Dennis Wendt, Magnus Kopp und Harald Nülle (r., Wachführer) sind beim Dienst auf der Rettungsstation Grimmershörn ständig gefordert. Aus Sicht der drei Wasserretter ist die Bucht dennoch ein Einsatzbereich, den sie gegen keinen anderen Standort tauschen möchten. Foto: Koppe
Dennis Wendt, Magnus Kopp und Harald Nülle (r., Wachführer) sind beim Dienst auf der Rettungsstation Grimmershörn ständig gefordert. Aus Sicht der drei Wasserretter ist die Bucht dennoch ein Einsatzbereich, den sie gegen keinen anderen Standort tauschen möchten. Foto: Koppe
Menschen unserer Stadt

100 Erste-Hilfe-Einsätze in drei Tagen: So hart ist der DLRG-Stranddienst in Cuxhaven

von Kai Koppe | 04.07.2026

Als DLRG-Mitglieder könnten sie auch an anderen Standorten Badeaufsicht leisten. Harald Nülle, Dennis Wendt und Magnus Kopp fühlen sich in der Bucht allerdings pudelwohl.

Im Kollegenkreis sei die Ostsee ein Stück weit beliebter: Dort gebe es große DLRG-Häuser mit Rundum-Versorgung für all die Wasserretter, die Saisondienst an den Stränden leisten. Harald Nülle, Wachführer auf der Rettungsstation Grimmershörn, kann sich trotzdem keinen besseren Einsatzort vorstellen als die Bucht. In den Jahren 2024/25 hat er hier die Saisonränder abgedeckt, diesmal wird der Barsinghausener den kompletten Törn durchziehen.

An Cuxhaven schätzt er die Kooperation mit der Kurverwaltung, den Standort der Station und vor allem den Austausch mit den Gästen: In der Bucht bilde man beinahe so etwas wie eine große Familie, erklärt Nülle, der beruflich aus dem Feuerwehr-Kontext kommt, die Verbindung zum Wasser aber erlangte, als er seine Frau kennenlernte und in den heimatlichen Hannoveraner Gefilden in eine Schwimmbad-Dynastie einheiratete. Nicht wenige Buchtbesucher kann er inzwischen zuordnen, von anderen wird er erkannt: "Sie waren doch letztes Jahr auch schon hier." Für viele Gäste bilden die DLRG-Kräfte, die täglich zwischen 10 und 18 Uhr Wache schieben, eine feste Größe.  

Wasserretter: "Sind hier Mutti für alles"

"Wir sind hier die Mutti für alles", sagt Dennis Wendt und schmunzelt. Der Cuxhavener - Strömungsretter und im bürgerlichen Leben Notfallsanitäter - berichtet davon, dass das Stationspersonal auch in vielen Alltagsfragen die erste Anlaufstelle darstellt. Gäste fragen nach Fundsachen, nach den Fahrzeiten der Strandbahn oder der nächsten Bushaltestelle. In solchen Momenten übernehmen die Retter die Rolle der Gästebetreuer - "ganz einfach, weil wir am Strand präsent und eben ziemlich gut sichtbar sind".

Hauptsächlich dreht sich der Job in der Bucht um andere Fragen, und dies sind keineswegs belanglos. Die Einsatzdichte vor Ort ist extrem hoch, insbesondere an den Wochenenden: Schwimmer geraten in den Brandungssog, bei manchen Besuchern versagt der Kreislauf, und bei allergischen Reaktionen nach Insektenstichen kann es tatsächlich um Minuten gehen. Junge DLRG-Mitglieder - sie reisen Jahr für Jahr aus dem gesamten Bundesgebiet an, um das Stationsteam in Grimmershörn zu unterstützen - erleben in den ersten Tagen eine Art von Kulturschock. "Wenn es hier richtig rund geht", sagt Dennis Wendt, "brauchst du das richtige Gespür": Zuerst die Schnittverletzung versorgen - oder wird die Hilfe des Teams an anderer Stelle womöglich viel dringender benötigt? In der vergangenen Woche habe man in der Zeit von Freitag bis Sonntag rund einhundertmal Erste Hilfe leisten müssen. Dazu kamen mehrere Wasserrettungen - jeweils als Akutfall obendrauf. "Man muss sich vergegenwärtigen", sagt Wachführer Harald Nülle, "dass wir diesen Dienst hier mehr oder weniger ehrenamtlich machen".

Gefahren der Bucht werden unterschätzt

Die Aufwandsentschädigung, die es gibt, ist gering, der eigene Anspruch dagegen ausgesprochen hoch. "Ich möchte abends mit einem guten Gefühl nach Hause gehen, und vor allen Dingen möchte ich, dass die Badegäste heil und wohlbehalten diesen Strand verlassen." Dennis Wendt betont das nicht ohne Grund: Er sehe die Bucht als sehr gefährlich an, sagt er und spricht von den Strömungsverhältnissen. Vielen Badegästen sei das gar nicht bewusst: "Die verstehen nicht, warum wir flaggen. Die denken, das ist hier so ähnlich wie im Schwimmbad." Andere versuchten, dem ablaufenden Wasser zu folgen - und würden sich in Lebensgefahr bringen, indem sie den Leitdamm überqueren. Auf Einsicht können die Wasserretter nicht in jedem Fall zählen. Dass der gesellschaftliche Ton insgesamt ruppiger wird, spüre man längst auch in der Bucht. Die Fraktion der Besserwisser sei gewachsen. Und im Einsatzfall - das erleben Wendt und Nülle immer wieder, zücken etliche ihr Handys und richten es ganz ungeniert auf die Kräfte.

Doch es gibt auch die andere Seite: Menschen, denen geholfen wurde, kommen tags darauf noch einmal vorbei, um sich zu bedanken. Und der Gastronom nebenan unterstützt die Rettungsstation, wo er nur kann. Da steht dann urplötzlich auch mal eine Pizza auf dem Tisch. Ein starkes Argument für Cuxhaven ist für die Wasserretter auch jenes "Riesen-Backup" aus technischem Equipment sowie die anderen Player aus der Blaulicht-Familie. Neben der DLRG stehen bei größeren Lagen der Rettungsdienst der Kurverwaltung, die Feuerwehr, das DRK und nicht zuletzt die DGzRS bereit. Das finde man, heißt es in der Rettungsstation Grimmershörn, an keinem anderen Standort.

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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