Der Reeder Cassen Eils vor seinem Büro an der Alten Liebe. Archiovfoto: Kramp
Der Reeder Cassen Eils vor seinem Büro an der Alten Liebe. Archiovfoto: Kramp
Mehrere Veranstaltungen am Dienstag

Revier zwischen Cuxhaven und Helgoland: Das Leben des legendären Kapitäns Cassen Eils

von Wiebke Kramp | 03.07.2023

Eine Legende: Vor 100 Jahren - am 4. Juli 1923 - erblickte Cassen Eils das Licht der Welt. Der unvergessene Kapitän, Reeder und Namensgeber der in Cuxhaven ansässigen Reederei zeigte für Helgoland Herz. Seine Geschichte - und die Events am Dienstag.

Er war ein Seemann mit Salzwasser im Blut und durch und durch ein Arbeitstier. Am 4. Juli 1923 - also vor genau 100 Jahren - erblickte Cassen Eils das Licht der Welt. Der legendäre Kapitän, Reeder und Namensgeber der in Cuxhaven ansässigen Reederei war ein waschechter Insel-Ostfriese. Noch bis ins hohe Alter stand er selbst am Ruder. Heute ist Cassen Eils (1923 bis 2010) in Cuxhaven und auf Helgoland im Ortsbild immer noch präsent; zwei Hafenstraßen an der Küste und auf der Insel tragen seinen Namen.

Cassen Eils erstes Schiff: Die "Rudolf" hatte Platz für 148 Passagiere. Foto: CNV-Archiv

Legendäre Spucktüten-Touren über das Hamburger Loch

Cassen Eils begann 1952 die erste Cuxhaven-Helgoland-Linie nach dem Krieg. Legendär sind seine Sturmfahrten - und so mancher und manche erinnert sich an Spucktüten-Touren mit der "Atlantis", der "Seuten Deern", der "Fair Lady" oder "Funny Girl" zum Roten Felsen. Spätestens im berüchtigten Hamburger Loch flog sämtliches Geschirr aus den Schapps - und Cassen Eils auf der Brücke steuerte als Kapitän sein Schiff souverän über die raue Nordsee und brachte es in den sicheren Hafen.

Stapellauf und Indiensstellung im Jahr 1961 des Seebäderschiffes "Seute Deern" der Reederei Cassen Eils bei den Nordseewerken Emden
Auch schon legendär: Das Seebäderschiff Atlantis der Reederei Cassen Eils an der Innenkante Alte Liebe beim Ablegen. Archivfoto: KCK

"Ich lege auch noch bei Windstärke zehn ab, das sind für mich die angenehmsten Fahrten: kein Zickenalarm an Bord, kein Gemecker, und ich habe meine Ruhe", zitiert ihn Autor Stefan Krücken in seinem Buch "Orkanfahrt - 25 Kapitäne erzählen ihre besten Geschichten" (Ankerherz Verlag 2007). Der damals 84-jährige Reeder verriet auch, dass er die Ostsee nicht besonders mochte und sie für "eine überflutete Wiese" hielt.

Erste Schritte auf Viermaster "Priwall"

Sein Terrain war eben die Nordsee. Von Haus aus. Als Sohn einer Fischerfamilie von Norderney lag es nicht fern, dass er ebenfalls zur Seefahrt kam. Auf dem legendären Viermaster "Priwall" heuerte er mit 15 an, fuhr als Matrose aus Frachtschiffen, war 2. Offizier bei Kriegstransporten.

Patent mit 24 Jahren in Bremen nach 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg machte er in Bremen erst knapp 24-jährig sein Patent, wagte 1952 den Schritt in die Selbstständigkeit und fuhr ab Norderney mit Badegästen. Er sparte sich 3000 Euro zusammen, gründete zusammen mit seinem Freund Ludwig Visser die Reederei Eils & Visser und kaufte den alten Schraubendampfer "Rudolph" (Baujahr 1893) - 28,28 Meter lang, 5,35 Meter breit und Platz für 148 Passagiere. Es erfolgte der Umbau zum Motorschiff.

Die erste Reederei für den Linienverkehr Cuxhaven-Helgoland

Ein wichtiger Tag war der 1. Juni 1952. Als erste Reederei nahm man nach dem Krieg den Linienverkehr Cuxhaven-Helgoland auf, erst kurz zuvor - am 1. März 1952 - war die kriegszerstörte Insel wieder freigegeben worden. Cassen Eils spürte den Aufbruch und soll einmal gesagt haben: "Es war wie in einem Goldgräberlager." Er brachte Bewegung in den Helgolandverkehr.

Die Flagge der Reederei Cassen Eils wurde auch schon mal mit der Langen Anna verziert. Foto: CNV-Archiv

Ihre Blütezeit erlebte seine Reederei 1970 bis 1999. Bis zu sieben Eils-Schiffe Cassen fuhren von der deutschen Nordseeküste nach Helgoland. Die sogenannten Butterfahrten auf der Ostsee von Eckernförde, Kiel und später Sassnitz waren zunächst ein boomendes Geschäft. Aber mit dem Wegfall von Duty-Free-Verkauf an Bord 1999 zog sich seine Reederei aus der Ostsee zurück. Sie konzentrierte sich auf den Helgoland-Verkehr sowie die Neuwerk-Linie.

"Ich mag die Sprache, und ich hänge an diesem alten Stein"

Sein Leben lang war Helgoland erklärtes Ziel - und viele Insulaner wurden zu echten Freunden. Das passte und dies lag nicht zuletzt daran, dass Cassen Eils perfekt Halunder mit ihnen sprach, das helgoländische Friesisch - und vor allem Klartext, in der ihm eigenen geradlinigen Art. "Ich verbinde mit Helgoland mehr als das rein Wirtschaftliche. Ich mag die Sprache, und ich hänge an diesem alten Stein. Helgoland lass‘ ich nicht hängen", sagte der Seemann einmal und betrachtete Natur und Menschen auf der Insel als "einzigartig". Der Reeder wurde 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, am 6. Januar 2010 verstarb er in seiner Wahlheimat Cuxhaven.

Bleiben unvergessen: Christa und Cassen Eils, Reeder, anlässlich der 50-Jahre-Wiederfreigabe auf Helgoland. Foto: CNV-Archiv

Erst nach seinem Tod wurde die Reederei an die AG "EMS"-Gruppe überführt. Heute ist das Flaggschiff der Reederei das umweltfreundliche Seebäderschiff MS "Helgoland". Es ist das erste deutsche Neubauschiff, das mit Flüssiggas (LNG) angetrieben wird. Auch der Katamaran-Verkehr geht auf die AG "EMS"-Gruppe zurück, denn das 1989 in Dienst gestellte Schnellschiff "Nordlicht", war das erste seiner Klasse im Helgolanddienst.

Reeder Cassen Eils und Ewald Bebber auf MS "Atlantis. Foto: CNV-Archiv

Fahrten auch ab Bremerhaven möglich

Heute fährt die Reederei Eils nicht nur ab Cuxhaven, sondern bietet saisonale Verkehre ab Bremerhaven und in Partnerschaft mit der Reederei Adler & Eils ab Hooksiel, Langeoog und Büsum an.

Zum Geburtstag des Namensgebers bietet die Reederei Angebote für Passagiere. Und auf der Insel selbst wird Geburtstag gefeiert. Weggefährten erinnern sich am Abend des 4. Juli ab 19.30 Uhr bei einer "Stunde für Cassen Eils" im Museum auf Helgoland. Tochter Georgina, MS-Helgoland-Kapitän Ewald Bebber und Hans-H. Stühmer, der pensionierte Hafenamtsleiter lassen den legendären Seefahrer aufleben. Der Shanty Chor Cuxhaven sorgt für die passende Musik. 

Reeder Cassen Eils an Bord seines Seebäderschiffes Seute Deern bei deren Außerdienststellung am 31. März 2003. Foto: CNV-Archiv

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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