Protest der Frauen: Die Cuxhavener "Enough"-Gruppe will den Finger in die Wunde legen
Die Unsichtbarkeit der Care-Arbeit von Frauen rückt in den Fokus: Die Cuxhavener "Enough"- Gruppe will am 9.März 2026 mit einer Aktion auf strukturelle Lücken aufmerksam machen und fordert mehr Anerkennung und Gleichberechtigung in der Gesellschaft.
Im zweiten Teil der CNV-Serie zum Frauenstreik am 9. März 2026 kommt ein Teil der Initiatorinnen der Cuxhavener Enough-Gruppe zu Wort. Sie erklären, warum es ihnen so wichtig ist, die unsichtbare Care-Arbeit von Frauen sichtbar zu machen und welche strukturellen Lücken im Alltag noch immer bestehen.
Care-Arbeit bezeichnet alle bezahlten und unbezahlten Tätigkeiten, bei denen Menschen sich um andere kümmern - zum Beispiel Kinder erziehen, Angehörige pflegen, Kranke versorgen, im Kindergarten arbeiten oder im Seniorenheim Essen austeilen und beim Anziehen helfen.
Zwischen Meeting und Care-Arbeit
Das Zoom-Fenster flackert kurz, dann erscheint Mariana Härtel aus dem Krankenhaus. Sie hatte gerade eine wichtige Untersuchung, trotzdem schaltet sie sich ein. "Mir geht es gut", sagt sie lachend. Auch die anderen Initiatorinnen jonglieren zwischen Care-Arbeit und Meeting: Kinder im Nebenraum, Telefonate, Beratungstermine - alles gleichzeitig.
Die Enough-Gruppe Cuxhaven entstand aus dem Arbeitskreis "Gegen häusliche Gewalt", um den 9. März in Cuxhaven zu organisieren. Mirian Breuer vom Paritätischen, Ragna Spargel von Pro Familia und Mariana Härtel von der Beratungsstelle "BISS" sind ein Teil der Organisation.
"Naja, du hast ja nie richtig gearbeitet"
"Frauen tragen einen viel zu großen Anteil an unbezahlter Versorgungsarbeit, die kaum gewürdigt wird", sagt Breuer. Besonders prägend war der Moment, als ihr Vater starb: Ihre Mutter, 82 Jahre wartete auf die Witwenrente. Sie hatte drei Kinder bekommen und groß gezogen, die eigene Mutter bis zum Tod gepflegt, wie auch ihren eigenen Mann. "Meine Schwester kommentierte: 'Naja, du hast ja nie richtig gearbeitet.'" So ein Kommentar zeige, das Care-Arbeit gesellschaftlich immer noch nicht zählt, obwohl sie rund um die Uhr geleistet wird - und das über Generationen hinweg. Häufig seien es nämlich auch die Töchter, die sich dann später um die älter und kränker werdenden Eltern kümmern.
Dank verlässlicher Kinderbetreuung und eines Autos konnte Mirian Breur selbst ihrer Arbeit nachgehen, trotzdem spürte sie die dauerhafte Verantwortung. "Finanziell steht mein inzwischen Ex-Mann super da, da er immer in Vollzeit tätig war. Ich dagegen muss schauen, wie viel mir im Alter an Versorgung zustehen wird." Breuer fasst es in einem Satz zusammen: "Wenn wir nichts ändern, wiederholen sich die gleichen Ungerechtigkeiten - Frauen bleiben finanziell abhängig, in Teilzeit und mit geringer Rente."
Auch in Ragna Spargels Arbeitsalltag bei Pro Familia ist das Thema allgegenwärtig. In der Beratung schwangerer Menschen oder bei Fragen zur Familienplanung. Sie beobachtet, dass Frauen nach wie vor viel selbstverständlicher in Elternzeit gehen und danach häufig in Teilzeit weiterarbeiten - mit finanziellen Abhängigkeiten, geringer Rente und einseitigen Zuständigkeiten.

Arbeit niederlegen - ein Privileg
Ein zentraler Bereich sei auch die Beratung im Schwangerschaftskonflikt: Pro Familia setzt sich für körperliche Selbstbestimmung ein, fordert die Streichung des Paragrafen 218 und eine gesetzliche Neuregelung. "Frauen erfahren weltweit deutlich mehr Diskriminierung und Gewalt, häufig entscheiden Männer über ihren Körper", erläutert Spargel. Auch in der sexuellen Bildung mit Kindern, Jugendlichen und Fachkräften stehe das Thema Selbstbestimmung im Vordergrund.
Die Arbeit einfach niederzulegen sei jedoch auch ein Privileg. "Frauen in prekären Lebens- oder auch Arbeitssituationen können dies nicht so einfach tun", fügt die Sozialarbeiterin hinzu.
Am 9. März 2026 geht es um 9 Uhr im Bali Kino Cuxhaven los, mit einer Begrüßung durch Ministerin Daniela Behrens. Um 10 Uhr wird der Film "Ein Tag ohne Frauen", über den Streik in Island, gezeigt. Tickets lassen sich bereits jetzt auf der Website des Kinos für fünf Euro buchen. Im Anschluss soll eine "Pause für Frauen" geschaffen werden, in der es auch eine stärkende Suppe geben soll.