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In diesem Abschnitt der Heide hat sich die invasive Spätblühende Traubenkirsche in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet und weite Flächen überwuchert. Foto: Potschka
In diesem Abschnitt der Heide hat sich die invasive Spätblühende Traubenkirsche in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet und weite Flächen überwuchert. Foto: Potschka
Nationalpark Wattenmeer

Sonst wäre Duhnens Heide verloren: Wie Mensch & Maschine um Cuxhavens Natur kämpfen

von Jens Potschka | 19.09.2026

In der Duhner Heide in Cuxhaven kämpfen Mensch und Maschine gegen invasive Pflanzen. Während Bagger und Freiwillige die seltene Besenheide zu retten versuchen, lauern "unsichtbare" Gefahren im Boden. Doch die Zeit drängt. (mit Video)

Am Morgen hat es dreimal kräftig geregnet über Duhnen. Um halb zwölf reißt der Himmel auf, die Sonne bricht durch die Wolken wie auf einem Gemälde der alten Küstenmaler, knapp 20 Grad, die Luft riecht nach nassem Sand und schon ein wenig nach Herbst. Mit einem weißen Geländewagen fährt Dr. habil. Maike Isermann von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer hinaus in die Duhner Heide.

Fast trockenen Fußes geht es durch das Gelände, das sie seit Monaten begleitet. Was von außen wie ein unscheinbares Fleckchen Grün wirkt, ist eines der seltensten Ökosysteme an der Nordseeküste. Nur in Cuxhaven, auf Wangerooge und in kleinen Resten auf Borkum wächst die rosa blühende Besenheide noch flächig im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Vögel der in Europa nördlichsten Brutkolonie der Lachseeschwalben an der Elbmündung in Schleswig-Holstein, fliegen zum Auftakt der Brutsaison genau hierher und fangen als "Brautgeschenk" Eidechsen, die die gehölzfreie Heide bewohnen.

Wenn der Bagger die Wildnis zähmt

Wo saftiges Grün wuchert, sollte eigentlich rosa blühende Heide stehen. "Das Grüne ist zu 99 Prozent Spätblühende Traubenkirsche", weiß Isermann. Der Baum kam einst aus Nordamerika als Windschutz für Forste nach Deutschland, heute breitet er sich sehr stark aus. "Man wusste damals noch nicht, dass die Art sich verselbstständigt", sagt sie, "ähnlich wie mit der KI heute." Fünf Jahre gibt sie der Pflanze noch, dann würde sich die Ausbreitung in der Duhner Heide so explosionsartig beschleunigen, dass die Heide verloren wäre.

Dr. habil. Maike Isermann von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer bei ihrem Rundgang durch die Duhner Heide. Foto: Potschka

Deshalb rückt seit August ein Bagger an, gesteuert von Timo Rüthemann, Fahrer der Firma Van Eijden. Die Traubenkirsche wird nicht gesägt, sondern mit dem Greifer komplett samt Wurzeln gezogen, denn aus Wurzelresten schlägt sie sonst gleich wieder aus. Größere Birken kneift Rüthemann zunächst ab und fräst den Stumpf anschließend mit einem Spezialaufsatz bis unter die Erde, damit nichts nachtreibt.

Timo Rüthemann von der Firma Van Eijden fräst mit seinem Bagger den Stumpf einer entfernten Birke bis unter die Erde, damit sie nicht wieder austreibt. Foto: Potschka

Ob Birke oder Traubenkirsche für ihn schwieriger zu handhaben sei, beantwortet er knapp: "Ist ganz egal." Drei bis vier Jahre dauert es, bis die empfindliche Heide unter den Fahrzeugspuren wieder verheilt, weiß Isermann aus Erfahrung.

Gefällte Birken in der Duhner Heide: Freiwillige und Maschinen kämpfen gegen invasive Pflanzen, um die seltene Besenheide zu schützen. Foto: Potschka

Die unsichtbare Gefahr unter dem Sand

Vor jedem Griff in den Boden steht ein Kampfmittelsondierer neben der Schaufel, Sonde in der Hand. "Sobald er in den Boden greift, muss die Kampfmittelsondierung dabei sein", betont Isermann. Eine Luftbildauswertung hat zwar keine größeren Blindgänger erwarten lassen, doch Granaten oder Kleinteile könnten überall liegen. Der Aufwand treibt die Kosten um rund 70 Prozent gegenüber reiner Pflege und Abtransport in die Höhe. Für das Gesamtprojekt auf Borkum, Wangerooge und in Cuxhaven stehen der Nationalparkverwaltung 1,8 Millionen Euro bereit, finanziert unter anderem aus EU‑Fördermitteln. Bis Ende 2028 muss das Geld ausgegeben werden, dann endet die Förderung.

Wo der Bagger bereits gearbeitet hat, ist offener Sandboden entstanden, die Voraussetzung dafür, dass die lichtliebende rosa blühende Besenheide wieder keimen kann. Foto: Potschka

Geduldsarbeit für die rosa blühende Heide

Nicht jede Fläche wird gleich behandelt. In feuchten Dünentälern lässt Isermann bewusst teilweise nur oberflächlich roden, aus Sorge vor dem sogenannten "Stöpseleffekt". Reißt der Bagger die wasserstauende Bodenschicht auf, versickert die Feuchtigkeit wie durch einen gezogenen Badewannenstöpsel, und die seltene Glockenheide oder der Sonnentau verlieren ihren Lebensraum. An einer Stelle ließ sie deshalb bewusst rechteckige Flächen freilegen, geometrisch und unnatürlich, aber ehrlich. "Lieber ein Rechteck, dann wissen auch die nächsten Generationen: Das ist noch von einer Pflegemaßnahme", sagt sie. Torfmoose, die dort wachsen sollen, speichern das Fünfzehn- bis Dreißigfache ihres Trockengewichts an Wasser. Im Boden schlummert außerdem ein Samenvorrat vieler spezialisierter Pflanzen aus Jahrzehnten. Vielleicht kehrt sogar der Lungenenzian zurück, der hier früher stand. Das wäre fantastisch.

Der Naturlehrpfad der Stadt Cuxhaven informiert Spaziergänger über die Besonderheiten der Duhner Heide. Foto: Potschka

Freiwillige entfernen die kleinen Gehölze

Was zu klein für den Bagger ist, übernehmen Menschenhände. Erst ab zwei Zentimeter Stammdurchmesser kann Rüthemann die jungen Triebe ziehen, alles Kleinere muss von Freiwilligen ausgegraben werden. Rund 20 Junior Ranger haben in einer vom Zuwachsen gefährdeten Heidefläche im Nationalpark nahe der Heliosklinik bereits kleine Kiefern und andere Gehölze herausgeholt.

Ein Bagger entfernt invasive Pflanzen in der Duhner Heide, um das seltene Ökosystem der Besenheide zu schützen. Ein Wettlauf gegen die Zeit bis 2028. Foto: Potschka

Auch der Naturschutzbund (Nabu) Cuxhaven, überwiegend ältere Cuxhavenerinnen und Cuxhavener, hilft auf bereits vom Bagger geräumten Flächen. "Man denkt immer, die Kleinen, was soll das?", sagt Isermann, "aber das ist notwendig, das ist ja dann das, was wiederkommt und die Heide erneut gefährdet." Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei groß, seit Bernhard Rauhut, vom UNESCO‑Weltnaturerbe-Wattenmeer-Besucherzentrum 1994 das Bundesnaturschutzgroßprojekt zum Schutz der Küstenheide startete. "Die meisten sagen: 'Wird ja auch Zeit‘", berichtet Isermann.

Ein Blick durch das Rohr: In der Duhner Heide kämpfen Mensch und Maschine gegen invasive Pflanzen, um die seltene Besenheide zu retten. Foto: Potschka

Ein Ziel für das Jahr 2028

Für Spaziergänger ändert sich wenig, die Wege bleiben durchgehend geöffnet, der Bagger hält an, wenn Besucher passieren wollen. Wer mehr wissen will, findet regelmäßige Ranger-Sprechstunden und Heideführungen des Wattenmeer-Besucherzentrums, sowie Infoschilder und die Webpage der Nationalparkverwaltung. Bis 2028 soll die Traubenkirsche nachhaltig zurückgedrängt sein, das ist Isermanns wichtigstes Ziel. Dazu erhofft sie sich neue Pionierarten in den freigelegten Feuchtflächen und den entstandenen Sandflächen. Ihren liebsten Moment in der Heide beschreibt sie ohne Zögern: "Mit Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang durch die Heide gehen und völlig abtauchen, wenn keiner da ist. Man hört nur die Natur und kann sich voll entspannen." Genau das soll auch nach 2028 bleiben, in Duhnen, mitten im Nationalpark, im Weltnaturerbe Wattenmeer.

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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