Bunt gegen Grau: Laurenz Wiegand und Martin Radecke als M&M im Potsdamer Familientheaterstück „Max und Moritz – Da ist noch was im Busch!". Das Stück ist ein Aufstand gegen das Einheitsdenken. Es ist für Kinder ab 5 Jahren empfohlen. Foto: Philipp Plum
Bunt gegen Grau: Laurenz Wiegand und Martin Radecke als M&M im Potsdamer Familientheaterstück „Max und Moritz – Da ist noch was im Busch!". Das Stück ist ein Aufstand gegen das Einheitsdenken. Es ist für Kinder ab 5 Jahren empfohlen. Foto: Philipp Plum
Ende April im Stadttheater

Theatererlebnis in Cuxhaven: Ein Programm voller Überraschungen

von Jens Potschka | 11.04.2026

Das Stadttheater Cuxhaven lädt zu einem außergewöhnlichen Theatererlebnis ein: Von anarchischen Lausbuben über eine philosophische Zeitreise bis zur chaotischen Liebeskomödie - ein Programm, das Vielfalt und Tiefgang verspricht.

Ein aufmüpfiges Kinderstück über Gleichmut und Anarchie, ein fast vergessenes Theaterstück der Philosophin Simone de Beauvoir, das auf erschreckende Weise in die Gegenwart zu sprechen scheint, und eine romantische Komödie, die das Herz erwärmt: Das Stadttheater Cuxhaven lädt in den letzten Apriltagen zu einem Spielplan ein, der so vielfältig ist wie das Leben selbst. Drei Produktionen, vier Vorstellungen, und für jeden Geschmack das Richtige.

Wenn Lausbuben das System stürzen

Wer glaubt, "Max und Moritz" zu kennen, sollte sich am Sonnabend, 25. April, um 16 Uhr eines Besseren belehren lassen. Das Neue Globe Theater Potsdam präsentiert Bernhard Studlars freie Bearbeitung des Busch-Klassikers als furioses Plädoyer für Selbstbestimmtheit und Mut: In einem fiktiven Ort namens Wilhelmsbusch herrscht das "Heilige Huhn", Farben und Fragen sind verboten, und nur Max und Moritz - die ihren Namen kurzerhand zu M&M verkürzt haben - erscheinen noch in bunter Kleidung. Was folgt, ist kein braves Vorlesen in sieben Streichen, sondern ein anarchischer Theateraufstand gegen Unterdrückung und Grauheit. Gabriele Hoffmann, Leiterin der Kulturabteilung der Stadt Cuxhaven, appelliert ausdrücklich: "Diese freche und aufmüpfige Geschichte ist ein Spaß für die ganze Familie - alles andere als die altbekannte Lausbubengeschichte." Karten sind noch erhältlich und der Besuch lohnt sich.

Simone de Beauvoir und die unbequeme Wahrheit

Literarisch anspruchsvoll und von geradezu beängstigender Aktualität: Am Sonntag, 26. April, um 19 Uhr ist "Die unnützen Mäuler" zu sehen, das erste und einzige Theaterstück, das Simone de Beauvoir geschrieben hat. 1945 in Paris uraufgeführt, kreist es um eine in Kriegszeiten belagerte Stadt, deren Führung erwägt, alle "unnützen Mäuler" zu opfern: Frauen, Kinder, alte Menschen. De Beauvoir stellte sich damit eine Frage, die heute, beim Blick auf die Welt, erschreckend präsent wirkt: Darf man die Grundlagen eines Kampfes aufgeben, um diesen Kampf zu gewinnen? Das Stück, empfohlen ab 16 Jahren, gibt eine klare Antwort: In einer wahren Gemeinschaft gibt es keine Überflüssigen. Ein Theaterabend, der nachdenklich macht und lange nachwirkt.

Wenn Chaos zur Liebesgeschichte wird

Am Dienstag, 28. April, um 20 Uhr darf dann herzlich gelacht werden. Kathi Schneiders Komödie "Ein Zimmer, Küsse, Bad" beginnt mit einer Notlage, die jeder kennt: Clara will auf keinen Fall zurück zur Wohnung mit dem Ex. Das Gästesofa bei Freundin Sophie, die mit ihrem neuen Freund turtelt, ist auch keine Option. Bleibt das scheinbar absurde Angebot des abgebrannten Dauerstudenten Lars, ausgerechnet desjenigen, der sie kurz zuvor in der Kneipe um die Zeche geprellt hat: Zimmer teilen. Abends gehört es ihr, tagsüber schläft er nach der Nachtschicht dort. Klare Regeln sollen das Konstrukt tragen. Natürlich tun sie das nicht.

Was folgt, ist eine charmant-witzige Beziehungskomödie im besten Sinne: Die strukturverliebte Lehrerin und der chaotische Lebenskünstler finden sich, nach allerlei Umwegen und unerwarteten Intrigen, doch noch. Regisseur Markus Bölling inszeniert das Stück, das das Zeug hat, ähnlich wie "Barfuß im Park" oder "Harry und Sally" zum romantischen Bühnendauerbrenner zu werden. In der Hauptrolle der Clara: Jenny Löffler, eine der vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Die an der Theaterakademie Vorpommern ausgebildete Darstellerin war von 2018 bis 2020 als Annabelle Sullivan in der ARD-Telenovela "Sturm der Liebe" zu sehen, stand auf der Bühne des Hamburger Winterhuder Fährhauses und wirkte zuletzt an der Berliner Komödie in "Das perfekte Geheimnis" mit - 2014 wurde sie für den Monika-Bleib-treu-Preis nominiert. In Cuxhaven ist sie zum ersten Mal auf der Bühne zu erleben. Ein Abend, bei dem man vergisst, dass man eigentlich Regeln mag.

Karten für alle hier kurz vorgestellten Stücke gibt es in der Kulturinformation im Schlossgarten, Telefon (0 47 21) 6 22 13, sowie online unter http://www.cuxhaven.de/tickets und reservix.

Eine belagerte Stadt, ein unmögliches Kalkül: Szene aus Simone de Beauvoirs "Die unnützen Mäuler". Das Stück wurde 1945 uraufgeführt und ist im Jahr 2026 von erschreckender Gegenwärtigkeit. Foto: Tim Mueller

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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