Reha-Centrum Cuxhaven in neuer Regie: Warum Martin Gojny bewusst jetzt verkauft hat
Seit Anfang des Monats befindet sich das Reha-Centrum Cuxhaven in Döse in Händen eines bundesweit tätigen, in München angesiedelten Verbunds von Reha-Einrichtungen. Martin Gojny hat den Käufer genau ausgesucht und erläutert die Gründe dafür.
Die Unterschrift machte Martin Gojny nicht nur im Alter von 62 Jahren vom Chef zum Arbeitnehmer - gleichzeitig bedeutete sie Gewissheit über die Unternehmensnachfolge für das Reha-Centrum Cuxhaven. Seit Anfang des Monats gehört es zur Rehaneo-Gruppe, einem in München ansässigen bundesweit tätigen Verbund für Reha-Zentren.
Mit Ehefrau Karin hatte sich Martin Gojny am 16. Mai 1988 mit der Physiotherapiepraxis "Krankengymnastik Hohe Worth" selbstständig gemacht; zusammen mit ihr fuhr er auch vor dem Jahreswechsel zur entscheidenden Unterschrift nach München. Kurz danach wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über den Unternehmensübergang informiert.
Gedanke bewegte schon seit Jahren
Schon seit mehreren Jahren habe er sich mit der Unternehmensnachfolge und der Sicherung der 22 Arbeitsplätze beschäftigt, berichtet Martin Gojny. Bei den Verhandlungen mit der Rehaneo-Gruppe habe sich schnell herausgestellt, dass die Zukunftsvisionen gut zusammenpassten.
Bereits 1993 wurde das Reha-Centrum Cuxhaven als ambulantes Rehabilitationszentrum der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft zugelassen. Es ist das einzige vom Hauptverband der Berufsgenossenschaften zugelassene ambulante Rehabilitationszentrum in der Region - es ermöglicht Beschäftigten nach Unfällen an der Arbeitsstelle oder Wegeunfällen dieselben Rehabilitationsleistungen wie in einer stationären Einrichtung.

Neben der erweiterten ambulanten Physiotherapie sind im Erdgeschoss der Kurparkresidenz unter anderem eine Physiotherapiepraxis, Reha-Sport, Funktionstraining und die ambulante Reha-Nachsorge T-Rena angesiedelt. Nur ein Vorhaben wollte Martin Gojny allein nicht mehr angehen: das anspruchsvolle Zulassungsverfahren für die Kooperation mit der Deutschen Rentenversicherung.
Tagsüber Programm - übernachten zu Hause
Bislang finden Versicherte aus Cuxhaven und Umgebung weit und breit keine von der Deutschen Rentenversicherung getragene ambulante Reha-Einrichtung. Das möchte Bruno Crone, Gründer und CEO der Rehaneo-Gruppe, ändern. Denn entsprechend der Ambulantisierung von Krankenhausleistungen finde in Deutschland auch gerade eine Verschiebung im Bereich der Rehabilitation dorthin statt: Patienten übernachten zu Hause und verbringen dort das Wochenende, erhalten jedoch tagsüber während der Woche in der ambulanten Einrichtung ihre Therapien. Bei für die Patienten gleichen Leistungen wie bei einer stationären Maßnahme spricht Bruno Crone von einem Einsparpotenzial von rund 30 bis 40 Prozent allein durch die entfallende "Hotelleistung". Viele Versicherte wünschten sich, in ihrem vertrauten Umfeld zu bleiben.
Rehaneo freut sich über erste Präsenz an der Norsee
Der Kernfokus der vor sechs Jahren gegründeten Rehaneo-Gruppe mit inzwischen bundesweit 21 Rehazentren und elf großen Heilmittelpraxen, einer Physiotherapieschule und einem Unternehmen für die betriebliche Gesundheitsförderung liege auf dem Ausbau der ambulanten Reha, nun auch in Cuxhaven: "Das Rehacentrum Cuxhaven (formal jetzt "RCC Reha Centrum Cuxhaven GmbH", d. Red.) liegt nicht nur wunderschön an der Nordsee, sondern bringt auch für eine Zulassung durch die Deutsche Rentenversichung bereits viel mit", erklärt Bruno Crone.
Diese ist mit einem Anteil von rund 60 Prozent der wichtigste Kostenträger für Reha-Maßnahmen in Deutschland. Ziel ist die baldmögliche Rückkehr von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ins Berufsleben. Im Rentenalter sind Reha-Maßnahmen zunehmend auf die Vermeidung von Pflege ausgelegt; zuständig sind nun die Krankenkassen. Dritter Kostenträger sind die Berufsgenossenschaften.
Bauliche Erweiterung und mehr Personal
Mit Martin Gojny als Geschäftsführer will die Rehaneo-Gruppe Erweiterung angehen, für die eine bauliche Erweiterung und personelle Verstärkung unerlässlich sind. Rückhalt bei der Fachkräftegewinnung soll die Gruppe mit ihren derzeit rund 1800 Beschäftigten sein. Eine Stärke, die Martin Gojny klar benennt: Neben der Sicherung der Einrichtung und ihrer Arbeitsplätze sei die gemeinsam angepeilte Weiterentwicklung ("das ist die Zukunft") ein entscheidendes Kriterium für die Unterschrift gewesen. "Die Übergabe ist nicht schwer gefallen. Ich freue mich, diesen Grundstein gelegt zu haben", versichert er.
Alle Leistungen für die Patienten blieben vom Übergang unberührt und auch für das Personal ändere sich nichts; alle Zusatzvereinbarungen blieben erhalten. "Das gehört zu unserem Prinzip", versichert auch Bruno Crone. "Wir wollen sichere Arbeitsplätze erhalten."