Sanierung der Alten Liebe in Cuxhaven: Petition fordert Erhalt des Oberdecks
Verliert die Alte Liebe ihr Oberdeck? Wenn es nach den Bauplänen der Hafengesellschaft NPorts geht, wird das Cuxhavener Wahrzeichen künftig nur noch eine Ebene haben. Dagegen regt sich Protest. Eine Petition fordert den Erhalt der oberen Plattform.
Eine Vorstellung der Pläne gab es bislang nur im kleinen Rahmen, aber der Widerstand ist bereits groß: Die Aussichtsplattform Alte Liebe soll saniert und in diesem Zuge - und daran entzünden sich die Proteste - komplett umgestaltet werden. Beim Stadtgespräch der CDU in der vergangenen Woche gab es erste Einblicke in die geplanten Sanierungsarbeiten. Demnach will die landeseigene Hafengesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) die "neue" Alte Liebe aus Gründen der Barrierefreiheit eingeschossig gestalten. Nähere Informationen zum Bauprojekt soll es im Rahmen einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag (12. Februar) geben. Daran wird auch Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer teilnehmen, wie über die Pressestelle der Stadt zu erfahren war. Vorher will sich Santjer zu den NPorts-Plänen nicht offiziell äußern.
Einer, der bereits das Wort ergreift, ist Günter Wichert, FDP-Fraktionsvorsitzender im Cuxhavener Stadtrat. Er mahnt zu Besonnenheit und appelliert an die Öffentlichkeit, die angekündigte Stellungnahme abzuwarten. "Wir sollten uns darüber freuen, dass investiert wird und der Erhalt dieses Ortes gesichert werden soll", so Wichert in einer Pressemitteilung. Und: "Ich vertraue darauf, dass die Alte Liebe auch nach der Sanierung ein besonderer Ort für Bürgerinnen, Bürger und Gäste bleibt." Er bezeichnet die Alte Liebe als "Trevi-Brunnen der Stadt Cuxhaven".
Petition setzt sich für den Erhalt des Oberdecks ein
Kurz nach dem Bekanntwerden des Bauvorhabens wurde im Netz eine Petition gestartet, die sich für den "vollständigen Erhalt des Oberdecks" einsetzt. Initiatorin der Petition ist die Cuxhavenerin Nicole Antons. "Mich hat der Bericht über die Abriss- und Umbaupläne für die Alte Liebe sehr verärgert und fassungslos gemacht", sagt die Petitionsverfasserin. Angesichts der langen Tradition und emotionalen Bedeutung des Bauwerks für die Stadt Cuxhaven frage sie sich, ob das Bauvorhaben ein vorgezogener Aprilscherz sei.
Die Alte Liebe sei für sie ein "Seelenort" und das Gesicht Cuxhavens, erklärt Nicole Antons im Gespräch mit cnv-medien.de. "Ein Rückbau des Oberdecks wäre ein dauerhafter Verlust für das Stadtbild und die Identität unserer Stadt", so die Initiatorin. Sie fordert neben dem Erhalt des Oberdecks eine Sanierung mit "Wiederaufbau in originalgetreuer Form" sowie eine "transparente Prüfung von Erhaltungs- und Alternativkonzepten unter Einbeziehung der Öffentlichkeit".

Mit ihrer Petition hat Nicole Antons offenbar einen Nerv getroffen: Innerhalb von nur drei Tagen unterzeichneten bereits mehr als 2000 Menschen ihren Appell. Das sogenannte Quorum, also eine Mindestanzahl an Stimmen aus Cuxhaven, um die Einforderung einer Stellungnahme aus der Politik zu erreichen, ist fast erfüllt. "Mich erreichen Zuschriften aus aller Welt", sagt Nicole Antons. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass ungefähr die Hälfte der Unterzeichner aus Niedersachsen kommt und fast ein Viertel aus Nordrhein-Westfalen.
Um ihrer Petition Nachdruck zu verleihen, hat Nicole Antons alle zuständigen Stellen aus Politik, Verwaltung und Hafen kontaktiert und einen Antrag auf Prüfung der Denkmaleigenschaft beim niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und bei der unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Cuxhaven gestellt. Eine Bürgerinitiative will die Cuxhavenerin vorerst nicht gründen.
NPorts hält sich angesichts der für Donnerstag anberaumten Pressekonferenz mit einer Stellungnahme noch zurück. Die Alte Liebe sei ein stark frequentierter und für Cuxhaven sehr bedeutender Ort, teilt Pressesprecherin Dörte Schmitz auf Anfrage unserer Redaktion mit. "Im Rahmen turnusmäßiger Bauwerksprüfungen sowie vertiefender Untersuchungen in den Jahren 2021 und 2024 wurde festgestellt, dass wesentliche Bauteile der bestehenden Konstruktion, insbesondere Betonbauteile, erhebliche Schäden aufweisen und nicht mehr dauerhaft standsicher sind", so die NPorts-Sprecherin. Vor diesem Hintergrund sei ein Teilneubau der Anlage erforderlich. Dieser werde auf einem deutlich höheren Niveau in Holzbauweise eingeschossig wiederhergestellt. "Derzeit befinden wir uns in der Phase der planerischen Ausarbeitung", sagt Dörte Schmitz.