Gedenken in Cuxhaven-Sahlenburg: Erinnerung an Helgoländer Widerstand
Am Gedenkstein am Achtern Kugelfang in Cuxhaven-Sahlenburg wurde an die Opfer des Widerstands gegen die NS-Diktatur erinnert. Im Mittelpunkt standen der Helgoländer Widerstand und die Verantwortung für demokratische Grundrechte.
Regennasses Gras, Wind in den Baumkronen und eine kleine Runde Andächtiger: Bürger sowie Mitglieder von Orts- und Stadtrat haben am Montag (20. Juli 2026) am Gedenkstein am Achtern Kugelfang der Opfer des Widerstands gegen die nationalsozialistische Diktatur gedacht.
Der Ort wirkt heute friedlich. Doch auf dem ehemaligen Schießplatz wurden zwischen 1939 und 1945 Menschen wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime ermordet. Besonders erinnert wurde an den Helgoländer Widerstand im April 1945. Georg Braun, Karl Fnioka, Franz Edel, Erich Friedrichs, Kurt Pester, Wilhelm Reinhardt und Martin Wachtel wurden am 21. April 1945 dort hingerichtet. Sie hatten die kampflose Übergabe Helgolands unterstützt, um weitere Zerstörung zu verhindern. Insgesamt wurden an diesem Ort 16 Urteile vollstreckt, darunter 13 Todesurteile. Verantwortlich war nach den Worten der Gedenkveranstaltung auch der damalige nationalsozialistische Gerichtsherr Rolf Johannssen, der das nationalsozialistische Recht im Sinne der NS-Ideologie durchgesetzt habe.

Mit zehn weißen Rosen gedachte Rudi Meister vom Verein für Gedenkkultur "Narben bleiben" der Opfer. Auf einem weiß gedeckten Altar wurde ein Licht entzündet. In seiner Ansprache zitierte Manfred Mittelstedt den früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt: "Leute, die keinen Krieg erlebt haben, wohl aber selbst Krieg führen oder provozieren, wissen nicht, was sie Furchtbares anrichten." Gerade angesichts aktueller Krisen sei dieses Wort von bedrückender Aktualität.
Mittelstedt erinnerte zudem an den Widerstand des 20. Juli 1944, an die "Weiße Rose" um Sophie Scholl sowie an Mitglieder der "Roten Kapelle". Zu ihnen gehörte Liane Berkowitz, die wegen regimekritischer Flugblätter hingerichtet wurde. Ebenso gedachte er der 440 jüdischen Zwangsarbeiterinnen in Lübberstedt und weiterer Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Als bewegendes Einzelschicksal schilderte er den Fall des Helgoländer Friseurmeisters Heinrich Karl Wilhelm Prüß, der wegen politischer Witze in seinem Salon von der Gestapo verfolgt und ermordet wurde.

Mittelstedt mahnte, die freie Meinungsäußerung zu schützen und jeder Entwicklung entgegenzutreten, die demokratische Grundrechte einschränke. Die Lehre aus der Geschichte sei, autoritären Tendenzen frühzeitig entgegenzutreten. Vor diesem Hintergrund äußerte er Bedenken gegen das geplante Gesetz zur Reform des Nachrichtendienstes. Die darin vorgesehenen erweiterten Befugnisse könnten nach seiner Auffassung die freie Meinungsäußerung beeinträchtigen.
Sahlenburgs Ortsbürgermeisterin Claudia Bönnen berichtete von einem Stolperstein für Karl Fnioka, den sie auf Helgoland entdeckt habe. Bei einem Rundgang über die Insel sei ihr aufgefallen, wie der Klippenweg immer weiter abbreche. "Wie unsere Demokratie", sagte sie. "Dagegen müssen wir etwas tun." Mit den Worten "Lassen Sie uns still werden und innehalten zum Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewalt" schloss Mittelstedt die Gedenkveranstaltung.
Von Joachim Tonn
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