Tierschutz, Hospizarbeit und mehr: Cuxhavenerin über Mitgefühl und Menschlichkeit
Sie nimmt Pflegehunde auf, engagiert sich für das Kinderhospiz und macht in sozialen Netzwerken auf Missstände aufmerksam. Mit ihrer Haltung wird diese 28-jährige Cuxhavenerin zu einer Person, von der sich viele eine Scheibe abschneiden könnten.
Als Fatme Hannaoui gefragt wird, ob sie für ein Porträt für die Zeitung bereitstehen würde, versteht die 28-Jährige zunächst gar nicht, warum ausgerechnet sie. "Ich mache doch nichts Besonderes", heißt es. Nach einem Gespräch mit ihr bleibt allerdings vor allem ein Gedanke hängen: Vielleicht wäre schon viel gewonnen, wenn mehr Menschen ein bisschen so wären wie sie.
Fatme Hannaoui lebt mit ihrem Partner und ihrem Sohn in Cuxhaven und arbeitet in der Ferienhausvermietung. Ihr Alltag sei oft laut, voll und chaotisch, erzählt sie. Trotzdem scheint in ihrem Leben immer noch Platz für Dinge zu sein, die über den eigenen Alltag hinausgehen. Für Tiere, für Menschen und für Themen, an denen andere oft vorbeigehen.
Mehr als nur ein Zuhause auf Zeit
Dass sie einmal Hunde aus dem Tierschutz aufnehmen würde, war nie ein großer Plan. Der Gedanke entstand eher nebenbei während eines Türkeiurlaubs mit ihrer Familie. Die Bilder von Straßenhunden und Tierleid ließen sie nicht los. "Wir können da nicht einfach hinfliegen und so tun, als würden wir das alles nicht sehen", erinnert sie sich. Wieder zu Hause begann sie, sich intensiver mit Tierschutz auseinanderzusetzen, informierte sich über die Pfotenhilfe Antalya und darüber, wie man mehr tun kann als "nur" Futter zu spenden.
Schließlich wurde ihre Familie Pflegestelle für Hunde. Für Fatme Hannaoui bedeutet das nicht einfach, einem Tier ein Zuhause zu geben, sondern vor allem der wichtige Zwischenstopp zu sein: ankommen, Vertrauen lernen, zur Ruhe kommen - bis aus einem Straßenhund ein Familienhund wird. Die Tiere bleiben nur für eine Zeit, bevor sie in ihr endgültiges Zuhause vermittelt werden. Genau dieser Übergang ist es, der ihr wichtig ist. Sie möchte den Tieren die Chance geben, überhaupt erst mal irgendwo sicher zu sein.

Auch ihre eigenen Tiere haben eine Geschichte. Die Katzen stammen vom Bauernhof, die Hühner hat sie aus einer Haltung übernommen, in der sie sonst keine Zukunft gehabt hätten. Wenn die Familie verreist, gehört ein Besuch im Tierheim für sie inzwischen dazu. "Wenn wir irgendwo Urlaub machen und Geld ausgeben, dann kann man auch etwas an Tiere abgeben", findet sie.
"Wenn ich eine Stimme habe, nutze ich sie"
Überhaupt ist Wegsehen etwas, das Fatme Hannaoui schwerfällt. Schon als Kind hätten sie viele Dinge tief beschäftigt. Ihr Vater habe damals zu ihr gesagt, es sei "ein Segen und ein Fluch gleichzeitig, wenn man ein Herz besitzt, das fühlt". Besonders das Leid von Kindern, Tieren oder Menschen, die keine eigene Stimme hätten, nehme sie bis heute stark mit. "Wenn ich eine Stimme habe, dann kann ich sie auch nutzen."
Geprägt von Familie und Erfahrungen
Diese Haltung zeigt sich nicht nur im Tierschutz. Hannaoui engagiert sich auch für das Kinderhospiz, unterstützt Veranstaltungen und macht in sozialen Netzwerken immer wieder auf DKMS-Aktionen, Tierleid oder gesellschaftliche Themen aufmerksam. Die Leukämieerkrankung ihres kleinen Neffen, der mit eineinhalb Jahren erkrankte, habe sie zusätzlich geprägt. "Das hat viel in mir verändert", weiß sie.
Fatme Hannaoui stammt aus einer großen Familie mit sieben Geschwistern und hat libanesische Wurzeln. Ihre Eltern hätten ihr vorgelebt, wie es ist, mit wenig nach Deutschland zu kommen und trotzdem dankbar zu bleiben. Auch Erfahrungen mit Rassismus hätten sie geprägt. "Warum kann man Menschen nicht einfach in Frieden leben lassen?", fragt sie sich.
Der Wunsch nach mehr Menschlichkeit
Dabei merkt sie selbst, dass ihr Mitgefühl sie manchmal an Grenzen bringt. Vieles nehme sie emotional mit, erzählt sie. Sie müsse sich oft bewusst bremsen. Trotzdem hat man im Gespräch eher den Eindruck, dass sie glaubt, noch zu wenig zu machen.
Was sie sich für die Zukunft wünscht, klingt eigentlich simpel: mehr Menschlichkeit. Mehr Menschen, die nicht nur an sich selbst denken. "Das eigene Glück wird doch nicht weniger, wenn man es mit anderen teilt", ist sich Fatme Hannaoui sicher. Manchmal reiche es schon, nicht gleichgültig zu sein.
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