Bundeswehr im Tiefflug über Cuxhavener Küstenheide - rätselhafte Flüge beunruhigen
Stundenlang flogen große Militärhubschrauber am Mittwoch über das Altenwalder Kasernengelände und die Cuxhavener Küstenheiden. Anwohner fragten sich, ob die Entscheidung zur Reaktivierung der Kaserne etwa schon vorgezogen wurde. Die Hintergründe.
Man ist wie so oft in den Weiten des Naturschutzgebiets Cuxhavener Küstenheiden unterwegs und plötzlich tauchen - zum Greifen nah - drei tieffliegende, riesige Hubschrauber über einem auf. Genauso hat es eine Mitarbeiterin unseres Medienhauses am Mittwoch bei ihrer Hunde-Runde am Feldherrenhügel bei Holte-Spangen erlebt.
Es waren faszinierende, aber auch beklemmende Momente: "Da kommen einem schon Gedanken, gerade in der heutigen Zeit", gesteht die Augenzeugin. Wie sie verfolgten zahlreiche Anwohner und Passanten am Mittwochnachmittag das Treiben kurz über den Baumwipfeln: Stundenlang - mal alleine, mal zu zweit oder zu dritt - flogen Militärhubschrauber über Altenwalde, Berensch und dem Naturschutzgebiet "Cuxhavener Küstenheiden" (einst Truppenübungsplatz). Bis in die Abendstunden soll das Ganze angehalten haben.
"Immer dieselbe Runde über Berensch"
"Seit einer Stunde drehen sie exakt immer wieder dieselbe Runde über Berensch", beobachtete ein Anwohner. "Wir sitzen hier wie in einem Kessel aus Lärm, unerträglich." In Altenwalde stellten sich Bürgerinnen und Bürger die Frage, ob die Reaktivierung der Kaserne doch schon heimlich beschlossen worden sei. Denn das 2013 von der Bundeswehr aufgegebene Areal schien im Zentrum der Aktivitäten zu stehen. Nah am Wohngebiet - einige Anlieger berichteten auch von Überflügen - bewegten sich Hubschrauber über dem früheren Kasernengelände und dem außen gelegenen Sportplatz.
Notverfahren und taktisches Aufsetzen
"Die Auswertung der Radardaten vom 8. April 2026 im von Ihnen genannten Zeitraum zeigt zwei (von einem dritten ist nicht die Rede, d. Red.) Hubschrauber der deutschen Luftwaffe vom Typ CH53, die unter anderem über Altenwalde und dem Naturschutzgebiet Notverfahren übten", berichtet ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. Dabei sei auch im Bereich der ehemaligen Kaserne taktisch aufgesetzt worden; zudem befinde sich der genutzte Luftraum in der Kontrollzone des Marineflugplatzes Nordholz.

Anwohner Eric Schemann hat im Laufe des Nachmittags und Abends - bis 21.30 Uhr - mindestens 30 Überflüge gezählt, auch über Wohngebiet. "Wir hatten gestern wirklich Angst bei der Vorstellung, dass sich 32 Tonnen Altmetall in unseren Garten bohren. Unser Urlaub ist dahin", schildert er und stand nicht allein mit der Frage, ob Überflüge über Wohnhäuser überhaupt erlaubt sind und wie der Lärm mit den Regeln der Brut- und Setzzeit zu vereinbaren sei.
Tief über Weidetiere und Wisente geflogen
In mehreren Facebookgruppen tauschten Augenzeugen Beobachtungen aus. Demnach sollen die Hubschrauber auch tief über Weidetiere inklusive der Wisente in der Heide geflogen sein. Über militärische Notwendigkeiten entspann sich eine lebendige Diskussion. Vielfach wurde auch Verständnis für die Bedürfnisse der Bundeswehr geäußert.
Die Stadt Cuxhaven ist jedoch zurzeit kein Bundeswehrstandort. Die Stellungnahme der DBU Naturerbe GmbH, Eigentümerin der DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheiden, fiel daher am Donnerstag eindeutig aus: "Eine Befliegung unserer Fläche haben uns heute auch die Kollegen vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen gemeldet. Eine vorherige Anfrage der Bundeswehr lag uns nicht vor", schreibt Pressesprecherin Gesa Wannick. Über Hintergründe, Genehmigungen durch andere Stellen oder Ausnahmesituationen sei die DBU nicht informiert worden.

Die rund 1400 Quadratmeter große DBU-Naturerbefläche Cuxhavener Küstenheiden sei als Teil des Nationalen Naturerbes dem Naturschutz gewidmet, gehöre zum Naturschutzgebiet "Cuxhavener Küstenheiden" sowie dem nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie der Europäischen Union geschützten Natura 2000-Gebiet "Küstenheiden und Krattwälder bei Cuxhaven".
"Panik bei Weidetieren und Störung geschützter Vögel vermeiden"
Neben der entstehenden Panik bei den in der Landschaftspflege eingesetzten Weidetieren müsse das Brutgeschehen streng geschützter Arten wie des Kranichs und der Heidelerche betrachtet werden, so die Sprecherin. Daher sollten während der Brut- und Setzzeit derartige Störungen vermieden werden. Die DBU habe die Bundeswehr über den Bundesforstbetrieb Niedersachsen deutlich darauf hingewiesen und aufgefordert, vergleichbare Aktivitäten zukünftig zu unterlassen. Allerdings wurden auch am Donnerstag übende Hubschrauber zwischen Altenwalde und Oxstedt beobachtet.
Der Bundeswehr werden viele Rechte eingeräumt
"Grundsätzlich ist militärischer Flugbetrieb überall in Deutschland zulässig und nicht an bestimmte Streckenführungen gebunden", hieß es aus dem Luftfahrtamt der Bundeswehr. Hubschrauber unterlägen anderen Bestimmungen als Kampf- und Transportflugzeuge: "Mit ihnen kann ohne spezifische Mindestflughöhe geflogen und im Rahmen taktischer Verfahren nahezu überall aufgesetzt werden." Für bewohntes Gebiet gelte eine Mindestflughöhe von 500 Fuß (etwa 150 Meter) über Grund und es werde versucht, das Überfliegen solcher Gebiete zu vermeiden. Nicht immer sei das einzuhalten.
Auch in Naturschutzgebieten gälten die für die Bundeswehr grundsätzlich festgelegten Parameter, erklärt der Sprecher weiter. Ein Umfliegen dieser Gebiete könne eine höhere Lärmbelastung durch mehr Flugbewegungen sowie ein höheres Flugsicherheitsrisiko an anderen Orten nach sich ziehen. Daher sei die Bundeswehr bestrebt, die Zahl von Flugbeschränkungsgebieten möglichst klein zu halten.