Neue 110-kV-Kabel in Cuxhaven: Wie sie den Verkehr beeinflussen
Mitten in Cuxhaven sorgt ein neues 110-kV-Kabel für Umwege und Veränderungen. Die Bauarbeiten im Wasserturm-Park bringen nicht nur Einschränkungen für Passanten, sondern auch eine zukunftsweisende Erneuerung der Strominfrastruktur ans Licht.
Wer in diesen Tagen von der Innenstadt zum Bahnhof oder zum Hafen will, steht am Wasserturm vor Bauzäunen. Die zwei viel genutzten Fußwege von der Kapitän-Alexander-Straße durch die Grünanlage sind gesperrt, ebenso der Ampelübergang über die Konrad-Adenauer-Allee am Ende der Wege. Wer vom Bahnhof in die City läuft oder radelt, trifft auf dasselbe Hindernis.
Seit dem 28. September arbeitet der Netzbetreiber Avacon in der Parkanlage neben dem Umspannwerk. Die Bagger heben dort Gräben für Leerrohre aus, in die später ein neues 110-Kilovolt-Kabel eingezogen wird. Die gute Nachricht für Fußgänger und Radler: Die Sperrungen sollen voraussichtlich noch in dieser Woche fallen.
Wie unser Medienhaus bereits ausführlich berichtete, gehören die aktuellen Arbeiten zu einem größeren Projekt. Anfang Juni hatte die Überwachung an einem 110-kV-Ölkabel im Bereich der Industriestraße einen Druckverlust gemeldet. Avacon stoppte die Ölzufuhr, schaltete Umweltbehörden und Sachverständige ein und grenzte die Leckstelle auf einen rund 50 Meter langen Abschnitt ein.
Das Kabel stammt aus dem Jahr 1962 und gehört zu einer Generation papierölisolierter Hochspannungsleitungen, die bei Neubauten längst nicht mehr zum Einsatz kommt. Reparieren lässt es sich nicht. "Eine technische Reparatur ist nicht möglich, sodass die Leitung vollständig zurückgebaut und ersetzt werden muss", sagt eine Avacon-Sprecherin. Der Rückbau sei auch aus Gründen des Umweltschutzes nötig. Ersetzt wird die gesamte, rund 2,2 Kilometer lange Verbindung zwischen den Umspannwerken Industriestraße und Ostseite.
Altes Kabel, neues Rohr

Im Wasserturm-Park verlegen die Bautrupps Rohre aus Polypropylen mit einem Außendurchmesser von 200 Millimetern. Durch sie zieht Avacon später das neue, kunststoffisolierte Erdkabel. Es soll deutlich mehr Strom transportieren als sein Vorgänger.
Damit stärke man die Strominfrastruktur in Cuxhaven und schaffe zusätzliche Kapazitäten für die Energiewende, erklärt die Sprecherin. Wer auf frisches Pflaster hofft, wird allerdings enttäuscht. Avacon stellt die Wege nach Abschluss der Arbeiten wieder her und orientiert sich dabei am ursprünglichen Zustand. Die beanspruchten Flächen sollen also aussehen wie vorher.
Engpass an der Wernerstraße
Auch Autofahrer brauchen weiter Geduld. Auf der Wernerstraße parallel zum Bahnhof ist die Fahrbahnführung eingeschränkt. Auf der Grodener Chaussee rollt der Verkehr bis zum Bahnhof zweispurig statt vierspurig. Je nach Baufortschritt können weitere Engstellen und geänderte Verkehrsführungen hinzukommen.
Ersatz für 29 Gehölze
Auch die Natur zahlt ihren Preis. Für den Rückbau des alten und den Bau des neuen Kabels müssen 29 Bäume und Sträucher weichen, fünf mehr als zunächst angekündigt. Die Stadt Cuxhaven sprach im Sommer von einem erheblichen Eingriff in das Stadtbild, nannte den Ersatzneubau aber alternativlos.
Ein Konzept für Ersatz- und Neupflanzungen ist in Arbeit. Belastungen von Boden oder Grundwasser hatte das begleitende Sachverständigenbüro nach damaligem Stand nicht festgestellt. Die Stromversorgung blieb nach Angaben von Avacon trotz der Störung gesichert. Mitte November sollen die Arbeiten am Wasserturm abgeschlossen sein, Ende November soll die neue Leitung in Betrieb gehen. Dann arbeitet unter dem Park moderne Kabeltechnik, und oben haben Fußgänger und Radler längst wieder freie Bahn.


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