Mal schauen, ob noch alles da ist (gestellte Szene): Dieses Bedürfnis meldete sich auch bei Schließfach-Mieterinnen und -Mietern in Cuxhaven nach dem spektakulären Einbruch in Gelsenkirchen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Mal schauen, ob noch alles da ist (gestellte Szene): Dieses Bedürfnis meldete sich auch bei Schließfach-Mieterinnen und -Mietern in Cuxhaven nach dem spektakulären Einbruch in Gelsenkirchen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Stimmt die Absicherung?

Nicht panisch, aber bewusster: Cuxhavener Kunden reagieren auf Schließfach-Einbruch  

von Maren Reese-Winne | 15.01.2026

Fast alle 3250 Bankschließfächer haben bislang unbekannte Täter über die Weihnachtstage in Gelsenkirchen ausgeräumt. Ein Vorfall, der weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinausstrahlt - auch nach Cuxhaven. Was spüren die hiesigen Geldinstitute? 

Blanke Panik sprach aus den Reaktionen der mutmaßlich Geschädigten, die vor der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer lauthals Einlass forderten, nachdem der spektakuläre Einbruch in den Tresorraum bekannt geworden war. Ob jemals bekannt wird, was wirklich aus den 3250 Bankschließfächern gestohlen worden ist? Es geht um Werte und Erinnerungen.

Manche Schließfach-Kunden kamen ins Grübeln

Auch in Cuxhaven kamen diverse Bankkunden ins Grübeln: Kann das auch mir passieren? Sind meine Wertgegenstände eigentlich versichert? Muss ich jetzt handeln? Und was hat sich eigentlich in meinem Schließfach angesammelt? 

Die Aufbewahrung bei der Bank bietet gemeinhin die besten Chancen, Wertgegenstände wie Familienschmuck, Goldmünzen, Sammlungen, Datenträger und Erinnerungsstücke mit ziemlicher Gewissheit sicherer als im eigenen Zuhause aufzubewahren, wo Einbrecher typische Verstecke zielsicher anzugehen wissen. Aber hundertprozentigen Schutz bieten auch dicke Wände und Extra-Sicherungen nicht.

Auch ausgeklügelte Sicherheitssysteme versprechen keine hundertprozentige Sicherheit

Das würde auch Lars Petschulat, Pressesprecher der Stadtsparkasse Cuxhaven, nicht behaupten, so ausgeklügelt die Sicherheitssysteme auch seien. Und das seien sie, versichert er: "Für uns geht es um viel, allem voran um das Vertrauen unserer Kunden." Gleichzeitig hätten die Geldinstitute gegenüber ihren eigenen Versicherungen die gewissenhafte Sicherung ihrer Anlagen nachzuweisen. Auch ohne aktuellen Anlass würden daher die Maßnahmen regelmäßig überprüft und dem neuesten technischen Standard angepasst.

Stadtsparkassenteam blieb nicht ungerührt

Das wie in einem Hollywood-Film anmutende Geschehen in Gelsenkirchen habe jedoch auch das Stadtsparkassen-Team nicht ungerührt gelassen. "Wir haben mit Nachfragen der Kundschaft gerechnet", verrät Lars Petschulat. Tatsächlich habe es diese Reaktionen gegeben, jedoch in geringerem Maße als vermutet. Hauptsächlich eine Frage bewegte die Menschen: "Könnte das auch hier passieren?"

Im Schließfach aufbewahrtes Bargeld muss unter Umständen extra versichert werden. Foto: Patrick Pleul/dpa

Über Haftungsgrenzen würden Stadtsparkassen-Kunden bei der Eröffnung eines Schließfachs deutlich informiert,  berichtet Lars Petschulat. Ob sie eine gesonderte Schließfach-Versicherung abschließen oder sich auf den Schutz ihrer Hausratversicherung verlassen, obliege den Nutzern selbst. "Wir weisen auf diese Möglichkeiten hin." 

Was ist erlaubt und was verboten?

Was in den Fächern landet, ist allein Sache der Mieterinnen und Mieter, solange es sich um legale Gegenstände handelt: Schmuck, Gold und andere Edelmetalle, Bargeld, Dokumente und Verfügungen und Datensicherungen auf Festplatten oder USB-Sticks etwa. Nicht erlaubt sind hingegen Waffen, Munition, radioaktives Material, illegale Drogen und Lebewesen.

Die Beweisführung über den Inhalt bleibt im Ernstfall schwierig. "In der Regel sind Sie nicht verpflichtet, den Inhalt Ihres Schließfaches zu dokumentieren. Es kann aber hilfreich sein, für sich selbst eine Liste über die verwahrten Gegenstände zu führen", sagt hierzu eine von uns befragte Pressesprecherin der Commerzbank. 

Auch Commerzbank-Kunden fragen nach

Auch in der Commerzbank-Filiale Cuxhaven seien Schließfächer verfügbar, erklärt sie weiter. Reaktionen auf den spektakulären Einbruch seien zu spüren. Die Anzahl der Anfragen, etwa zum Versicherungsschutz, habe zugenommen.

Bei der Commerzbank bestehe unabhängig von der Größe ein Versicherungsschutz bis zu einer Summe von 26.000 Euro. Diebstahl, Einbruch und Brand seien durch diese Basis-Versicherung abgedeckt. Bargeld und Elementarschäden können durch eine Zusatzversicherung abgesichert werden.

Die Sprecherin weiter: "Wünschen Sie eine höhere Versicherungssumme, können Sie gegen Aufpreis eine ergänzende Versicherung abschließen. Wertvollen Schmuck im Fach, der die versicherte Summe übersteigt, können Sie zudem zusätzlich über Ihre Hausratversicherung versichern. Diese übernimmt den Schaden aber nur, wenn die Bank nicht dafür aufkommt."

Wie teuer ein Bankschließfach ist, hängt unter anderem vom einschließbaren Volumen ab. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Ausgeklügelte Methoden der Verbrecherbanden

Wie die Volksbank Stade-Cuxhaven eG nicht nur mit dem aktuellen Vorfall umgeht, erläutert Daniel Hajduk, Teamleitung Marketing und Kommunikation. Er sagt: "Die Schließfach-Vorfälle in den letzten Monaten zeigen, wie ausgeklügelt die Verbrecherbanden inzwischen vorgehen. Umso wichtiger ist es, die Sicherungsmechanismen sowie die Infrastruktur rund um die Schließfachsysteme regelmäßig umfassend zu überprüfen.

Die Kundinnen und Kunden setzen zurecht ein hohes Vertrauen in uns. Deshalb haben wir die Vorfälle zum Anlass genommen, sämtliche Sicherungssysteme im Bereich der Schließfächer in allen unseren Geschäftsstellen erneut kritisch zu durchleuchten. Gleichzeitig wurden die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nochmal zusätzlich sensibilisiert.

Aktiv auf die Kundschaft zugehen

Trotz der umfangreichen Sicherungsmechanismen ist es wichtig und notwendig, dass die Kundinnen und Kunden ausreichend versichert sind und sämtliche in den Schließfächern enthaltene Gegenstände, Dokumente und sonstige Eigentümer gemäß den Versicherungsvorgaben dokumentieren. Das ist nicht nur bei Diebstahl relevant, sondern auch bei Überschwemmung oder Brand. Dazu beraten wir gemeinsam mit unserem Versicherungspartner R+V-Versicherungen auf Wunsch natürlich umfassend." 

Kunden selbst kämen nur vereinzelt mit Fragen zur Schließfachversicherung und Sicherungsmaßnahmen auf die Beraterinnen und Berater zu. Hajduk: "Was wir den Kunden dann jedoch mit auf den Weg geben: Die Aufbewahrung von Wertgegenständen oder wichtigen Dokumenten ist in einem Schließfach um ein Vielfaches sicherer als eine Aufbewahrung in den eigenen vier Wänden."

Das sagt die Verbraucherzentrale

Worauf Kunden bei der Anmietung eines Bankschließfachs und beim entsprechenden Versicherungsschutz achten sollten, darüber haben wir uns bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen erkundigt.

"Im Hinblick auf den Schutz vor Verlust ist zum einen die Lage des Schließfachbereichs innerhalb der Bank - also in einem gesonderten, von außen zugänglichen Bereich oder in den gesondert gesicherten Geschäftsräumen selbst - wichtig", erklärt Philipp Rehberg, Referent Finanzdienstleistungen. Je schwieriger der Schließfachbereich für Einbrecher zugänglich sei, desto geringer sei auch die Gefahr eines Einbruchdiebstahls.

Zum anderen sollten sich Verbraucherinnen und Verbraucher über den Versicherungsschutz seitens der Bank informieren. Rehberg: "Die Höchstversicherungssummen und die Versicherungsbedingungen sind dort sehr unterschiedlich. Manche gewähren auch überhaupt keinen Versicherungsschutz."

Es sollten mindestens die Gefahren versichert sein, die dem Standard einer Hausratversicherung entsprächen, so der Experte. Aus Nachweisgründen sollte der Inhalt des Schließfaches nach jedem Öffnen fotografiert werden. Die Kaufbelege etwaiger Wertgegenstände sollten dauerhaft und getrennt aufbewahrt werden.

Soweit der von der Bank gewährte Versicherungsschutz nicht ausreiche, könnten Wertsachen in Schließfächern entweder über die Hausratversicherung oder - falls nicht vorhanden - auch über spezielle Schließfachversicherungen versichert werden. Idealerweise sollte die Versicherungssumme mindestens dem Wert der im Schließfach aufbewahrten Sachen entsprechen. Nicht alle Hausratversicherungen böten einen Schutz in beliebiger Höhe an, sondern setzten Höchstgrenzen.

Eine wirkliche Alternative ist nicht in Sicht

Wirklich tragfähige Alternativen zum Schließfach kann der Fachmann nicht nennen: "Als alternative Methode für die Aufbewahrung wertvoller Güter würde mir nur ein eigener Tresor einfallen. Ob ein solcher aber sicherer ist als ein Bankschließfach, ist fraglich", gibt er zu bedenken.

Auch in digitalen Zeiten könne im übrigen nicht vollends auf Versicherungsbelege in Papierform - die ja häufig in Schließfächern aufbewahrt werden - verzichtet werden, ergänzt er auf Nachfrage: "Versicherungspolicen für Kapitalversicherungen wie Kapitallebensversicherungen und kapitalbildende Rentenversicherungen müssen für die Auszahlung in der Regel nach wie vor im Original vorgelegt werden."

Sparbuch-Schließfächer sind ein Sonderfall

Keinesfalls mit der Sicherheit eines Bankschließfachs gleichzusetzen sind Sparbuch-Verwahrfächer, die es beispielsweise noch in der Hauptstelle der Stadtsparkasse Cuxhaven gibt und die von der Kundenhalle aus zugänglich sind. Diese Fächer sind ausschließlich zur Verwahrung von Sparbüchern gedacht.

Sprecher Lars Petschulat kann nur schwer dazu raten, sich an diese Regel zu halten: "Eine Geschäftsstelle ist nicht Fort Knox", betont er, auch wenn selbstverständlich auch die Verwahranlage für Sparbücher gesichert sei. Der Missbrauch gestohlener Sparbücher lasse sich durch verschiedene Maßnahmen gut in Schach halten, sodass großer Schaden von den Besitzerinnen und Besitzern ferngehalten werden könne.

Wenige Minuten reichten den Tätern 2018 in Altenwalde

Die Feuerprobe musste die Stadtsparkasse im August 2018 überstehen, als in der Geschäftsstelle Altenwalde (damals noch neben dem Edeka-Markt) rund 200 Sparbuch-Schließfächer aufgebrochen wurden. An mehreren Orten in Deutschland ereigneten sich damals innerhalb weniger Stunden und Tage ähnliche Einbrüche.

In Altenwalde reichten den Tätern wenige Minuten aus, um an die Inhalte der Sparbuchschließfächer zu gelangen. Kundinnen und Kunden erlebten bange Momente, bis sie wussten, ob auch ihr Fach betroffen war. Dem Vernehmen nach sollen sich damals nicht in allen Fächern nur Sparbücher befunden haben. Versichert war dieser Verlust nicht.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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