Solidarität mit erkrankter Kollegin in Groden: Lesemarathon für ME/CFS-Forschung
Trotz der gravierenden Folgen der Krankheit ME/CFS ist sie bislang kaum erforscht und Heilmittel sind noch nicht gefunden. Das wollte die Schulgemeinschaft der Grodener Grundschule in Cuxhaven ändern - mit einer Spendenaktion.
Sie initiierte einen Lesemarathon und bat damit um Spenden für die ME/CFS-Forschung.
Das Engagement hat einen ganz persönlichen Hintergrund, denn eine Kollegin aus der Schulgemeinschaft, eine Lehrerin, ist an ME/CFS erkrankt. Ihr galten die Gedanken und Genesungswünsche der gesamten Runde, als am Freitag beim traditionellen Osterfrühstück der Grodener Schule vor den Ferien die Leseköniginnen und Lesekönige der einzelnen Jahrgangsstufen gekürt wurden.
Die Aula hatte sich für den Anlass in eine große Picknicklandschaft verwandelt. Die Kinder saßen auf großen Tüchern auf dem Boden, während Lehrkräfte, Sponsoren und Mitglieder des Fördervereins Brötchen, Aufschnitt, Obst- und Gemüseplatten herbeitrugen.

Doch bevor das Essen begann, zog Lehrerin Marie-Christine Nitzsche als Initiatorin und Ideengeberin für die Spendenaktion alle Aufmerksamkeit auf sich. Kindgerecht erklärte sie noch einmal, wofür sie in den vergangenen Wochen gelesen hatten. Die Idee für den Lesemarathon passte genau ins Grodener Schulkonzept: Als Teilnehmerin am niedersächsischen Projekt "Lesen macht stark" hat sich die Grundschule die Leseförderung auf die Fahnen geschrieben und diese auch als Ziel im Startchancen-Programm verankert.
Für jeweils 15 Minuten Lesen wurde ein vorher mit ausgewählten Sponsoren vereinbarter Geldbetrag gespendet. Die Kinder konnten auch mehrere Personen als Spender angeben und damit sowohl die Lesezeit als auch die Spendensumme erhöhen. Was dieser Anreiz mit ihren Grundschulkindern machte, ließ Schulleiter Martin Reese und sein Team staunen: Stille Kinder wurden mutig, unruhige konzentriert.
Die Kinder spürten genau, dass es bei aller Freude und Spannung um einen ernsten Hintergrund ging, als Marie-Christine Nitzsche der abwesenden Kollegin die Solidarität der gesamten Schulgemeinschaft zusagte: "Wir möchten Dir eines sagen: Du bist nicht allein. Hier sitzen wundervolle kleine Menschen, die alle an Deiner Seite sind und wir als Kolleginnen und Kollegen auch," sagte sie.
Stolz auf starkes Engagement der Kinder
Den Kindern bescheinigte sie: "Mit Eurem Einsatz, Eurer Ausdauer und Freude am Lesen habt Ihr etwas ganz Großes geschaffen. Wir sind super stolz auf Euch." Die Verkündung der Ergebnisse löste Jubel aus: Mit einer Lesezeit von insgesamt 21.346 Minuten oder auch 355 Stunden oder 14 Tagen hatten die Kinder - ergänzt durch Sonderaktionen wie einen Waffel- und Brezelverkauf - einen Spendenbeitrag von 2010 Euro erlesen. Dafür dankten Marie-Christine Nitzsche und Martin Reese ihnen und allen Sponsoren.

Dann gab es noch die Besten der einzelnen Jahrgänge zu ehren. "Lesekönigin" und "Lesekönige" wurden Sophia Wolf (Klasse 4, 2150 Minuten), die Zwillinge Lasse und Luca Giersch (Klasse 3, 1260 Minuten), Romeo Diamantino Carapinha (Klasse 2, 1725 Minuten) und Louis Claßen (Klasse 1, 535 Minuten). Alle erhielten von der Oliva-Buchhandlung gespendete Büchergutscheine und Buchpreise.
Schon kleine Anstrengungen können Beschwerden stark verschlimmern
Zu Beginn des Lesemarathons waren die Eltern mit einem Flyer auf die schwere neuroimmunologische (nicht psychische) Krankheit ME/CFS (das Kürzel steht für Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) aufmerksam gemacht worden. Betroffene erleben unter anderem eine nicht nachlassende Erschöpfung und bleierne Müdigkeit, Schmerzen und Konzentrationsprobleme. Schon kleine Anstrengungen wie Gehen, Denken oder Sprechen können die Beschwerden stark verschlimmern. Fachleute beschreiben ME/CFS als eine der letzten großen kaum erforschten Krankheiten.