Start am Studienseminar Cuxhaven - aber Enttäuschung über geringe Zuweisung
Die 16 angehenden Lehrkräfte, die am Mittwoch in Cuxhaven vereidigt wurden, sind hochwillkommen. Aber warum sind es plötzlich nur noch halb so viele wie in den Vorjahren? Und das trotz Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium?
16 angehende Lehrkräfte wurden am Mittwoch im Studienseminar für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen in Cuxhaven begrüßt. Ab der kommenden Woche werden sie ihre Ausbildungsschulen in Stadt und Kreis Cuxhaven verstärken und hier den 18-monatigen Vorbereitungsdienst absolvieren, der die letzte Etappe der Ausbildung bildet. Die herzliche Atmosphäre konnte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Lehrgang - für den Winter-Einstellungstermin - der kleinste seit acht Jahren ist.
Und das, nachdem das Niedersächsische Kultusministerium und die Landkreise Cuxhaven und Stade explizit eine Kooperationsvereinbarung geschlossen haben, um eine bessere Unterrichtsversorgung für die beiden ländlich geprägten Kreise zu erreichen. Ausdrücklich ging es dabei auch um erhöhte Zuweisungen an die lokalen Studienseminare. Der Vereinbarung war ein "Brandbrief" der Landräte Thorsten Krüger (Cuxhaven) und Kai Seefried (Stade) vorausgegangen. Anfang 2025 unterzeichneten beide eine Kooperationsvereinbarung mit der Kultusministerin Julia Willie Hamburg.
Ausdrückliches Ziel dieser Kooperationsvereinbarung war (und ist) es, die Versorgung mit Lehrkräften landesweit nachhaltig zu sichern. Als Grund des Fachkräftemangels insbesondere in ländlichen Regionen, in nichtgymnasialen Schulformen sowie bestimmten Unterrichtsfächern nannte das Kultusministerium unter anderem zu geringe Absolventenzahlen in Lehramtsstudiengängen sowie das Bewerberverhalten, sprich: Zu viele wollen in die Großstadt und müssen vom ländlichen Raum erst überzeugt werden. Aber alle, die schon die Ausbildung in der großen Stadt absolvieren, sind für die anderen Regionen meist für immer verloren.
Im Vertrag einigte man sich auf ein "gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen und regional angepasste Maßnahmen". Das Ministerium sollte dabei stärker in die zentrale Abstimmung einsteigen. Wörtlich hieß es in der Pressemitteilung des Ministeriums: "Um angehende Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst (LiVD) gezielt für die unterversorgten Landkreise zu gewinnen, soll das Regionale Landesamt für Schule und Bildung (RLSB) in Braunschweig - zuständig für die Zulassung und Einstellung der LiVD landesweit - seine Beratungsleistung im Einstellungs- und Zulassungsverfahren intensivieren. Bewerbungen angehender LiVD mit dem Wunsch Cuxhaven und Stade sollen zudem möglichst zügig durch das RLSB BS zugewiesen werden."
Beide Landräte hofften nach der Unterzeichnung auf mehr Bildungsgerechtigkeit. Zunächst aber ist es ein Jahr nach der Unterzeichnung zu einem genau konträren Ergebnis gekommen. Landrat Thorsten Krüger sagt dazu: "Wir bedauern, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen noch nicht wirklich dazu führen, dass mehr junge Lehrkräfte ins Cuxland kommen und müssen hier gemeinsam mit dem Land noch eine Schippe drauflegen."
Verabschiedung am Montag: 17 Lehrkräfte bleiben dauerhaft hier
Ohne das Cuxhavener Studienseminar sähe es bei der Nachwuchsgewinnung düster aus. Das bewies zum wiederholten Mal die Verabschiedungsfeier am vergangenen Montag im Schloss Ritzebüttel: Von 24 Absolventinnen und Absolventen bleiben 17 dem Kreis Cuxhaven als neue Lehrkräfte erhalten.

Allein in den vergangenen acht Jahren hat das Studienseminar Cuxhaven 345 Lehramtsanwärterinnen und -anwärter sowie 29 Quereinsteigerinnen und -einsteiger ausgebildet und qualifiziert. Über 200 Lehrerstellen konnten mit ihnen anschließend besetzt werden. Ohne sie sähe es in der Region düster aus.
In den vergangenen Jahren waren im Januar regelmäßig über 30 oder sogar 40 neue Lehrkräfte in den Vorbereitungsdienst gestartet. Seminarleiterin Petra von Grabe ist sich sicher, dass das mit entsprechender Unterstützung aus der Zuweisungsbehörde auch diesmal hätte gelingen können: "Die Anzahl von Zuweisungen ist durchaus beeinflussbar."
"Bei uns wird den angehenden Lehrkräften der rote Teppich ausgerollt"
Der Schlüssel sei die persönliche Betreuung: "Bei uns wird den angehenden Lehrkräften der rote Teppich ausgerollt. Hier werden sie gesehen und wahrgenommen." In unzähligen Telefongesprächen hat sie zahlreichen Bewerberinnen und Bewerbern, die Cuxhaven ursprünglich nicht als Wunschort angegeben hatten, den Weg an die Nordsee schmackhaft gemacht; Erfolgsquote: "Sicher 40 bis 50 Prozent." Eine passende Auswahl der Ausbildungsschule, Hilfe bei der Wohnungssuche, Begrüßungskultur - darauf könnten Neuankömmlinge im Studienseminar Cuxhaven zählen.
Persönliche Ansprache zeigt große Wirkung
Diese persönliche Ansprache könne nicht von Braunschweig aus geführt werden (das dortige Landesamt für Schule und Bildung übernimmt die landesweite Zuweisung und Einstellung der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst), so Petra von Grabe, aber die Behörde könne auf andere Weise helfen: "Um eine angemessene Anzahl von Lehrern im Vorbereitungsdienst zu bekommen, müssen uns zunächst deutlich mehr Personen zugewiesen werden, die unseren Standort nicht angewählt haben." Die Chance, viele durch persönliche Ansprache für sich zu gewinnen, sei dann sehr hoch.
Die Region zieht an einem Strang
Das Zusammenwirken aller lokalen Akteure in Cuxhaven hebt die Seminarrektorin als sehr positiv hervor: Kreis, Stadt, die Außenstelle Cuxhaven des Regionalen Landesamts für Schule und Bildung und viele andere zögen beim Thema Nachwuchsgewinnung an einem Strang. Auch die Kooperation der Studienseminare im Bereich Lüneburg funktioniere bestens.

Der am Mittwoch vereidigte Lehrgang wird noch durch den Absolventen eines Anpassungslehrgangs zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen verstärkt. Er durchläuft dieselbe Ausbildung, muss jedoch keine Abschlussprüfung mehr ablegen.
Schon vor der offiziellen Begrüßung hatte es einen durch den Anwärterpersonalrat initiierten Kennenlernabend gegeben. Auf Einladung des Landkreises ging es in dieser Woche ins Moorinformationszentrum und das Medienlabor der Oberschule Cadenberge und die jungen Lehrkräfte wurden unter anderem mit Begrüßungsmappen der Stadt Cuxhaven, der Agentur für Wirtschaftsförderung, der Gewerkschaften GEW und VBE, T-Shirts mit Studienseminar-Logo (gesponsert von der Stadtsparkasse Cuxhaven) und einem Frühstück begrüßt.
In Kooperation mit den Studienseminaren Stade und Braunschweig werden in Cuxhaven außerdem sechs Neuzugänge in den Fächern Informatik, Technik und Englisch ausgebildet.
Sie sind neu an den Schulen des Cuxlands
Mohanad Al-Shaheen, OBS Langen; Ekaterina Behrens, OBS Cuxhaven-Mitte; Melanie Fabian, GS Schiffdorf; Valentina Faust, GS Bad Bederkesa; Tim von Glahn, OBS Cadenberge; Luisa Hasselbring, GS am Hinschweg; Tjark Niklas Knippenberg, GS Elmlohe/Drangstedt; Jorge Marten Koeppen, OBS Schiffdorf; Melissa Michel, GS Wremen; Franziska Müller, GS Franzenburger Schule; Mieke Plepla, GS am Wingster Wald; Britta Mehring, OBS Cuxhaven-Mitte; Saskia Schomacker, GS Hechthausen; Alexander Schröder, GS Döse; Michelle Thyra Schuldt, HRS Loxstedt; Lea-Marie Volkmann, GS Elmlohe/Drangstedt.
Sie wurden am 26. Januar im Schloss Ritzebüttel verabschiedet
Nantje Bache, GS Golzwarden; Lisa-Marie Betz, RS Johann-Heinrich-Voss; Ann-Christin Bohlken, HRS Hagen, Paulina Bui, OBS Cuxhaven-Mitte; Alina Castens, OBS I Nordenham; Torben Dieckhoff, OBS Dorum; Kea Filzmoser, OBS Schiffdorf; Alexander Geyer, GS Döse; Lara Heibült, HRS Loxstedt; Laura Hübenthal, GS Elmlohe/Drangstedt; Vanessa Hüser, GS Nordholz; Magdalena Paraskevi Kaissis, GS Rodenkirchen; Lina Kroh, GOBS Süderwisch; Nicolas Lukritz, OBS Lamstedt; Pia-La Toya Monetha, HRS Hemmoor; Bahar Özyar, HRS Hagen; Neele Ohngemach, OBS Cadenberge; Christina Maria Platzbecker, GS Döse; Verona Rothe, GS Loxstedt; Neele Susanne Sander, GOBS Süderwisch; Johanna Sofie Schlag, GS Schiffdorf; Paulina Schumacher, GS Lunestedt; Linda Florentine Tappe, GS am Hinschweg; Matthias Wernsing, GS Nordholz (alle Angaben: Studienseminar)