Algenkunst im Watt-BZ in Cuxhaven: Ausstellung macht Klimaforschung sichtbar
Im Wattenmeer-Besucherzentrum (Watt-BZ) in Cuxhaven-Sahlenburg ist die Sonderausstellung "Les Courants de Lumière" offiziell eröffnet worden. Sie verbindet Kunst und Meeresforschung und zeigt die Klimarolle von Algen.
Seit Anfang Juli ist die Sonderausstellung "Les Courants de Lumière - Ströme des Lichts" im Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer-Besucherzentrum (Watt-BZ) zu sehen. Am Sonntag (19. Juli 2026) wurde sie offiziell eröffnet. Im kleinen Kreis erhielten die Gäste Einblicke in ein Ausstellungsprojekt, das Kunst und Meeresforschung miteinander verbindet.
Die Begrüßung übernahm Watt-BZ-Leiter Bernhard Rauhut. Er betonte, die Schau zeige beispielhaft, wie wissenschaftliche Erkenntnisse durch Kunst verständlich und zugleich emotional vermittelt werden könnten. Solche Verbindungen von Forschung, Natur und Kultur wolle das Besucherzentrum mit seinen Sonderausstellungen schaffen.
Cuxhavens Bürgermeister Marc Gerdes hob in seinem Grußwort die enge Verbundenheit der Stadt mit dem Wattenmeer hervor. Das einzigartige Ökosystem präge Landschaft, Geschichte und Identität der Region. Eine Ausstellung, die sich mit den ökologischen Leistungen der Meere und ihrer Bedeutung für den Klimaschutz beschäftige, passe daher besonders gut nach Cuxhaven.
Künstlerin und Forschungsfotograf bei Eröffnung nicht dabei
Die wissenschaftliche Einführung gab Dr. Fanni Aspetsberger vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen. Sie vertrat die französische Künstlerin Sarah Braeck und den Forschungsfotografen Hagen Buck-Wiese, die beide nicht an der Eröffnung teilnehmen konnten. Aspetsberger erläuterte die wissenschaftlichen Hintergründe der Ausstellung und machte deutlich, welche wichtige Rolle Algen für das Klima spielen.
Im Mittelpunkt steht ein unscheinbares, aber bedeutendes Naturphänomen: Algen nehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und tragen dazu bei, den darin enthaltenen Kohlenstoff langfristig in tiefere Bereiche des Meeres zu verlagern. Forschende des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie untersuchen diesen Prozess seit Jahren an Braunalgen wie dem auch an der deutschen Nordseeküste verbreiteten Blasentang.
Die Algen geben einen Teil des aufgenommenen Kohlenstoffs in Form eines schwer abbaubaren Schleims wieder an das Meer ab. Weil dieser Schleim von den meisten Meeresorganismen nicht verwertet wird, sinkt er auf den Meeresboden und kann dort über lange Zeit Kohlenstoff speichern. Nach Berechnungen der Bremer Forschenden wird auf diese Weise jährlich nahezu so viel Kohlendioxid langfristig gebunden, wie Deutschland im gleichen Zeitraum ausstößt.
Mit Tinte, Wasser, Collagen und reflektierenden Materialien
Die wissenschaftlichen Fotografien dieser Forschung bilden die Grundlage für die Arbeiten von Sarah Braeck. Mit Tinte, Wasser, Collagen und reflektierenden Materialien verwandelt sie die dokumentarischen Aufnahmen in poetische Bildwelten. Lichtreflexe und großformatige Kompositionen machen Strömungen sichtbar, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleiben. Drei monumentale, vertikale Landschaftsbilder veranschaulichen die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe der Algen. Ergänzt wird die Schau durch Porträts verschiedener Braunalgenarten aus aller Welt.
Während ihrer Einführung zitierte Aspetsberger ihren Kollegen Hagen Buck-Wiese, der die Zusammenarbeit mit Braeck so zusammenfasste: "Sie hat unsere trockenen wissenschaftlichen Fotos in fantastische Werke verwandelt, die unsere Ergebnisse viel besser verdeutlichen, als es jede wissenschaftliche Grafik könnte." Dieses Zusammenspiel von Forschung und Kunst mache den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden nicht nur erklärt, sondern für Besucherinnen und Besucher unmittelbar erlebbar.
Beim anschließenden Rundgang wurde deutlich, wie eng wissenschaftliche Präzision und künstlerische Interpretation miteinander verschmelzen. Die Werke erzählen von der Schönheit der Unterwasserwelt und lenken zugleich den Blick auf die oft unterschätzte Rolle der Algen im globalen Kohlenstoffkreislauf. Ohne erhobenen Zeigefinger macht die Ausstellung sichtbar, welchen Beitrag selbst unscheinbare Organismen zum Klimaschutz leisten können.
Die Sonderausstellung "Les Courants de Lumière - Ströme des Lichts" ist noch bis Mittwoch, 9. September 2026, während der regulären Öffnungszeiten im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer-Besucherzentrum Cuxhaven zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Von Myriam Domke-Feiner
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