Kein Denkmalstatus für die Alte Liebe in Cuxhaven: Dämpfer für Petitions-Initiative
Nach einer Ortsbesichtigung hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege entschieden, die Alte Liebe nicht als Denkmal anzuerkennen. Für die Initiatoren der Petition "Oberdeck der Alten Liebe erhalten" bedeutet dies einen deutlichen Dämpfer.
Die Alte Liebe, Wahrzeichen und zugleich eine der bekanntesten Attraktionen der Stadt Cuxhaven, steht vor einer Neugestaltung. Die Hafengesellschaft NPorts plant, die Aussichtsplattform zu sanieren und neu zu konzipieren. Während frühere Entwürfe eine eingeschossige Lösung vorsahen, liegt inzwischen ein überarbeiteter Plan vor, der eine zweite Ebene umfasst. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Initiative "Oberdeck der Alten Liebe erhalten - Wahrzeichen Cuxhavens bewahren", deren Petition bereits mehr als 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden hat.
Nicole Antons, Sprecherin und Initiatorin der Aktion, würdigt die Bereitschaft von NPorts, die bisherigen Planungen zu überdenken, sieht jedoch nach wie vor deutlichen Nachbesserungsbedarf. "Der von NPorts vorgestellte Entwurf ist aus unserer Sicht eine Diskussionsgrundlage, jedoch kein abschließender Kompromiss", sagt die Cuxhavenerin. Die geplante Sanierung werde grundsätzlich begrüßt. "Zugleich setzen wir uns weiterhin für den Erhalt eines Oberdecks in vergleichbarer Größe und Form ein und streben einen nah am Original orientierten Kompromiss an, der die wesentlichen Merkmale bewahrt."
Große Hoffnungen hatte Nicole Antons in die Denkmalschutzprüfung der Alten Liebe gesetzt. Am 20. März haben Vertreter des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Cuxhaven sowie von NPorts bei einer Ortsbegehung die Aussichtsplattform unter die Lupe genommen. Jetzt liegt das Ergebnis vor: Die Alte Liebe ist kein Denkmal. Das hat Dr. Tobias Wulf, Pressesprecher des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, auf Anfrage von cnv-medien.de mitgeteilt. Zwar überbrücke die Geschichte der Alten Liebe "nahezu drei Jahrhunderte" und habe für die Stadt Cuxhaven sowie ihre Bewohnerinnen und Bewohner einen hohen identitätsstiftenden Wert. Für eine Einstufung als Denkmal reiche dies jedoch nicht aus.
Ausschlaggebend sei vor allem der Charakter des heutigen Bauwerks als Neubau. Dieses stehe zwar in der Tradition früherer Schutzanlagen für Hafen und Fahrwasser, überliefere aber weder historische Substanz noch das ursprüngliche Erscheinungsbild, den exakten Standort oder die damalige Konstruktionsweise. Auch die historische Funktion werde nicht vollständig abgebildet. Damit stelle die heutige "Alte Liebe" nach Einschätzung der Fachbehörde "lediglich ein ungenaues Abbild nicht erhaltener Zustände" dar und entbehre jener Spuren, die Aufschluss über die Vergangenheit geben könnten.
Zudem lasse sich die Plattform nicht in die maßgeblichen historischen Entwicklungsprozesse des Alten Hafens einordnen, die durch andere Kulturdenkmale dokumentiert würden, etwa Industrialisierung, Überseeverkehr oder Hochseefischerei, heißt es weiter.
Konstruktion ist einfach und in erster Linie zweckmäßig
Auch in gestalterischer Hinsicht sieht das Landesamt keine Grundlage für eine Unterschutzstellung. Die Konstruktion sei einfach und in erster Linie zweckmäßig, ein "überdurchschnittlicher Gestaltungswille" sei nicht erkennbar. Eine künstlerische Bedeutung im Sinne des Denkmalschutzgesetzes könne daher ebenso wenig festgestellt werden wie eine relevante wissenschaftliche Bedeutung, die über die Funktion als Abbild historischer Gegebenheiten hinausgehe.
Zwar räumt die Behörde ein, dass die "Alte Liebe" aufgrund ihrer Größe und exponierten Lage eine klare Wirkung im öffentlichen Raum entfalte. Diese Qualität allein genüge jedoch nicht, um einen Denkmalwert zu begründen. Auch eine städtebauliche Bedeutung der prägenden Umbauphase der 1980er-Jahre im Alten Hafen könne derzeit nicht belegt werden.
Für die Initiative "Oberdeck der Alten Liebe erhalten - Wahrzeichen Cuxhavens bewahren" ist diese Entscheidung ein Rückschlag, aber kein Anlass, ihr Engagement zu beenden. Nicole Antons stellt klar, dass die tiefe Verbundenheit der Menschen in Cuxhaven mit der Alten Liebe durch den fehlenden Denkmalstatus nicht geschmälert werde. "Er wäre das i-Tüpfelchen gewesen."
Antons und ihre Mitstreiter haben noch ein weiteres Ass im Ärmel. Sie haben eine Landtagspetition angeschoben, um auch auf politischer Ebene zusätzlichen Druck aufzubauen und die Entscheidungsträger in Niedersachsen direkt in die Verantwortung zu nehmen. Ein Quorum von 5000 Stimmen ist erforderlich, damit sich der zuständige Ausschuss des Landtags mit dem Anliegen befasst. Die Mitzeichnungsfrist endet am 11. Mai; rund 4000 Stimmen sind bereits eingegangen.
Nicole Antons hat eine Werbeoffensive gestartet, um in den verbleibenden Tagen möglichst viele weitere Unterstützerinnen und Unterstützer zu mobilisieren. Rund 7000 Flyer sind im Umlauf, verteilt an zentralen Punkten in der Stadt. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit noch einmal deutlich zu erhöhen und insbesondere auch diejenigen zu erreichen, die bislang nichts von der Petition wussten. "Wir spüren eine enorme Resonanz in der Bevölkerung", berichtet Antons. Von der Politik sieht sie sich dagegen zu wenig unterstützt.