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„Ich würde jetzt ein Vaterunser beten, wenn ich diesen Fisch fange“: Der Fischer Santiago versucht es mit Hilfe von oben. Foto: Giesecke
„Ich würde jetzt ein Vaterunser beten, wenn ich diesen Fisch fange“: Der Fischer Santiago versucht es mit Hilfe von oben. Foto: Giesecke
"Der alte Mann und das Meer"

Stehende Ovationen im Stadttheater Cuxhaven: Stefan Hallmayer als Fischer Santiago

04.11.2026

Stefan Hallmayer fesselt als der alte Fischer Santiago im Stadttheater Cuxhaven. Sein packender Kampf mit dem Marlin sowie die eindrucksvolle Inszenierung bescherten ihm stürmischen Applaus.

Er war ein alter Mann, der 84 Tage lang keinen Fisch gefangen hatte: Stefan Hallmayer verkörperte den kubanischen Fischer Santiago in "Der alte Mann und das Meer" so eindringlich und berührend, dass die Spannung im Stadttheater Cuxhaven bis zur letzten Minute spürbar blieb. Am Ende gab es Standing Ovations.

"Der Mensch ist nicht für Niederlagen gemacht. Er kann zerstört werden, aber nicht besiegt": Hallmayer erzählte die Geschichte im Dialog, sprach mal mit sich selbst, mal mit dem Fisch und mal als Erzähler. Im Mittelpunkt stand ein Fischer, der es noch einmal wissen will und prüft, ob er im Alter das große Abenteuer bestehen kann, einen Marlin zu fangen. Die Auseinandersetzung mit dem Alter, mit Einsamkeit und körperlichen Grenzen bestimmte den tagelangen Kampf zwischen Mensch und Natur.

Der "wahre Bruder des Meeres" nähert sich

"Vielleicht heute? Ein neuer Tag, ein neues Glück." Schließlich nähert sich der "wahre Bruder des Meeres", wie Santiago seinen Fang nennt. "Sei nicht schüchtern, Fisch, friss." Der große blaue Marlin beißt an, und der Kampf beginnt. Das Holzboot wird aufs offene Meer hinausgezogen. Mit Seilen und Stangen, mal im Boot kauernd, mal sich aufbäumend, nimmt der Fischer mit verkrampfter Hand den Kampf gegen den Fisch und gegen sich selbst auf.

Geboren, ein Fischer zu sein: Stefan Hallmayer als Santiago in der Solo-Inszenierung von Hemingways "Der alte Mann und das Meer". Foto: Giesecke

Die Atmosphäre wurde durch Bühnenbild, Licht und Ton eindrucksvoll unterstützt. Schwarzglänzende Folie bedeckte Boden und Wände und teilweise das Boot; Windmaschinen brachten sie in Bewegung. Immer wieder zog Hallmayer Bahnen des schimmernden Materials hinter sich her. Wechselndes Licht ließ der Fantasie der Zuschauer Raum und verstärkte den Eindruck eines Ringens mit Naturgewalten.

Eine Reise in die Natur und zu sich selbst

"Ich habe den Fisch getötet und habe sein Herz gespürt, als ich die Harpune das zweite Mal in ihn gedrückt habe. Vielleicht war es eine Sünde, den Fisch zu töten. Es ist schlimm genug, auf dem Meer zu leben und unsere wahren Brüder zu töten." Mit schwarzen Pünktchen vor den Augen, blutenden Händen und Haien, die silbern und violett um das Boot kreisen, wird Santiagos Fahrt weniger zum Abenteuer als zu einer Reise in die Natur und zu sich selbst.

Der Kampf ums Überleben gelingt, auch wenn der Marlin am Ende den Haien zum Opfer fällt. Stefan Hallmayer, mehrfacher Gewinner des Monika-Bleibtreu-Preises, leitet mit dieser besonderen Inszenierung seinen Abschied vom Theater Lindenhof in Melchingen ein. Sein Sohn Luca Zahn hat Hemingways Novelle für seinen Vater zu einem Bühnensolo bearbeitet und erstmals Regie geführt. "Es ist zu bewundern, was der Schauspieler geleistet hat", lautete die einhellige Meinung vieler Zuschauer.

Von Heidi Giesecke

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