Offshore-Experte: "Cuxhaven macht sehr viel richtig"
Verliert eine Vorzeigebranche an Schwung? Dieser Frage ging der Cuxhavener Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in der vergangenen Woche bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Offshore-Windkraft auf den Grund.

Von Kai Koppe
Cuxhaven. Der Ausbau der Offshore-Windenergie gilt als Schlüssel für die Energiewende. Doch zuletzt häufen sich die Hinweise darauf, dass Deutschlands Vorzeigebranche an Schwung verliert. Wie ernst die Lage tatsächlich ist und was sich daraus für das Offshore-Industrie-Zentrum Cuxhaven ergeben könnte, diskutierte der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen mit einer Reihe von eigens zu diesem Zweck eingeladenen Experten.
"Offshore-Windenergie in Gefahr?", fragten die Cuxhavener Grünen bei ihrem jüngsten "Kneipengespräch": Die Veranstaltung, die Mitte vergangener Woche im "Captain Ahab's Culture Club" stattfand, bezog sich auf einen Vorgang aus dem vergangenen Sommer: Eine Auktion für einen Windpark in der deutschen Nordsee blieb seinerzeit ohne Gebot. "Ein Rückschlag für die Windenergie", urteilten die Medien, in denen zuletzt viel über die Energiepolitik der neuen Bundesregierung zu lesen war. Die Cuxhavener Grünen sind nicht die Einzigen, die klare politische Entscheidungen vermissen, sie jedoch waren diejenigen, die eine erkennbare Flaute am Mittwoch öffentlich in einer prominent besetzten Runde thematisierten.
Geht Deutschland das Thema Ausschreibungen falsch an?
Aus Sicht von Andreas Mummert, Leiter des Ressorts Politik bei der Stiftung Offshore Windenergie, sind es jedoch weniger einzelne O-Töne aus der politischen Blase, die Schub kosten. "Das Ausschreibungsdesign macht Probleme", sagte Mummert und sprach davon, dass nach derzeit geltenden Regeln vor allem Bieter bezuschlagt würden, die besonders risikoreich (also über den Preis) einsteigen. Letztere könnten später versucht sein, an anderer Stelle zu sparen - ein Effekt, der aus Sicht des Stiftungsvertreters den Einkauf günstiger Bauteile (etwa aus China) vorantreibt.
Nach Auffassung von Hanno Salecker, Meeres-Raumordner im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, liegt die gegenwärtige Zurückhaltung in der Branche an Rahmenbedingungen. Sie seien zu wenig auf eine internationale (besser gesagt: inner-europäische) Zusammenarbeit abgestimmt. "Deutschland war lange Zeit Vorreiter in technologischer Hinsicht", sagte Salecker. "Das hat sich zum Teil gedreht".
Für die Cuxhavener Wirtschaft sprechend machte Arne Ehlers zunächst einmal klar, dass den Erneuerbaren Energien die Zukunft gehöre. Gleichwohl könne man nicht umhin, festzustellen, dass der Offshore-Ausbau in Deutschland ins Stocken gerate - zumal bei einem Blick auf andere Nordsee-Anrainer. So hätten die Briten unlängst die größte Vergaberunde in der europäischen Geschichte durchgeführt und 8,4 Gigawatt verauktioniert. Eine Zahl, die in deutschen Ohren besonders laut klingeln muss. Habe man hierzulande doch gerade einmal neun Gigawatt installiert, so Ehlers sinngemäß. Eine Herausforderung erkennt er jedoch vor allem im schnellen Ausbau der Netze - notwendig, um den auf See erzeugten Strom überhaupt abzuführen. "Wenn BP und Total jetzt bauen würden", sagte er, auf zwei große Windpark-Projektierer anspielend, "könnten die ihre Anlagen überhaupt nicht anbinden".
Drehscheiben-Rolle als Trumpfkarte Cuxhavens
Auf die politische Stimmungslage zurückkommend forderte Stefan Wenzel (Grüne) in Sachen Energiepolitik eine "Kontinuität über den Regierungswechsel hinaus". Seiner Auffassung nach müsste eine Novelle des Wind-auf-See-Gesetzes noch vor der Sommerpause verabschiedet werden. "Das wird echt eng", sagte der ehemalige Staatssekretär, der gegen die Vorstellung ankämpft, dass Offshore-Windkraft wirtschaftlich als ein rein norddeutsches Thema zu sehen sei. Spricht man über Standorte, muss man aus Wenzels Sicht allerdings konstatieren, dass Cuxhaven bietet, was kein anderer Hafen zu leisten vermöge. Für diese Tatsache müsse man "Akzeptanz schaffen", so Wenzel.
Den Standortgedanken aufgreifend fragte die Moderatorin Johanna Reusch im Laufe der Diskussion nach den konkreten Auswirkungen, die eine mutmaßliche Hängepartie für Cuxhaven haben könnte. "Arbeitsplätze sind nicht gefährdet", antwortete Ehlers mit Blick auf sein eigenes Unternehmen. Er verwies dabei auf das boomende Onshore-Segment, das (quasi in umgekehrter Richtung) zu großen Teilen über Cuxhaven abgewickelt werde. Der Offshore-Komponenten-Hersteller Siemens wiederum speise mit seinen Turbinen einen Weltmarkt - ebenfalls über Cuxhaven. Und was den Bau von Offshore-Parks in der Nordsee angehe: Dabei werde Cuxhaven "so oder so" sein Auskommen haben - egal ob diese Windparks nun Anfang oder Mitte der 30er Jahre kämen.
"Cuxhaven macht sehr viel richtig." Für Mummert ist der Standort damit deutlich im Vorteil. Für große Teile der Wertschöpfungskette, machte er andererseits klar, sei es hingegen nicht egal, ob sich die Zeitplanung um zwei oder drei Jahre verschiebe.
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.