"Eine absolute Frechheit": Was die Cuxhavener zu den aktuellen Spritpreisen sagen
An den Tankstellen in Deutschland zeichnet sich vor 12 Uhr ein ganz anderes Bild ab als danach. So ist es auch in Cuxhaven und Umgebung. Ein Besuch an einer Tankstelle verdeutlicht die aktuelle Situation - und zeigt den Preisunterschied auf.
Die Preise an den Tankstellen erreichen aktuell immer wieder neue Höchstwerte. Seit dem 1. April dürfen die Tankstellen nur noch einmal am Tag um 12 Uhr ihre Preise erhöhen, Preissenkung geht immer. Die CNV-Medien-Redaktion hat sich am Freitag (17. April 2026) ab 11.30 Uhr bei den Autofahrern an einer Tankstelle in Cuxhaven umgehört.
"Ich weiß, dass es ab 12 Uhr teurer wird. Daher versuche ich immer, davor zu tanken", sagt Detlef Mahler. Er tankt Benzin und findet die aktuellen Preise nicht gerechtfertigt. "2,08 Euro oder 2,09 Euro war das Teuerste, für das ich getankt habe", sagt der Holte-Spangener. Dennoch fahre er noch genauso viel mit dem Auto wie vor dem Anstieg der Preise. An der Tankstelle hat er zusätzlich noch einen kleinen Kanister dabei. "Der ist für meinen Rasenmäher. Ich mache gleich direkt im Garten weiter", gibt er lachend preis.

Carina Schlemermeyer arbeitet in Cuxhaven und versucht, auf die Preise zu achten. "Ich habe tatsächlich heute früher Feierabend gemacht, um noch vor 12 Uhr zu tanken." Privat versucht sie, auf das Auto vermehrt zu verzichten. "Mit der Bahn zur Arbeit zu fahren, wäre jedoch katastrophal", berichtet die Loxstedterin der CN/NEZ-Redaktion. 2,17 Euro war bislang der höchste Preis, den sie pro Liter Benzin zahlen musste.
Mehr Betrieb 20 Minuten vor der Erhöhung
Gegen 11.40 Uhr fahren vermehrt Autos an die Tankstelle, um noch vor der Erhöhung zu tanken. Auch Kathrin Koal ist dabei. "Wir können uns gerne unterhalten, solange ich nebenbei tanken kann. Es ist ja schon bald 12 Uhr", lädt sie ein. Die Preissprünge versteht die Cuxhavenerin nicht. "Ich finde außerdem, dass die Preise bereits immens gestiegen sind, als die politische Lage noch nicht ausschlaggebend war." Im Alltag versucht sie, weniger mit dem Auto zu fahren: "Das gelingt mir aber nicht so gut, wie ich das gerne hätte." Sie müsse beispielsweise ihre Kinder zum Sport fahren und könne dabei nicht auf das Auto verzichten. "Einmal musste ich tanken, da lag der Preis bei 2,19 Euro", erinnert sie sich.

Sergej Ananenko, der Benzin tankt, findet die aktuellen Spritpreise nicht fair. Der Bremerhavener tanke nur noch, wenn es besonders günstig ist. "Der teuerste Spritpreis, den ich gezahlt habe, war 2,25 Euro pro Liter." Weniger Autofahren funktioniert für ihn nicht, da er auf das Auto angewiesen ist, erklärt er.
Anders ist es bei Areias Da Cunha: Er versucht aktuell, weniger mit dem Auto zu fahren. Gerechtfertigt findet er die aktuellen Preise aber auch nicht. Der Cuxhavener tankt nur noch, wenn der Tank fast leer ist, berichtet er gegenüber cnv-medien.de. Der höchste Preis, für den er getankt hat, war seinen Angaben zufolge 2,20 Euro pro Liter.
Klare Worte an der Tankstelle findet Patrick Jehle: "Die Regierung ist schuld. Wenn man wollte, könnte man die Preise drücken." Innerhalb der Stadt versucht er, seine Fahrten zu reduzieren. "Es ist eine absolute Frechheit", meint der Cuxhavener.

Menschen tanken bewusster
"Ich komme aus Bremerhaven und bin nur hier in Cuxhaven, um zu tanken", erklärt Andreas Wennhold. Er tankt Benzin. Der teuerste Preis, für den er getankt hat, war 2,20 Euro pro Liter. "Deshalb habe ich mich bewusst dazu entschieden, dass ich aktuell weniger mit dem Auto fahren möchte."
Nicht aus Cuxhaven ist Reinhard Schreiner. Er kommt aus Westfalen und ist zu Besuch in der Region. Da er die aktuellen Spritpreise zu hoch findet, versucht er, weniger mit dem Auto zu fahren. "Ich tanke Benzin und das letzte Mal musste ich für 2,14 Euro pro Liter tanken. Damit ich nicht die teuren Spritpreise bezahlen muss, tanke ich immer bewusst vor 12 Uhr", so Schreiner.
Was an der Tankstelle in Cuxhaven auffällt
Fünf Minuten vor 12 Uhr und fünf Minuten danach zeichnet sich ein sehr großer Unterschied ab. Die letzten Autos fahren kurz vor der Erhöhung wieder von der Tankstelle weg.
Der Dieselpreis lag vor der Erhöhung bei 2,17 Euro, danach bei 2,34 Euro. Für Super E10 erhöhte sich der Preis von 2,03 Euro um 13 Cent auf 2,16 Euro. Für Benzin wurden pro Liter 2,04 Euro vor und 2,22 Euro nach 12 Uhr fällig. Wenige Minuten nach der Erhöhung fährt nur vereinzelt ein Auto an die Tankstelle - um etwas zu kaufen, nicht zum Tanken.
Von Mira Schulte und Märthe Werder