Erinnerungskultur live: Schüler aus Cuxhaven erleben Holocaust-Gedenken in Berlin
Eine Schülergruppe aus Cuxhaven reiste nach Berlin, um an der Holocaust-Gedenkveranstaltung teilzunehmen. Diese Exkursion verbindet historisches Erinnern mit persönlicher Erfahrung und fördert eine lebendige Erinnerungskultur.
Anlässlich des 81. Internationalen Holocaust-Gedenktages reiste am Sonnabend (24. Januar 2026) eine kleine Delegation des Amandus-Abendroth-Gymnasiums (AAG) Cuxhaven nach Berlin. Die Gruppe bestand aus sechs Schülerinnen und Schülern, die gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer Marten Grimke an den zentralen Gedenkveranstaltungen teilnahmen. Ziel der Fahrt war es, historisches Erinnern mit persönlicher Erfahrung zu verbinden und jungen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur deutschen Erinnerungskultur zu ermöglichen.
Den Auftakt der Exkursion bildete am Sonntagmorgen der Besuch des Denkmals für die ermordeten Juden Europas. Dort gedachten die Schülerinnen und Schüler der Millionen Opfer. Das stille Verweilen stellte einen bewussten Einstieg in das Programm dar, bevor die Gruppe an der zentralen Gedenkstunde des Internationalen Auschwitz Komitees in der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund teilnahm, hieß es. An der Veranstaltung wirkten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Zivilgesellschaft mit, darunter Eva Umlauf, die Vorsitzende des Internationalen Auschwitz-Komitees, und der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs Lies (SPD).
Die Entscheidung, mit einer kleinen Schülergruppe nach Berlin zu reisen, erwies sich als bewusstes pädagogisches Konzept, erklärte der Lehrer. Sie ermöglichte intensive Gespräche, Nachfragen und persönliche Reflexionen. Im Mittelpunkt stand die individuelle Auseinandersetzung mit Geschichte und Verantwortung.

Widerstand im Fokus
Die Gruppe besuchte auch den Deutschen Bundestag. Im Rahmen einer Führung durch das Reichstagsgebäude und eines Kuppelbesuchs setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung parlamentarischer Demokratie auseinander. Thematisch ging es dabei von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bis zur heutigen Verantwortung demokratischer Institutionen.
Am zweiten Tag beschäftigten sich die Teilnehmenden in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit dem Widerstand von Juden sowie dem Widerstand von Frauen gegen das NS-Regime. Der Mut von Menschen, die trotz Verfolgung, Ausgrenzung und Todesgefahr nicht schwiegen, sondern handelten, rückte dabei in den Fokus.
Den Abschluss der Bildungsfahrt bildete eine Führung im Jüdischen Museum Berlin mit dem Themenschwerpunkt "Von der Aufklärung in die Moderne - Das Judentum im 19. Jahrhundert". Die Schülerinnen und Schüler erhielten hier einen erweiterten Blick auf jüdisches Leben in Deutschland jenseits von Verfolgung und Vernichtung. Deutlich wurde, dass jüdische Geschichte untrennbar zur deutschen Geschichte gehört und sich nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus reduzieren lässt, hieß es in der Mitteilung.
Erinnerung als Bildungsauftrag
"Erinnerung darf für uns nicht abstrakt bleiben. Wenn wir immer nur von 'allen Opfern‘ sprechen, erreichen wir weder Herz noch Verstand. Gerade junge Menschen brauchen konkrete Geschichten, konkrete Namen und konkrete Orte. Der Holocaust war kein fernes Kapitel, sondern ist vielmehr Teil unserer Gegenwart sowie unserer Erinnerungskultur, weil er auf grausame Weise verdeutlicht, wohin Gleichgültigkeit, Entmenschlichung und Schweigen führen können. Diese Exkursion ermöglichte meinen Schülerinnen und Schülern, Verantwortung nicht nur zu lernen, sondern zu erleben. Wer diese Erinnerungsorte gesehen hat und sich mit Widerstand, Mut und Menschlichkeit auseinandersetzte, versteht, dass Erinnerung kein Ritual, sondern eine humane Haltung sowie Gedenkarbeit bedeutete und bedeutet", so Marten Grimke, Lehrer des Geschichtsleistungskurses 1 am AAG.
Der Lehrer wurde zudem von der Botschaft des Staates Israel mit der Jubiläums-Medaille "60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel" geehrt. Auf diese Weise wurde Grimke für sein jahrelanges Engagement als Brückenbauer für den deutsch-israelischen Dialog gewürdigt. Diese Auszeichnung versteht sich als Würdigung für kontinuierliche zivilgesellschaftliche Bildungs- und Aufklärungsarbeit für Verständigung, Erinnerungskultur und das aufrichtige Einstehen im Kampf gegen Antisemitismus, hieß es.
Die Berlinfahrt stand exemplarisch für einen Ansatz politischer Bildung, der über den Unterricht hinausging. Gerade vor dem Hintergrund wachsender zeitlicher Distanz zum Nationalsozialismus und zunehmender antisemitischer Vorfälle wurde deutlich, wie wichtig persönliche Erfahrungen für eine lebendige Erinnerungskultur sind. Erinnerung erwies sich dabei nicht als rückwärtsgewandte Pflicht, sondern als aktiver Auftrag für Gegenwart und Zukunft. Zurück blieben Eindrücke, Fragen und ein vertieftes Verantwortungsbewusstsein, das weit über die Exkursion hinauswirkt, so Grimke.
