Cap Arcona: 80 Jahre später enthüllt eine Leiche neue Geheimnisse
Ein Krimi, der mehr als ein Thriller ist: Die Entdeckung einer Leiche in der Lübecker Bucht führt die Protagonistin Cay auf die Spur einer ungesühnten Schuld, die bis in die Gegenwart reicht und die dunklen Kapitel der Geschichte neu beleuchtet.
Ein Schiff, 7000 Tote, eine ungesühnte Schuld. Und eine Journalistin, die am falschen Ort zur falschen Zeit eine Leiche findet. Turid Müller hat für ihren neuen Ostsee-Krimi "Unter dem Strand" tief in eines der dunkelsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs gegriffen. Sie hat aus diesem viel beachteten Thema einen Roman gemacht, der sich liest wie ein Thriller, aber nachwirkt wie ein Geschichtsbuch.
Am Gründonnerstag, 2. April, um 18.30 Uhr stellt die Hamburgerin ihr Werk in der Stadtbibliothek Cuxhaven vor. Es ist die Premierenlesung, denn genau an diesem Tag kommt ihr Roman, der bei Piper erschienen ist, offiziell in den Buchhandel.
80 Jahre nach der Katastrophe
Im Mittelpunkt steht die Protagonistin Cay, eine gescheiterte Autorin mit einem Leben voller Brüche, die sich als Journalistin durchschlägt. Ein Auftrag führt sie in die Lübecker Bucht: Zum achtzigsten Mal jährt sich der 3. Mai, an dem die Cap Arcona sank. Jenes Schiff, auf dem die SS kurz vor Kriegsende Tausende KZ-Häftlinge interniert hatte und das von britischen Bombern versenkt wurde. Doch Cay kommt nicht zum Recherchieren. Am Schauplatz der Katastrophe findet sie die Leiche einer jungen Frau, die sich für das Gedenken an diese Tragödie eingesetzt hatte. Die ungesühnte Schuld von damals, so begreift Cay bald, wirft noch immer einen langen Schatten auf die Gegenwart. "Wehret den Anfängen, haben wir immer gesagt!", heißt es in dem Buch. "Das ist längst durch. Wir sind schon mittendrin."
368 Seiten, die einen nicht mehr loslassen
Turid Müller, deren Debütroman "Im Schatten der Insel" für den renommierten Glauser-Preis nominiert wurde, hat für diesen zweiten Roman so viel recherchiert wie nie zuvor. Vom lokalen Fischer bis zu Angehörigen von Überlebenden arbeitete sie mit Menschen zusammen, die das Thema sofort mitgerissen hat. "Normalerweise ist Schreiben für mich eher etwas, wobei ich mich zurückziehe", sagt sie. "Diesmal hat es mich mit der Welt verbunden." Warum ein Krimi und kein Sachbuch? "Weil wir einen Krimi vielleicht eher in die Hand nehmen als ein Geschichtsbuch."
Die Lesung in der Bibliothek am Schleusenpriel wird von der Stadt Cuxhaven gemeinsam mit der regionalen Arbeitsgruppe des Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V." veranstaltet. Zwischen den Kapiteln erzählt die Autorin von ihrer Reise in die Vergangenheit; im Anschluss diskutiert sie mit Vereinsmitgliedern über die Aktualität des Themas. Die Oliva-Buchhandlung stellt einen Büchertisch, der Förderverein "Deine Bibliothek" sorgt gegen Spende für Erfrischungen.
Karten gibt es in der Stadtbibliothek, Kapitän-Alexander-Straße 1, Telefon (0 47 21) 700 70 800 sowie in der Kulturinfo am Schlossgarten. Der Normalpreis beträgt 15 Euro, Vereinsmitglieder zahlen 13 Euro, Schülerinnen und Schüler nur 5 Euro.