Die beiden Angeklagten (2.v.l. sowie r.) sitzen neben ihren Verteidigern Rainer Nitschke (l.) und Frank Butzelar (2.v.r.) sowie einer Dolmetscherin (M.) im Saal des Landgerichts Oldenburg. Die beiden Männer im Alter von 47 und 50 Jahren sollen versucht haben, Drogen vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog aus dem Wasser zu fischen. Foto: Mirjam Uhrich/dpa
Die beiden Angeklagten (2.v.l. sowie r.) sitzen neben ihren Verteidigern Rainer Nitschke (l.) und Frank Butzelar (2.v.r.) sowie einer Dolmetscherin (M.) im Saal des Landgerichts Oldenburg. Die beiden Männer im Alter von 47 und 50 Jahren sollen versucht haben, Drogen vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog aus dem Wasser zu fischen. Foto: Mirjam Uhrich/dpa
Gefängnis wegen Nordsee-Schmuggels

Nach Start in Cuxhaven: Wie ein Kutter zur Falle für Kokainhändler wurde

27.11.2024

Es klingt wie in einem Krimi: Mit einem Kutter fahren Drogenhändler von Cuxhaven aus auf die Nordsee, um Kokain einzusammeln. Die Übergabe scheitert. Doch die Fahrt hat Konsequenzen. Jetzt ist die Strafe bekannt.

Die Drogen können nicht weit sein. Rund eine Tonne Kokain soll in wasserdichten Paketen in der Nordsee schwimmen. Immer wieder kreist der Krabbenkutter um die Koordinaten, nördlich von der ostfriesischen Insel Spiekeroog. Doch die Besatzung findet nichts. Nach stundenlanger Suche brechen sie ab - und geraten direkt in die Hände von Fahndern. Nun soll der Kapitän des Kutters für vier Jahre und drei Monate ins Gefängnis, urteilte das Landgericht Oldenburg. Sein Komplize erhielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. 

Der Drogenhandel scheiterte, doch das schützte die Männer nicht vor Konsequenzen. Das Landgericht Oldenburg war nach eigenen Angaben überzeugt, dass die Angeklagten mindestens eine Tonne Kokain aus dem Wasser fischen wollten. Die Drogen sollten später an Land verkauft werden. "Es geht um Millionenbeiträge", betonte der Vorsitzende Richter. Bei guter Qualität könnten Schmuggler für ein einziges Gramm schon 70 bis 80 Euro verlangen. 

Einer der Angeklagten (M.) unterhält sich mit seinem Verteidiger Rainer Nitschke (l.). Daneben sitzt die Dolmetscherin im Saal des Landgerichts Oldenburg. Foto: Mirjam Uhrich/dpa

Ermittlungen nach Tipp aus den USA

Der entscheidende Hinweis für die Fahnder kam nach eigenen Angaben aus den USA. Die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA berichtete Anfang März ihren Amtskollegen von einem Schüttgutfrachter, der Sojaschrot aus dem Hafen von Santos in Brasilien über den Atlantik bis in den niedersächsischen Seehafen nach Brake transportierte. Der Verdacht: An Bord soll auch Kokain geschmuggelt und in deutschen Gewässern an die Besatzung eines Fischkutters übergeben werden.

Ermittler sprechen bei so einem Drogenschmuggel von der sogenannten Drop-off-Methode. Laut Bundeskriminalamt (BKA) werden dabei Drogen wasserdicht verpackt, mit Peilsendern oder Bojen versehen und von der Mannschaft größerer Schiffe über Bord geworfen. Später werden sie von kleineren Booten unbemerkt aufgenommen und an Land gebracht.

Einer der Angeklagten (M.) sitzt neben seinem Verteidiger Frank Butzelar (l.) und einer Dolmetscherin im Saal des Landgerichts Oldenburg. Foto: Mirjam Uhrich/dpa

Übergabe der Drogen scheiterte

Das sei auch der Plan der Angeklagten gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Einer der Männer habe Kontakt mit den Koordinatoren gehalten, der andere den Kutter gesteuert. Ein paar kryptische Notizen auf einem Kassenzettel sollten ihnen den Weg von Cuxhaven zu den Drogen weisen: der Name eines Schiffs, ein Datum, eine Uhrzeit und die Koordinaten. 

Doch die Drogenhändler fanden das Kokain nicht in den Wellen. "Warum hat das nicht geklappt?", fragte der Vorsitzende Richter. Eine klare Antwort habe das Gericht nicht. Möglicherweise habe die Besatzung das Funksystem falsch bedient oder sei zu weit weg gewesen, um eine Verbindung herstellen zu können. Vielleicht seien die Drogen auch erst später als geplant ins Meer geworfen worden. Als die Männer auf dem Kutter die Suche schließlich abbrachen, griffen die Einsatzkräfte der Bundespolizei zu. 

Wo ist das Kokain?

Von den Drogen fehlt weiter jede Spur. Die Ermittler gingen davon aus, dass andere Täter die Pakete mit einem kleineren Boot bargen. Einige Tage später entdeckten Polizisten eine herrenlose Taucherausrüstung im Hafenbecken in Brake, mit der vermutlich auch Drogen an Land gebracht werden sollten. 

Spiekeroog ist eine der ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer. Die Insel hat eine Fläche von 18,25 Quadratkilometern. Vor Spiekeroog sollte die Übergabe erfolgen. Archivfoto: Sina Schuldt/dpa

Im Hafen von Ravenna in Italien fanden Polizeitaucher bei einer erneuten Durchsuchung in einem Seekasten unter dem Schiff weitere 150 Kilogramm Kokain in wasserabweisenden Paketen. Die Bergung dieser Drogen habe wahrscheinlich in Brake von einer anderen Gruppe erfolgen sollen, sagte ein BKA-Ermittler zu Beginn des Prozesses.

Drogenfunde an Stränden der Nord- und Ostsee

Bei solchen Übergaben auf dem Meer gehen manchmal auch Drogen verloren. An der ostfriesischen Nordseeküste waren in den vergangenen Jahren immer wieder Drogen in Säcken angespült und entdeckt worden. Zuletzt gab es auch Funde an der Ostsee.

Eine spektakuläre Entdeckung machte eine Urlauberin im vergangenen April auf Borkum: Dort waren am Strand mehrere verdächtige Säcke angespült worden, die mit einer Rettungsweste zusammengebunden waren. Später bestätigte die Staatsanwaltschaft Aurich, dass sich darin rund eine Tonne Kokain befunden hatte.

Bei einem früheren Termin sitzt einer der Angeklagten (M.) neben seinem Verteidiger Frank Butzelar (l.). Nach der Fuschkutter-Festnahme wird ihm Drogenschmuggel vorgeworfen. Foto: Lennart Stock/dpa

Gericht: Hartes Durchgreifen im Kampf gegen Drogenschmuggel

Solche Fälle wie auf Borkum zeigen laut Gericht, welche Mengen an Kokain über das Meer nach Deutschland geschleust werden. "Dem muss mit einer entsprechenden Härte begegnet werden", sagte der Vorsitzende Richter. "Kokain ist und bleibt eine harte Droge."

Der 50 Jahre alte Kapitän hatte die Vorwürfe im Prozess abgestritten, sein 47 Jahre alter Komplize teilweise ein Geständnis abgelegt. "Beide sitzen aber im wahrsten Sinne des Wortes in einem Boot", sagte der Vorsitzende Richter. Das Gericht verurteilte die Angeklagten wegen Beihilfe zur Einfuhr und zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig. Ein Verfahren gegen einen dritten Mann an Bord wurde abgetrennt, weil er möglicherweise die Ladung vor das Gericht nicht bekommen hatte. (dpa)

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