Neue Ausstellung in Cuxhaven: Kerstin Studt enthüllt Mythen im Schloss Ritzebüttel
Kerstin Studt präsentiert im Schloss Ritzebüttel beeindruckende Werke, die weibliche Figuren der griechischen Mythologie neu interpretieren. Besucher erwartet eine vielschichtige Auseinandersetzung mit bekannten Mythen.
Zahlreiche Kunstinteressierte haben am Sonntag die Vernissage der Ausstellung "Augen auf und durch. Medusa und andere widerspenstige Mythen" von Kerstin Studt im Schloss Ritzebüttel besucht. Bis Sonntag, 11. Oktober 2026, sind dort Gemälde, Skulpturen und textile Arbeiten der Berliner Künstlerin zu sehen, die sich mit weiblichen Figuren der griechischen Mythologie auseinandersetzen.
Cuxhavens Bürgermeister Marc Gerdes begrüßte die Gäste und dankte allen Beteiligten, die die Ausstellung ermöglicht haben. Bei der Eröffnung waren außerdem Gabriele Hoffmann vom Fachbereich Kultur der Stadt, die Künstlerin Kerstin Studt und Laudator Wilko Austermann dabei. Austermann, Direktor des Museums gegenstandsfreier Kunst (MgK) in Otterndorf, übernahm die Einführung. Er griff den Ausstellungstitel auf und deutete ihn als Einladung, den Blick nicht abzuwenden - gerade dort, wo Kunst zunächst fremd erscheine oder sich einer schnellen Erklärung entziehe.
Anhand der Werke zu Penelope, Kassandra, Medusa und Pandora zeigte Austermann, wie sich Studt zwischen Figuration und Abstraktion bewegt. Ihre Bilder erzählten keine fertigen Geschichten, sondern eröffneten Denkräume und unterschiedliche Lesarten. Die Besucherinnen und Besucher wurden eingeladen, eigene Deutungen zu entwickeln und mit den Werken in einen Dialog zu treten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Frauenfiguren der Antike, deren Geschichten bis heute nachwirken. Kerstin Studt löst sie aus den bekannten Rollenbildern von Opfer, Verführerin oder Ungeheuer und zeigt sie als vielschichtige, kraftvolle Persönlichkeiten. Inspiration fand sie unter anderem in den antiken Texten von Homer und Ovid.
Besonders eindrucksvoll schilderte die Künstlerin ihre Arbeit am Gemälde "Medusa, du Schöne". "Nachdem ich mit dem Bild fertig war, habe ich mich von dieser leuchtenden orangenen Stelle angestarrt gefühlt. Diese Kraft passte für mich zur Figur der Medusa", sagte Studt während der Vernissage. Auch der Ausstellungstext beschreibt Medusa nicht allein als Monster, sondern als tragische Figur, deren Geschichte neue Perspektiven eröffnet.
Studt arbeitet nicht ausschließlich mit Farben und Leinwand, sondern auch mit Keramik und Textilien. Die unterschiedlichen Materialien ergänzen sich zu einer vielschichtigen Präsentation, die bewusst Fragen stellt, anstatt eindeutige Antworten zu liefern.
Für die Künstlerin ist die Ausstellung im Schloss Ritzebüttel ein besonderer Moment. Sechs Jahre habe sie darauf gewartet, ihre Arbeiten an diesem Ort zeigen zu können, erzählte sie sichtlich bewegt. Umso größer sei ihre Freude, dass ihre Werke nun in den historischen Räumen des Schlosses präsentiert werden.
Die Ausstellung lädt dazu ein, bekannte Mythen mit offenen Augen neu zu entdecken und vertraute Geschichten aus ungewohnten Blickwinkeln zu betrachten. Die Künstlerin wünscht sich außerdem einen Austausch mit ihrem Publikum. Deshalb liegt neben dem Gästebuch des Schlosses auch ein persönliches Gästebuch aus, in das Besucherinnen und Besucher ihre Eindrücke und Gedanken zur Ausstellung eintragen können.
Von Myriam Domke-Feiner
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