Cuxhaven ist vor vielen Jahren zu einer zweiten Heimat für Torsten Arfmann geworden. "wir sind alles Bremer", sagt er über sich und seine Famile. Foto: Koppe
Cuxhaven ist vor vielen Jahren zu einer zweiten Heimat für Torsten Arfmann geworden. "wir sind alles Bremer", sagt er über sich und seine Famile. Foto: Koppe
50-jähriges Bestehen

Duhner Spezialitätenhandlung ist kein Laden von der Stange

von Kai Koppe | 30.05.2026

Ein Laden im Herzen des Kurteils feiert Jubiläum: Spezialitäten Arfmann hat sich in einem Vierteljahrhundert mit einem besonderen Sortiment einen Namen gemacht.

Austauschbar? Von der Stange? Bei Spezialitäten Arfmann in Duhnen sind das beinahe  Schimpfwörter. Der Laden im Erdgeschoss des Panoramahauses positioniert sich mit einem handverlesenen Sortiment - ganz gleich, ob es um Spirituosen, Confiserie oder Reiseandenken geht. Am heutigen Sonnabend wird das Geschäft in der Duhner Strandstraße 50 Jahre alt."Wir waren hier mit die ersten im Haus", erinnert sich Torsten Arfmann: Mitte der Siebzigerjahre hatte sein Vater von dem Neubauvorhaben mitten in Duhnen erfahren und eine Entscheidung getroffen: Einen Edeka-Laden, den die Familie in Bremen betrieb, gab er zugunsten der Perspektiven in Cuxhaven auf. Abgesehen von dem Ladengeschäft habe man im Haus auch noch zwei Ferienwohnungen gehabt und sich zunächst auf den Verkauf von Obst, Gemüse und Getränken fokussiert. Damals sei die Strandstraße noch keine Fußgängerzone gewesen - Autofahrer rollten mit heruntergekurbelten Seitenscheiben durch die Dorfmitte. "Sehen und gesehen werden, darum ging das hier früher", sagt Arfmann, dessen Geschäft aus Urlaubersicht eine Institution ist.

Mitbrinsel werden mit einem Namen veredelt

"Einmal die Kugelbake?!" Eine Touristin stellt eine Schneekugel mit dem örtlichen Wahrzeichen auf den Kassentisch. Souvenirs mit Lokalkolorit könne man problemlos in Asien herstellen lassen, wird Arfmann später verraten. Tatsächlich sind aber nicht wenige Devotionalien "Made in Cuxhaven", etwa die lasergeschnittenen Kugelbaken. Seit dem Wegfall der Obst- und Gemüsesparte vor rund 20 Jahren (mit streckenweise vier weiteren Obsthändlern im näheren Umkreis machte das Segment kaufmännisch kaum noch Sinn) wuchs das Geschäft mit Reiseandenken - insbesondere mit personalisierten Artikeln. Eine Tasse mit maritimem Dekor? Schön und gut. Ein tolles Mitbringsel werde, so Arfmann, aber erst daraus, wenn der eigene beziehungsweise der Name der Liebsten draufstehe. Kundenwünsche werden aus diesem Grund auch individualisiert - nicht im Laden, sondern bei einem Profi. Wenn die Artikel aus dem Brennofen zurückkehren, schickt sie der 59-Jährige an die Heimatadresse der Kunden.

Gleich mitnehmen können Käufer den "Niewarker Aquavit", Obstbrände und andere Spirituosen aus der Region, die teilweise eigens das Geschäft in der Strandstraße abgefüllt werden. Dort kommen unter anderem die Liebhaber von Sanddorn-Spezialitäten auf ihre Kosten, aber auch Feinschmecker, die exklusive Süßigkeiten lieben: Trüffel, besondere Schokoladen oder die Schokoküsse der Firma Köhler, die nicht an jeder Straßenecke erhältlich sind. Die normale Riegelware wie "Twix" oder "Bounty" gibt es im Laden selbstredend auch - genau wie landläufige Getränke wie Wasser, Bier oder Limo: Seit Geschäftsöffnung vor 50 Jahren ist "Spezialitäten Arfmann" eben auch eine Anlaufstelle für Tagesgäste, die sich auf dem Weg zum Strand noch schnell verproviantieren, Hotel-Urlauber, die eine "Kleinigkeit" mit aufs Zimmer nehmen wollen und sogar für Cuxhavener, die an Sonntagen doch noch etwas zu trinken kaufen möchten. Nachdem diverse Supermärkte im Stadtgebiet ebenfalls von der im Niedersächsischen Ladenöffnungszeitengesetz verankerten "Bäderregelung" profitieren, habe die Zahl der einheimischen Kunden allerdings spürbar abgenommen.

Geschäftsstrategie: Im Voraus wissen, was Kunden so brauchen

Bis vor einigen Jahren war Torsten Arfmann übrigens auch Wattwagen-Fotograf, nahm die Gespanne an der Wattwagenüberfahrt auf - und bot die Bilder noch am selben Tag den heimkehrenden Neuwerkausflüglern an. Die neue Technik machte es möglich: "Wir gehörten zu den ersten hier in der Gegend, die mit einer Digitalkamera arbeiteten", sagt Arfmann, der den Job als Fotodienstleister "on top", aber keineswegs nebenbei erledigte. "Wenn man fotografiert hat, bedeutete das nämlich auch: Man ist eine Stunde lang weg, eine Stunde lang nicht im Laden." Zu Lebzeiten seines Vaters, des Firmengründers Klaus Arfmann, ließ sich das organisieren. Das Geschäft mit den Wattwagen-Fotos endete allerdings nicht erst nach dessen Tod vor zwei Jahren, sondern schon zu Pandemiezeiten.

Fotozubehör wiederum findet sich (in begrenztem Umfang) im Sortiment an der Strandstraße: Da gibt es zum Beispiel noch so gut wie ausgestorbene Negativfilme, 36 Aufnahmen, Fujicolor. Die Nachfrage nehme zweifellos ab. Trotzdem krame manch einer im Urlaub noch einmal seine alte Kamera hervor. Sollte die Batterie erschöpft sein - kein Problem, im Spezialitäten-Laden gibt es Ersatz. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, legt sich der Ladeninhaber nicht nur Handy-Ladekabel auf Lager, sondern auch Fahrradschlösser, die an diesem Morgen einem schon halb im Gehen begriffenen Kunden ins Auge springen: "So etwas habe ich doch gesucht!"

Im Voraus zu wissen, was sein Gegenüber benötigt - ist dies das eigentliche Geheimnis des seit einem halben Jahrhundert florierenden Geschäfts? Torsten Arfmann vermutet, dass Kunden, die immer wiederkehren, nicht nur sein Sortiment, sondern auch den zwischen den Regalen herrschenden Tonfall schätzen. Die humorvolle, manchmal direkte Ansprache ist etwas, was hängenbleibt - und heute beinahe so einzigartig ist wie der Laden an sich.

Blick in den Laden: Im Laufe der Jahrzehnte veräbnderte sich das Sortiment, ein neues Regalsystem wurde eingebaut. Foto: Koppe

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Kai Koppe

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