Museumsleiterin Erika Fischer und ihr Mitarbeiter Florian Rogge führten in die neue Sonderausstellung „Wald und See hab ich zu danken“ im Ringelnatz-Museum ein. Foto: Potschka
Museumsleiterin Erika Fischer und ihr Mitarbeiter Florian Rogge führten in die neue Sonderausstellung „Wald und See hab ich zu danken“ im Ringelnatz-Museum ein. Foto: Potschka
Kreative Inszenierung

Spurensuche in Cuxhaven: Neue Sonderausstellung im Joachim-Ringelnatz-Museum

von Jens Potschka | 14.06.2024

Das Joachim-Ringelnatz-Museum hat eine neue Sonderausstellung auf die Beine gestellt. Interessierte sind zu einer spannenden Spurensuche eingeladen, die die Verbindung zwischen Ringelnatz und einigen alt eingesessenen Cuxhavener Familien offenlegt.

An originellen Ideen, die vielschichtige Künstlerpersönlichkeit Joachim Ringelnatz immer wieder neu in Szene zu setzen, mangelt es dem Team des gleichnamigen Museums an der Südersteinstraße 44 wirklich nicht. Diesmal ist der Museumsleiterin Erika Fischer und ihrem Mitarbeiter Florian Rogge ein kleines Kunststück gelungen. Denn viele Spuren der neuen Sonderausstellung "Wald und See hab ich zu danken - Ringelnatz und Freunde in Cuxhaven" führen direkt zu einigen bekannten Cuxhavener Familien, die anno dazumal an der Elbmündung einen klangvollen Namen besaßen. 

Letztere hatte der Autor Joachim Ringelnatz in seiner 1928 erschienenen Autobiografie "Als Mariner im Krieg" ganz unverblümt direkt mit ihrem Klarnamen erwähnt, was vor 96 Jahren in Cuxhaven für eine gewisse Entrüstung sorgte. Auch heute noch stehen die im Buch genannten Familiennamen wie Prüter, Rohde, Strohsahl, Thalmann und Co. für interessante Geschichten und Verbindungen in die Cuxhavener Gesellschaft. Diese zu ergründen und dabei über die direkten Verbindungen zum Dichter und Maler Ringelnatz Neues zu erfahren, ist ein großes Vergnügen. 

Leihgebern und Schenkern gedankt 

Entsprechend schön war auch der Einfall zur Eröffnung der sehenswerten Schau neben den vielen Ehrenamtlichen des Museums auch die Leihgeber und Schenker mit einzuladen. Letztere hatten dem Museum mit Bildern, Filmen und anderen Exponaten einmal mehr unter die Arme gegriffen und so zur Vervollständigung beigetragen.

"Das war für uns eine höchst interessante Zeit. Die Recherche zur neuen Ausstellung war außerordentlich spannend. Wir haben Stunden im Stadtarchiv gesessen", verriet Erika Fischer und lobte ihren Mitarbeiter, der weitere Archive angeschrieben hatte und auch im Literaturarchiv in Marbach fündig wurde. Erika Fischer stellte alle Leihgeber und "Schenker" persönlich kurz vor. Danach gab es in kleinen Gruppen die Möglichkeit, die Ausstellung zu besuchen.

Ringelnatz hatte Kontakte zur bekannten Familie Rohde

Das engagierte Duo ist wahrlich fündig geworden und hat die vielen Informationen anschaulich auf Tafeln mit kurzen und aussagekräftigen Texten und Bildern und allerlei sehenswerten Exponaten im Obergeschoss des kleinen Museums geschickt inszeniert. Beispielhaft sei hier der Name Rohde erwähnt. Der bekannte Pädagoge Prof. Dr. Johann Diedrich Rohde kam 1888 als Leiter des Cuxhavener Schulwesens an die Elbmündung. Später wurde er Direktor des heutigen Amandus-Abendroth-Gymnasiums. Nach dem Vater von sieben Töchtern ist auch die gleichnamige Straße im Cuxhavener Zentrum benannt. 

Anfang 1917 mietete sich der gerade zum Vizefeuerwerker beförderte Ringelnatz "zwei hübsch möblierte, warme Zimmer" in der "Villa Kiek in de See" am Seedeich. Die 1903/1904 errichtete und noch heute existierende Pension wurde damals von den Geschwistern Rohde geleitet. Ringelnatz mochte den Ausblick auf die Elbmündung und verbrachte hier zwei ereignisreiche Monate, ehe er aus Kostengründen in das Hotel "Kaiserhof" umzog. Die beiden Rohde-Töchter Anna (1877-1956) und Gesine waren ab 1910 bei den Behörden als "Pensionistinnen" eingetragen. Sie führten die Geschicke der "Villa Kiek in de See", wobei es wohl vor allem Anna Rohde war, die sich bis in die 1950er Jahre um das Alltagsgeschäft kümmerte.

Kurzfilme bringen Ringelnatz zum sprechen

Solche und viele andere Geschichten von Ringelnatz und seinen Kontakten in die Cuxhavener Gesellschaft erlauben dem geneigten Museumsbesucher eine spannende Zeitreise. Bereichert wird die Schau, für die Marina Sandt von der Agentur für kreatives Design "Schnittmenge" ein sehenswertes Plakat gestaltet hat, durch eine Reihe von Kurzfilmen.

"Hartmut Mester ist auch ein bisschen in Ringelnatz verliebt. Er fotografiert gerne und ist oft mit einer Drohne unterwegs. Er hat viele kleine Filme zusammengestellt, in denen er Ringelnatz zum Sprechen bringt", informierte Erika Fischer, die zunächst etwas skeptisch war, ob sich die Ausstellungsbesucher nicht an dem sprechenden Dichter und Maler stören könnten. Das Gegenteil ist der Fall, die Idee von Hartmut Mester ist ebenso originell wie der Ansatz der Sonderausstellung. Letztere kann zu den Öffnungszeiten (dienstags bis sonntags, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr) des Ringelnatz-Museums bis zum 31. Dezember 2024 besucht werden.

Eine Besucherin schaut sich einen der Ringelnatz-Kurzfilme an, die Hartmut Mester gestaltet hat. Foto: Potschka

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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