen vier Monate Intensivstation und Reha an. Anschließend zog er zu seinem Vater. Seine Wohnung musste er aufgeben, weil sie nicht barrierefrei war. Trotzdem ließ er sich von seinem "neuen" Leben nicht einschränken. "Ich habe da schon alles allein gemacht, ohne Pflegedienst." Auch seine Leidenschaft für motorisierte Dinge gab er nicht auf. "Meine Quads habe ich selbst auf Handgas umgebaut."

Seine Gartengeräte nimmt Rollo auf seinem speziell angepassten Anhänger mit.

Fahrräder reparieren und Fensterheber einbauen

Weil der barrierefreie Wohnungsmarkt im Kreis Stade nicht gerade üppig war, zog Rollo 2016 Rollo wieder zurück nach Cuxhaven. "Ich kannte niemanden mehr hier." Doch wegen seiner hilfsbereiten Art und seines handwerklichen Geschicks kommt er schnell mit den Nachbarn der umliegenden Parteienhäuser in Kontakt. Er repariert Fahrräder, wechselt Fensterheber am Auto oder montiert Haken im Schuppen. Und seit zwei Jahren kümmert er sich eben auch um die Grünanlage gegenüber seiner Wohnung. Damit Rollo um den Teich herum das Gras mähen kann, hat er sich eine eigene Konstruktion gebaut und mit einer Stange den Rasenmäher mit seinem Rollstuhl verbunden. Weitere Geräte zur Pflege der Anlage nimmt er auf einem kleinen Anhänger mit. "Ich will nicht zu viel machen. Es soll hier begehbare Natur bleiben."

Wildblumenwiese und Solarlampen im kommenden Jahr

In diesem Jahr hat er Schilf, Teichblüher und Minze gepflanzt. Im kommenden Jahr möchte er eine Wildblumenwiese ansäen und Solarlampen anbringen. All das finanziert er aus eigener Tasche. "Ich will kein Geld dafür und mache das freiwillig. Ich lebe nach den Sieger- und Verlierer-Weisheiten. Der Sieger vergleicht seine Leistungen mit seinen Zielen. Der Verlierer vergleicht seine Leistungen mit denen anderer Leute." Sein Ziel ist es, die kleine Grünanlage so zu gestalten, dass sich alle dort wohlfühlen und die Natur auch Natur bleibt.

Rollo bei der Arbeit: Mit seinem am Rollstuhl befestigten Rasenmäher umrundet er die Grünanlage.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Denice May
Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

may@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Schulbau

Cuxhaven: Erster Blick hinter Fassade des neuen Hortgebäudes an der Abendrothschule

von Maren Reese-Winne

Das Gebäude entstand innerhalb eines Tages auf der Wiese vor der Abendroth-Turnhalle in Cuxhaven und die nüchterne Fassade lässt nicht auf den ersten Blick die sich dahinter verbergenden freundlichen Räume vermuten. CNV-Medien hat schon reingeschaut.

Baustelle Theodor-Heuss-Allee

Dauer-Baustelle in Cuxhaven: Asphaltdecke aufgetragen - kurz danach wieder entfernt

von Bengta Brettschneider

Erst gebaut, dann wieder aufgerissen: Die Baustelle an der Theodor-Heuss-Allee in Cuxhaven zieht sich seit Monaten. Nun wurde der Asphalt wieder entfernt - das wirft Fragen auf. Und die Arbeiten verzögern sich weiter.

In der Natur unterwegs

Cuxhavener Vogelguckerin: "Birding ist das neue Yoga"

von Wiebke Kramp

Silke Hartmann zeigt, dass Birding mehr ist als ein Hobby. Ihre Begeisterung für Vögel wirkt ansteckend. Vor allem möchte sie ermuntern, die Wunder der Vogelwelt zu entdecken und so sich selbst etwas Gutes zu tun.

Kommunaler Präventionsrat

"Liegt viel in der Luft": Expertenrunde in Cuxhaven gebildet nach Gewalt durch Kinder

von Maren Reese-Winne

Übergriffe auf Seniorinnen bewegten im vergangenen Sommer die Cuxhavener Bevölkerung, vor allem weil es sich bei den Tätern um Kinder gehandelt haben sollte. Erste Erkenntnisse wurden jetzt bekannt.