Unterflurcontainer: Lautloser Fortschritt oder teurer Luxus?
Leise, hygienisch und fast unsichtbar - so stellt sich die CDU in Sahlenburg die Entsorgung von Altglas vor. Doch eine Debatte entbrennt: Ist diese moderne Lösung wirklich die beste Wahl für das geplante Wohngebiet Blumenkamp?
Eine Flasche Wein einwerfen, ohne die Nachbarn zu wecken: Was andernorts in Cuxhaven längst Alltag ist, soll nach dem Willen der CDU im Ortsrat Sahlenburg auch im künftigen Wohngebiet Blumenkamp möglich sein.
Die Fraktion im Ortsrat beantragte, die Verwaltung möge prüfen, ob im Bereich Spanger Straße und Stettiner Straße eine Unterflur-Glascontaineranlage realisiert werden könne, als Ersatz für die vorhandenen, stark frequentierten oberirdischen Behälter. Mit dem neuen Baugebiet sei ein weiterer Zuwachs an Nutzern zu erwarten. Unterflurcontainer benötigten zwei Drittel weniger Fläche, arbeiteten nahezu geräuschlos und seien hygienischer als herkömmliche Lösungen. "Wenn man ein neues Baugebiet erschließt, sollte man auch das Modernste und Hygienischste nutzen, was überhaupt möglich ist", sagte Fraktionsvorsitzender Herbert Kihm.
SPD zweifelt an Zuständigkeit
Doch SPD-Vertreter Andreas Wichmann widersprach grundsätzlich. Er bezweifelte, dass die Stadt überhaupt der richtige Adressat für diesen Antrag sei. Für die Entsorgung von Altglas seien in Deutschland die dualen Systeme zuständig, also die von den Herstellern finanzierten Rücknahmesysteme. Die Kommunen stellten lediglich die Standorte bereit. Statt einer teuren Unterfluranlage schlug Wichmann deshalb vor, die vorhandenen vier Glascontainer und zwei Altkleidercontainer auf den künftigen Buswendeplatz zu verlagern, der im Zuge des neuen Baugebietes entstehen soll. Das entlaste die Anwohner an der Stettiner Straße vom Lärm und verbessere obendrein die Einsicht in die Straßeneinmündung. "Bevor ich 120.000 Euro für eine Unterfluranlage ausgebe, investiere ich das lieber in eine Sport-Multifunktionsanlage auf dem Schulhof", sagte Wichmann pointiert.
CDU hält an der Idee fest
Das ließ die CDU nicht ohne Widerspruch stehen. Ortsratsmitglied Jörg Itjen erklärte, Kihm habe zu keinem Zeitpunkt gefordert, dass die IDB die Kosten übernehmen solle. Es sei lediglich darum gegangen, mit dem Vorhabenträger ins Gespräch zu kommen. Rückendeckung erhielt die CDU von weiteren Ortsratsmitgliedern: In Rathausnähe und in anderen Innenstadtbereichen gebe es bereits solche Anlagen, die Technik funktioniere, der Lärm sei tatsächlich nahezu auf null reduziert. Außerdem sei der von Wichmann ins Spiel gebrachte Buswendeplatz noch längst nicht gesichert, weder eigentumsrechtlich noch planerisch. "Was man hat, das hat man", brachte es Marike Penner von den Grünen auf den Punkt.
Prüfauftrag geht an Verwaltung
Verwaltungsvertreter Christian Somnitz versuchte zu vermitteln. Er erläuterte, dass mit der IDB bereits ein städtebaulicher Vertrag geschlossen worden sei, der eine Beteiligung von 25.000 Euro für Haltestelle und Wertstoffentsorgung vorsehe. Eine vollständige Unterfluranlage koste nach erster grober Schätzung rund 40.000 Euro. Der Differenzbetrag müsste als freiwillige Leistung im städtischen Haushalt abgebildet werden, eine Gegenfinanzierung über Abfallgebühren sei nicht möglich.
Sein Rat: Den Prüfauftrag beschließen, die Gespräche mit dem dualen System aufnehmen und die weitere Entwicklung des Buswendeplatzes abwarten. Der Ortsrat folgte diesem Vorschlag einstimmig. Seinen Änderungsantrag zog Andreas Wichmann daraufhin zurück.
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