Die spektakuläre Lichterfahrt zahlreicher Landwirte durch Cuxhaven hat im vergangenen Jahr unzählige Bürgerinnen und Bürger fasziniert. Foto: Britta Siert
Die spektakuläre Lichterfahrt zahlreicher Landwirte durch Cuxhaven hat im vergangenen Jahr unzählige Bürgerinnen und Bürger fasziniert. Foto: Britta Siert
An Vorschriften gescheitert

Warum es die Trecker-Lichterfahrt durch Cuxhaven in diesem Jahr nicht geben wird

von Maren Reese-Winne | 29.11.2022

Cuxhaven. Der nicht enden wollende Zug der geschmückten und beleuchteten Trecker durch Cuxhaven rührte im Dezember 2021 viele am Rande der Route zu Tränen. Endlich etwas Schönes in schwierigen Zeiten. Nur wiederholen dürfen dies die Bauern nicht.

Eigentlich standen die Aktiven des Kreisbauernverbands Land Hadeln um Landwirt Gerriet Gerdts (Heerstraße/Altenbruch) schon für dieses Jahr in den Startlöchern, nachdem die Premiere - eine Fahrt durch die ganze Stadt Cuxhaven - so gut angekommen war. Doch nun verhindern rechtliche Vorschriften eine Wiederholung. Das Problem, so Gerdts, seien in erster Linie die fehlenden Führerscheine der Klasse 2 (Lkw-Führerschein). Die könnten nur die wenigsten der Fahrzeugführerinnen und -Führer vorweisen. Damit sei die Fahrt nicht mehr umsetzbar.

Konzept sollte angepasst werden

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt der Pressesprecher der Stadt, Marcel Kolbenstetter, die rechtlichen Hintergründe. Er blickt zunächst zurück: "Im vorigen Jahr fand die Lichterfahrt durch Cuxhaven zum ersten Mal statt. Diese wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen und soll (oder sollte, denn die Fahrt dürfte abgesagt sein, d. Red.) in diesem Jahr wieder am Sonntag vor Weihnachten (18. Dezember) stattfinden. Nach den Eindrücken und Erfahrungen der Premiere sind gewisse Anpassungen beim Konzept und Ablauf vonnöten, die dem Veranstalter Anfang November auch bereits mitgeteilt wurden.

Dreimal so viele Fahrzeuge wie angemeldet

90 der anstatt 35 angemeldeten Trecker aus dem Vorjahr gaben für die Besucherinnen und Besucher an den Straßen ein schönes Bild ab, jedoch führte diese fast dreifache Zunahme an Treckern zu verkehrlichen Herausforderungen. Mindestabstände an roten Ampeln konnten nicht immer eingehalten werden, da sich der Konvoi über eine Länge von über einem Kilometer und eine Dauer von 30 Minuten zog. Einfahrten zu Gebäuden von Rettungskräften wie Polizei, Feuerwehr und Krankenhaus waren nur unter erschwerten Bedingungen freizuhalten beziehungsweise zu erreichen", erinnert Marcel Kolbenstetter.

Ähnlich habe sich dies in anderen Städten, in denen ebenfalls Lichterfahrten stattfanden, gezeigt. Unter anderem sei dort und in Cuxhaven aufgefallen, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Treckerfahrern ohne die erforderliche Fahrerlaubnis an den Veranstaltungen teilgenommen habe. Einige hätten mit ihrer Fahrerlaubnis die Trecker nur für landwirtschaftliche Zwecke fahren dürfen. "Lichterfahrten sind aber Veranstaltungen ohne landwirtschaftlichen Bezug", so die Stadt. Kolbenstetter ergänzt: "Zu erwähnen ist dabei auch, dass Unfallschäden durch Treckerfahrten ohne den dafür erforderlichen Führerschein zwar versichert sind, aber der Verursacher von der Versicherung in Regress genommen werden kann."

Ausnahmen können nicht gemacht werden

Um den Veranstalter auf die haftungsrechtlichen Konsequenzen hinzuweisen, habe die Stadt Cuxhaven Anfang November den Veranstalter zu einer Vorbesprechung unter Beteiligung der Polizeiinspektion Cuxhaven eingeladen. Der Veranstalter sei in dieser Besprechung auch darauf hingewiesen worden, dass insbesondere die gesetzlich vorgeschriebene Fahrerlaubnispflicht einzuhalten sei. Da es sich bei Verstößen um Straftaten handle, könnten leider auch keine Ausnahmegenehmigungen erteilt werden. Ferner müsse die genaue Anzahl der teilnehmenden Fahrzeuge der Verwaltung und der Polizei im Vorwege mitgeteilt werden, um den Konvoi eventuell zu unterteilen. Die Stadt habe dem Veranstalter am 24. November nochmals signalisiert, dass eine Erlaubnis für die Lichterfahrt erteilt werde, wenn die Bedingungen eingehalten würden.

Familien trotzdem erfreuen: Landwirte holen Plan B raus 

Dazu werde es nicht kommen, so Gerriet Gerdts, will aber damit kein negatives Signal aussenden. "Wir lassen die Leute nicht alleine", verspricht er. Die Landwirte im Kreisbauernverband Hadeln hätten sich eine andere Attraktion ausgedacht: einen lebendigen Adventskalender. Jeden Tag öffnet vom 1. bis zum 22. Dezember ein anderer Hof für eine gemütliche Adventsstunde seine Stalltüren, wo dann eine Adventsgeschichte vorgelesen wird. Um Anmeldung per E-Mail an info@landvolkhadeln.de bis zu zwei Tage vorher wird gebeten. 

Die ersten Termine: 1. Dezember, 18.30 Uhr: Familie Peters, Hauptstraße 28, 21769 Armstorf. 2. Dezember, 17 Uhr: Familie Mohrmann, Heideweg 12, 21776 Wanna. 3. Dezember, 17 Uhr: Hühnerhof Ahlff (Familie Lühmann), Hoheluchtstraße 10, 21745 Hemmoor. 4. Dezember, 17 Uhr: Lieblingsmilch Hollen,  Schulstraße 1, 21769 Hollnseth. 5. Dezember, 16.30 Uhr: Familie Menke, Spanger Straße 65, 27476 Cuxhaven. 6. Dezember, 17.15 Uhr: Familie Föge, Hasenbeckallee 34, 21789 Wingst.      

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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