Nordholzer Marineflieger im Aufwind - ab 2028 auch mit Drohnen zur U-Boot-Jagd
Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei für das Marinefliegerkommando in Nordholz. Der Standort unweit von Cuxhaven wächst; die Modernisierung der Waffensysteme ist in vollem Gang. Personell muss kräftig aufgestockt werden - eine Herausforderung.
Die Gefahren eines Krieges sind für Deutschland konkreter denn je - und doch stellte Kapitän zur See Broder Nielsen, Kommandeur des Marinefliegerkommandos in Nordholz, am Donnerstag beim Neujahrsempfang auf der Standortschießanlage in Altenwalde fest: "Es gibt keine Alternative zum Optimismus." In Nordholz böten sich dafür beste Voraussetzungen.
Pessimismus lähme, so Broder Nielsen; vielmehr angebracht seien hingegen Optimismus und verlässliches Handeln. "Die Jahre der Unsicherheit sind endgültig vorbei. Wir wissen, wie die Zukunft der Marineflieger aussehen wird." Nach der Ankunft der ersten beiden Seefernaufklärer des Typs P8 Poseidon und des ersten Hubschraubers des Typs NH 90 MRFH Sea Tiger schloss sich unlängst mit dem jüngsten Beschluss des Bundestags der nächste Meilenstein an: Acht Drohnen vom Typ MQ-9B zum Einsatz bei den Marinefliegern sind beim US-Hersteller General Atomics bestellt worden.

Die ersten Systeme (faktisch unbemannte Flugzeuge) sollen 2028 übergeben werden. Die mit Sensoren vollgepackten Drohnen sind genau wie die Seefernaufklärer vom Typ P8-A für den Flug über große Seegebiete ausgelegt. Sie können alleine fliegen oder zusammen mit den bemannten Flugzeugen operieren.
Marine hat Interesse am Standort Altenwalde unterstrichen
"Auch auf dem Flugplatz lässt sich erahnen, dass etwas passiert. Bauzäune werden errichtet, Böden planiert", so Nielsen. Aber die Marine benötige auch Häfen, einen weiteren Flugplatz und Ausbildungseinrichtungen. Nicht umsonst habe er als Ort für den Empfang die Standortschießanlage in Altenwalde gewählt: "Die Marine hat ihr Interesse an der Wiederaufnahme des Betriebs in Altenwalde bekundet."

"Eine Brücke in den zivilen Raum schlagen"
Aber Verteidigung müsse auch außerhalb des Kasernenzauns stattfinden: Mit der Brücke in den zivilen Raum wolle er den Austausch zum Thema gesamtgesellschaftliche Verteidigungsanstrengungen und individuelle Verantwortung anschieben. Alle Reputation nütze der Bundeswehr nichts, wenn 85 Prozent der Eltern ihren Kindern vom Dienst am eigenen Land - einer Aufgabe, wie sie sinnvoller nicht sein könne - abrieten.
Angriffe sollen Bundeswehr und Bevölkerung verunsichern und testen
"Die sicherheitspolitische Situation lässt uns oft fassungslos zurück. Vermeintliche Gewissheiten zerbrechen, und wir sind nicht nur irritiert, sondern oftmals zutiefst verunsichert", schilderte Nielsen den Ernst der Lage und zitierte den Inspekteur der Marine: "Wir spüren die Bedrohung in den Heimatgewässern. Die Besatzungen erleben sie in den Operationsgebieten hautnah." Angriffe auf kritische Unterwasserinfrastruktur, provokatives russisches Verhalten auf See, die Allgegenwart von Drohnen zweifelhafter Herkunft, vermeintliche und wirkliche Sabotage sollten Streitkräfte und Bevölkerung verunsichern und testen.

Aufstockung auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten erforderlich
Zur Sicherung der Landesverteidigung müsse aber auch der personelle Aufwuchs gelingen, betonte der Kommandeur: "Wir brauchen die Aufstockung auf mindestens 260.000 Soldatinnen und Soldaten und 200.000 Reservisten." Um dieses Ziel zu erreichen, sei die Unterstützung von Eltern, Arbeitgebern und anderen Vorbildern unerlässlich.
"Im Ernstfall kommen wir nicht nach Cuxhaven, wir werden dann in der Ostsee und im Nordatlantik U-Boote jagen", kündigte Broder Nielsen an. Der Schutz der Bevölkerung innerhalb des deutschen Staatsgebietes sei vornehmlich Sache der im Jahr 2025 aufgestellten, dem Heer angeschlossenen Heimatschutzdivision der Bundeswehr. Auch diese fordere in weit höherem Maß als bisher die Beteiligung der Gesellschaft.

"Tag der Bundeswehr": 6. Juni im Kalender vormerken
Um Aufgabe und Verantwortung begreifbar zu machen, will sich die Bundeswehr öffnen. Voller Zuversicht blickte Broder Nielsen auf den "Tag der Bundeswehr" voraus, der am 6. Juni dieses Jahres an bundesweit zehn Standorten stattfinden wird. "Allein wir erwarten über 60.000 Besucher", kündigte er an.
Aber auch die Gestaltung des Empfangs war darauf angelegt, Einblicke zu geben und Menschen zu zeigen, die täglich im Hintergrund wirken, aber selten im Rampenlicht stehen.
Einst Soldat der Sowjetunion, heute Stütze des Kommandeurs
Einen davon holte Broder Nielsen am Donnerstag zu sich in die erste Reihe. Es war der emotionale Höhepunkt des Empfangs, denn der Oberstabsgefreite Aser (aus Sicherheitsgründen werden in Presseberichten nur Vornamen genannt, außer es handelt sich um Führungskräfte, d. Red.) hat eine besondere Geschichte. Noch 1989 stand er - als sowjetischer Pflichtwehrdienstleistender in die DDR entsandt - auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs.
Nach der Wende kam der gebürtige Aserbaidschaner 1992 ins wiedervereinigte Deutschland, fing als gelernter Brunnenbauer erst auf dem Bau und später in der Autoindustrie an, bis er dann 2020 als 49-Jähriger in die Bundeswehr eintrat. Bald transportierte er nicht mehr nur Nachschub, sondern ist inzwischen auch Fahrer des Kommandeurs selbst.

Es war ein bewegender Moment, als Broder Nielsen die besondere Einsatzbereitschaft und das freundliche Auftreten seines Mitarbeiters würdigte und ihn anschließend für treue Pflichterfüllung und überdurchschnittliche Leistung mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr auszeichnete.
Trotz klirrender Kälte nahmen sich viele Gäste anschließend Zeit, sich mit den Soldatinnen und Soldaten zu unterhalten und sich an verschiedenen Stationen Aufgaben und Materialien erklären zu lassen.
