Kein "ganz großer Wurf": Diskussion zeigt die Schwachstellen in Cuxhavens Verkehr auf
Beim 2. Bürgerforum in Cuxhaven prallten unterschiedliche Ansichten aufeinander: Wie kann die Stadt verkehrlich besser entwickelt werden? Vertreter aus verschiedenen Bereichen diskutierten über Prioritäten und Lösungen.
Es ging um ein Thema, das Cuxhaven bewegt - ein Umstand, der sich auch in der Besucherzahl niederschlug: Etwa 120 Interessierte hieß Sparkassenvorstand Kai Mangels anlässlich der zweiten Auflage des Cuxhavener Bürgerforums willkommen. "Verkehr" lautete die Überschrift der von Stadtsparkasse und CN/NEZ-Redaktion organisierten Podiumsveranstaltung.
Als Gesprächspartner begrüßte Redaktionsleiter Ulrich Rohde (Moderation) Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Tourismus und Interessenverbänden. Sie einte das Ziel, Cuxhaven verkehrlich besser entwickeln zu wollen. Über die Frage, welche Prioritäten dabei zu setzen seien, gingen die Meinungen allerdings auseinander.
Rollenverteilung auf dem Podium
Kristian Kamp, der Stadtverbandsvorsitzende des Dehoga (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) erinnerte daran, dass neun von zehn Urlaubern nach wie per Auto ihren Weg ins Nordseeheilbad finden. "Dass wir die A27 haben, kann man gar nicht hoch genug einschätzen", sagte Kamp. Zugleich sprach er sich für einen Verkehrsmix aus - auch mit Rücksicht auf Gäste die ihre Fahrräder mitbringen und in Sachen Infrastruktur nach seinen Worten in Cuxhaven das finden, was sie gesucht haben. Mit sich ausbreitenden Tempo-30-Zonen tut sich der Sprecher für Hotellerie und Gastronomie allerdings schwer: Wenn solche Zonen zum Selbstzweck würden, so Kamp sinngemäß, beeinträchtigte dies den Lieferverkehr und das Handwerk.

Eine Lanze für den motorisierten Individualverkehr brach auch Andreas Wulf (Unternehmensverband Cuxhaven). Das Auto, so Wulf, bleibe im Landkreis das wichtigste Fortbewegungsmittel. Gewerbetreibende mit Tempo-30-Zonen auszubremsen, führt nach seiner Auffassung zu steigenden Preisen für Kunden und den Verbraucher. "Hat jemand Geld zu verschenken?", fragte der UVC-Vorsitzende in den Saal. Und echauffierte sich kurz darauf über eine Formulierung von Moderator Ulrich Rohde, der in einer Zwischenfrage eine "menschenfreundliche Stadt" einer "autofreundlichen" gegenübergestellt hatte.
Oberbürgermeister Uwe Santjer rief dazu auf, die Diskussion nicht in Polemik abgleiten zu lassen: Man solle keine Gegensätze konstruieren, wo gar keine seien. Cuxhaven, so merkte der OB an, sei als Standort dann am stärksten, wenn man nach außen hin geschlossen auftrete. Er verwies in diesem Zusammenhang schließlich auch auf die geplante Schwerlastbrücke im Hafen, die - obwohl für Spezialtransporte konzipiert - auch einen Radstreifen erhalten solle, auf dem Beschäftigte sicher zu ihren Arbeitsplätzen gelangen.

Konsens: Cuxhaven hat gute Konzepte
Worte, die Fabian Rennebeck mit Genugtuung aufgenommen haben dürfte. Der Vertreter des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) sprach bestehende Unzulänglichkeiten im Bereich der Fahrrad-Infrastruktur, namentlich die teils inkonsistente Trassenführung an, die es zu verbessern gelte, um das Fahrrad zu einem "alltagstauglichen" Verkehrsmittel zu machen. Zu einem nachhaltigen Mobilitätsmix gehört für Rennebeck allerdings nicht nur der Rad-, sondern auch der Fußgängerverkehr und der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Letztgenannten betreffend räumte der Verkehrsausschussvorsitzende Cord Wichmann (SPD) ein, dass es leider nicht gelungen sei, "den ganz großen Wurf" zu landen: Den Busverkehr zu kommunalisieren, sei an den Mitteln gescheitert. Ihre Hausaufgaben hätten Politik und Verwaltung gleichwohl gemacht, sagte der Sozialdemokrat. Und verwies auf das städtische Mobilitätskonzept.
Dass Cuxhaven in solchen Punkten viel weiter ist als andere Kommunen, ist eine Erkenntnis, die Oberbürgermeister und der CDU-Ratsherr Enak Ferlemann teilen. "Wir müssen aber auch in die Umsetzung kommen", mahnte Ferlemann, vormals Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Im Zuge der kommunalen Finanznöte wird der Rotstift nach seiner Auffassung zu häufig bei den Mitteln für den Infrastrukturerhalt angesetzt. Folgen zeigen sich unter anderem im Bereich der Altenwalder Chaussee, deren Sanierung im Straßen-, Geh- und Radwegbereich der Christdemokrat ausdrücklich begrüßte. Falsch ist nach seinem Dafürhalten der Plan, Busse in Zukunft auf der Fahrbahn (statt in eigenen Buchten) halten zu lassen. Die Altenwalder Chaussee sei nicht nur Einfallstor für den Berufsverkehr, sondern auch Zubringer zum örtlichen Klinikum. Dass der Rettungswagen nicht mehr durchkomme, dürfe man unter keinen Umständen riskieren. Panikmache, aus Sicht des Ratskollegen Cord Wichmann: Er sprach sich - wie auch der OB und im Publikum anwesende Vertreter der Grünen - für die beabsichtigte Planung aus.

Bürger vermissen Fernverkehrszug
Bürger kamen ebenfalls zu Wort. Sie klagten über Lkw-Fahrer, die sich einen Weg durch Wohnstraßen im Stadtteil Groden bahnen und über das Rowdytum einiger Verkehrsteilnehmer in Süderwisch. Nach einer Neugestaltung des Straßenraums brettern Autofahrer dort offenbar immer wieder über die im Zuge der Sanierung abgesenkten Bordsteine.
Cuxhavens Anbindung an den Rest der Welt war ebenfalls Thema bei der Verkehrsdiskussion. Dabei ging es um eine eher mangelhafte Schienenanbindung des Nordseeheilbades an die Zentren Bremen und Hamburg und einen fehlenden Fernverkehrszug, der in einem Rutsch bis ins Binnenland (und zurück) fahren würde. Noch fehle eine durchgängige Zugverbindung aus dem Binnenland. Auf Rohdes Frage, ob man die im Bundesverkehrswegeplan vorgesehene Elektrifizierung der Strecke nach Hamburg noch erleben werde, verwies Ferlemann auf die Möglichkeit einer kleineren, aber zeitnäher zu realisierenden Lösung mit einem Fahrdraht bis Otterndorf und mit Hybridloks, die über eine gewisse Distanz hinweg im Akkubetrieb laufen.