"Sissi" im Stadttheater von Cuxhaven: Kaiserin im Mittelpunkt beim Neujahrskonzert
Ein Neujahrskonzert in Cuxhaven als musikalische Reise durch die Welt von Kaiserin Elisabeth, auch bekannt als "Sissi": Das Johann-Strauß-Ensemble der Deutschen Oper Berlin begeisterte das Publikum im Stadttheater.
Nicht erst der Beifall am Ende machte deutlich, dass das Neujahrskonzert im Stadttheater ein ausgesprochener "Treffer" war. Immer wieder hatte es Zwischenapplaus für die beiden hervorragenden Solisten - die Sopranistin Maria-Eunju Park und den Tenor Martin Koch - und das unter der Leitung des Geigers Daniel Draganov so beschwingt wie präzise musizierende Johann-Strauß-Ensemble der Deutschen Oper Berlin gegeben.
"Sissi - Konzert für eine Kaiserin": So lautete das Motto des Neujahrskonzertes, zu dem Mathias Christian Kosel, Künstlerischer Leiter der Stadtklang-Konzerte, das Publikum im gut gefüllten Theatersaal begrüßte. Was dann folgte, war eine musikalische Annäherung an die bis heute von Legenden umwobene Kaiserin Elisabeth von Österreich. Und wenn dafür Komponisten wie Franz Léhar, Emmerich Kálmán, Fritz Kreisler und immer wieder die Komponisten aus der Strauß-Dynastie aufgeboten werden, ist vollkommen klar, dass diese Annäherung eine mit sehr vielen Facetten wird.
Genau das passt zum Bild der Kaiserin - einer Frau, die gern provozierte und sich gegen die Hof-Etikette stellte und die ausgesprochen reisefreudig war. Österreich natürlich, vor allem aber Ungarn und Italien waren ihre Ziele. Somit die allerbeste Gelegenheit für Daniel Draganov, den Primarius des Johann-Strauß-Ensembles und an diesem Nachmittag auch im besten Sinne unterhaltsamer Moderator des Konzertes, das Publikum mitzunehmen auf eine Reise voller Musik, inspiriert von südlichen Gefilden. Eduard Strauß‘ Schnellpolka "Bahn frei" war da ebenso abgebracht wie der berühmte Walzer "Rosen aus dem Süden" von Johann Strauß Sohn. Das eine rasant, das andere mit viel Empathie und Walzerseligkeit, gespielt vom Johann-Strauß-Ensemble. In der Besetzung zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier war Transparenz angesagt, fast kammermusikalisches Musizieren. Was sich dann im Zusammenspiel mit den Gesangspartien als absoluter Vorteil erweisen sollte.

Beide Solisten waren für dieses Neujahrskonzert ein absoluter Glücksgriff. Mit Martin Koch, dem Tenor der Kölner Oper, arbeitet das Johann-Strauß-Ensemble der Deutschen Oper Berlin schon seit Jahren zusammen. Sein hell timbrierter Tenor erreicht mühelos alle Höhen. Der gelegentlich leicht metallische Klang seiner Stimme kam auch im Stadttheater mancher seiner Partien zugute. So zum Beispiel Franz Léhars "Freunde - das Leben ist lebenswert" aus dessen Operette "Guiditta" oder auch "Komm‘ Szigán" aus Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza". Dass sein Tenor aber auch ganz anders, viel weicher klingen kann, beweist er im Liebesduett "Lippen schweigen …" von Franz Lehár mit der Sopranistin Maria-Eunju Park.
Sie ist die eigentliche Überraschung dieses Nachmittagskonzertes. Eingesprungen für die ursprünglich angekündigte Sopranistin Romana Noack hatte sie die Partien kurzfristig übernommen und begeisterte ihr Publikum restlos. Der lyrische Sopran der jungen Sängerin ist überaus wandlungsfähig, vermag auch dramatische Akzente zu setzen. Im Duett "Ich hab‘ dich lieb" eher verinnerlicht, ist sie in Kálmáns "Csárdásfürstin" oder in der "Neapolitanischen Tarantella" ein Ausbund an Temperament, in "Ich gehöre nur mir" aus dem Musical "Elisabeth" von Michael Kunze (Libretto) und Sylvester Levay (Musik) dann wieder ganz anders. Wie auch Martin Koch verfügt sie über eine ausgeprägte Bühnenpräsenz. Dazu ist sie mitreißend und stimmlich in allerbester Verfassung. Begeisterter Applaus am Ende für ein in jeder Beziehung gelungenes Neujahrskonzert.
Von Ilse Cordes