Digitaler Einstieg: Der neue Parkautomat auf dem Döser Messeplatz erfasst das Kennzeichen automatisch – Schranken oder Tickets sind passé.
Digitaler Einstieg: Der neue Parkautomat auf dem Döser Messeplatz erfasst das Kennzeichen automatisch – Schranken oder Tickets sind passé.
"Free-Flow"-Parken in Cuxhaven-Döse

Neues Parksystem auf dem Döser Messeplatz: Digital, bequem - aber nicht preiswert

von Jens Potschka | 16.07.2025

Direkt am Döser Deich wird das Parken digital, bequem und bargeldlos - doch nicht alle Wohnmobilreisende jubeln. Die neue Preisstruktur sorgt für Diskussionen und stellt die Frage: Ist modern auch immer fair?

Direkt hinter dem Döser Deich, in unmittelbarer Nähe zur Kugelbake und nur einen Steinwurf entfernt von der "Futtermeile" - der Döser Messeplatz ist seit Jahren ein beliebter Stellplatz für Wohnmobilreisende. Nun wurde dort ein hochmodernes digitales Parksystem eingeführt, das Schranken, Tickets und Bargeld überflüssig macht. Die neue Technologie soll mehr Komfort bieten - stößt bei manchen Gästen jedoch auf Unmut. 

Einchecken ohne Schranke 

Seit Juli erfasst das neue System der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH (NHC) automatisch das Kennzeichen der Fahrzeuge beim Einfahren. Die Abrechnung erfolgt minutengenau - entweder am Automaten oder online per App. Innerhalb von 24 Stunden nach Ausfahrt kann bequem nachgezahlt werden.

"Mit der Einführung des digitalen Parksystems gehen wir einen konsequenten Schritt in Richtung Zukunft", so Olaf Raffel, Geschäftsführer der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH. "Das neue System reduziert Wartezeiten, schafft mehr Komfort und sorgt gleichzeitig für eine effiziente Bewirtschaftung des Messeplatzes."

Tatsächlich funktioniert der Prozess recht reibungslos: Ein Bildschirm zeigt am Eingang die Registrierung des Fahrzeugs, die Zahlung erfolgt ohne Registrierung per Web-App. Während kostenpflichtiger Veranstaltungen in der benachbarten Kugelbake-Halle parken Besucher sogar kostenlos. Auch Datenschutzbedenken seien laut NHC unbegründet: Das System sei DSGVO-konform und DEKRA-geprüft.

Komfort ja - aber Kritik an Tarifmodell

Was vielen Wohnmobilisten jedoch sauer aufstößt, ist die Preisstruktur: Jede angefangene Stunde kostet 3 Euro, das Tagesmaximum (6 bis 23.59 Uhr) liegt bei 8 Euro, das Nachtmaximum (0 bis 5.59 Uhr) bei 13 Euro. Wer also beispielsweise um 18 Uhr ankommt und bis zum nächsten Morgen bleibt, zahlt gleich drei Gebühren - insgesamt 29 Euro, zuzüglich Gästebeitrag.

"Der Platz der Stadt ist immer noch etwas günstiger als die privaten Stellplätze", meint ein Camper aus Neuwied. "Und man bekommt hier einen tollen Standort - nah am Strand und mit guter Versorgung. Trotzdem hat sich der Preis fast verdoppelt."

Auch ein VW-Bus-Fahrerin aus Lindau lobt das System grundsätzlich: "So modern wie hier haben wir das selten erlebt. Nur die Beschilderung am Eingang müsste klarer sein - nachts ist das kaum zu erkennen."

Ein Camper aus Neu Wulmstorf ärgert sich: "Wenn man 29 Euro zahlt, sollte das auch deutlich ausgeschildert sein. Viele denken bei Anreise nicht daran, dass Tag und Nacht separat berechnet werden."

Vergleich mit anderen Plätzen fällt gemischt aus

Zum Vergleich: Auf der sogenannten "Platte" im Hafen, betrieben von Niedersachsen Ports, kostet die Nacht derzeit 19 Euro, in der Nebensaison nur 14 Euro - mit ähnlichem Leistungsumfang. Privatplätze in Duhnen und Sahlenburg verlangen im Schnitt 30 Euro pro Nacht mit entsprechendem Serviceangebot.

Bei Camping-Car Park, einem großen französischen Betreiber, gilt die Gebühr ab Einfahrt für exakt 24 Stunden - egal, ob man um 17 oder 23 Uhr ankommt. Der Durchschnittspreis liegt dort bei 16 Euro. Viele Camper fragen sich daher, ob die Abrechnung in Döse fair genug gestaltet ist.

Die NHC weist die Kritik an mangelndem Komfort zurück. "Wir bieten Toiletten, eine kostenlose Entsorgungsstation und gegen Gebühr Strom und Frischwasser", erklärt Marianne Hanke von der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH. "Außerdem stehen die Gäste direkt hinter dem Deich, mit kurzem Weg zum Strand und gastronomischer Vielfalt. Es ist ein Parkplatz - kein Campingplatz."

Stundengenaue Abrechnung statt Pauschale

Vorteile sieht die NHC vor allem in der Flexibilität: Es gibt keine festen Check-in- oder Check-out-Zeiten mehr. Gäste zahlen für die tatsächliche Parkdauer - ein Modell, das manchen gefällt. "Viele Gäste schätzen diese faire Abrechnung, da sie flexibel entscheiden können, wann sie an- oder abreisen. Der Parktarif gilt zudem pro Fahrzeug, also unabhängig von der Anzahl der reisenden Personen, dem Alter oder ob die Gäste Hunde dabeihaben", ergänzt Marianne Hanke.

Dennoch: Die Kritik am Dreiklang aus Tages-, Nacht- und erneutem Tagestarif bei einer Übernachtung ist nicht aus der Luft gegriffen - und wurde von der NHC mittlerweile auch eingeräumt. Auf der Website waren die neuen Preise anfangs nicht ersichtlich, dieser Fehler sei inzwischen behoben.

Ob sich das digitale System langfristig bewährt, wird sich zeigen. Klar ist: Die Zukunft des Parkens in Cuxhaven ist smart - aber sie hat ihren Preis.

Von Jens Jürgen Potschka und Tim Larschow

Traumlage mit System: Vom Deich aus fällt der Blick auf den Messeplatz - ein beliebter Stellplatz direkt an der Nordsee.

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Jens Potschka

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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