Kirsten Nehberg erinnert in Cuxhaven an ihren Vater Rüdiger Nehberg, den Abenteurer und Menschenrechtler, und erzählt von einem besonderen Familienleben voller Lebenslust und Humor. Foto: Billy & Hells/Holger Kirk
Kirsten Nehberg erinnert in Cuxhaven an ihren Vater Rüdiger Nehberg, den Abenteurer und Menschenrechtler, und erzählt von einem besonderen Familienleben voller Lebenslust und Humor. Foto: Billy & Hells/Holger Kirk
Lesung und Kinoabend

"Wenn er da war, war er da": Rüdiger Nehbergs Tochter kommt nach Cuxhaven

von Christian Mangels | 24.08.2026

Rüdiger Nehberg suchte das Abenteuer auf der ganzen Welt - und nahm sich dennoch Zeit für die Wünsche seiner Tochter. Kirsten Nehberg erinnert in Cuxhaven an ihren Vater, seine Lebenslust und seinen Humor. Danach führt ein Film in den Amazonas.

Rüdiger Nehberg war ein Mann, der viel unterwegs war - wochenlang auf Expedition, monatelang auf Vortragsreise. Dennoch erinnert sich seine Tochter Kirsten nicht an einen Vater, der ihr fehlte. "Viele haben früher immer zu mir gesagt: Der war ja nie da", erzählt die heute in Hamburg lebende Schauspielerin. Doch ihre Wahrnehmung war eine andere: "Wenn er da war, war er da."

Wie sehr, zeigt eine Geschichte aus ihrer Jugend. Kirsten hatte sich in einen Jungen verguckt und wollte ihm im Winter einen Schneemann bauen. Nur: Der Schnee wollte nicht halten. Ihr Vater war nach einem Vortrag bei Hannover im Hotel, als sie ihn spät am Abend anrief und ihr Problem schilderte. Rüdiger Nehberg kam noch in der Nacht, half beim Schneemannbauen - und gemeinsam brachten sie das Werk zum Haus des Jungen.

Vater Rüdiger war ständig voller neuer Ideen

Solche Erinnerungen stehen im Mittelpunkt von Kirsten Nehbergs Buch "Glaub immer an das Unmögliche". Es zeigt eine Seite des berühmten Survival-Experten, Menschenrechtlers und Abenteurers, die das Publikum kaum kannte: den Vater. "Er hat sich immer die Zeit genommen", sagt Kirsten Nehberg. Ihr Vater sei voller neuer Ideen gewesen, habe Expeditionen und Projekte geplant - und dennoch ihre eigenen, manchmal ungewöhnlichen Wünsche ernst genommen. Erst heute werde ihr richtig bewusst, wie außergewöhnlich ihre Kindheit gewesen sei. Reisen, Abenteuer und prominente Globetrotter gehörten zum Umfeld der Familie. Für Kirsten Nehberg war all das Alltag.

Kirsten Nehberg und Bernd Ische präsentieren das Plakat für den besonderen Abend in Cuxhaven, der an das abenteuerliche Leben von Rüdiger Nehberg erinnert. Foto: Mangels

Auch deshalb dauerte es lange, bis sie bereit war, ihre eigene Geschichte als Tochter Rüdiger Nehbergs zu erzählen. Als Kind sei sie wegen ihres bekannten Vaters angegriffen worden, zeitweise vermied sie es sogar, seinen Namen zu nennen. Hinzu kam die Sorge, nur als "Tochter von" wahrgenommen zu werden. Irgendwann habe sich ihre Sicht verändert: "Das ist ja mein Leben. Ich habe ja gar kein anderes Leben."

Das Schreiben wurde für sie zu einer intensiven Erfahrung. Manche Geschichten seien früh am Morgen geradezu aus ihr herausgekommen. Bewusst habe sie dabei den Blick auf die positiven Erinnerungen gerichtet.

Bernd Ische (rechts) holte Rüdiger Nehberg mehrfach für Veranstaltungen nach Cuxhaven. Daraus entstand eine enge Verbindung. Foto: Sammlung Ische

Manches von ihrem Vater erkennt Kirsten Nehberg auch in sich selbst wieder: Kreativität, Fantasie und Abenteuerlust. Allerdings mit Grenzen. Sie müsse nicht ausprobieren, ob eine Atlantiküberquerung mit einem Bambusfloß für sie eine gute Idee wäre, sagt sie lachend.

Rüdiger Nehbergs Art, Menschen für seine Ideen und Geschichten zu begeistern, wirkte weit über die Familie hinaus. Das zeigt die Verbindung zu Bernd Ische aus Cuxhaven. Er besuchte schon früh Nehbergs Vorträge, lernte ihn später persönlich kennen und holte den Abenteurer mehrfach für Veranstaltungen nach Cuxhaven. Daraus entstand eine enge Verbindung. Was Ische beeindruckte, waren nicht allein Nehbergs spektakuläre Unternehmungen. Er habe sich nie als großen Helden inszeniert, sondern sein außergewöhnliches Leben mit Leichtigkeit und Witz erzählt. Zugleich sei er nahbar und bodenständig geblieben.

Kirsten Nehberg teilt in ihrem Buch "Glaub immer an das Unmögliche" bewegende Geschichten über ihren Vater Rüdiger. Foto: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Dass Ische nun einen Abend mit Nehbergs Tochter organisiert, ist für ihn deshalb mehr als eine Kulturveranstaltung. "Für mich ist es eine Ehrensache", sagt er. Der 2020 verstorbene Rüdiger Nehberg sei "ein herzensguter Typ" gewesen. Besonders bewundert habe er dessen Fähigkeit, trotz Rückschlägen weiterzumachen - bei Expeditionen ebenso wie bei seinem jahrzehntelangen Einsatz für Menschenrechte. "Trotzdem diesen Mut zu haben und weiterzumachen und immer diesen Optimismus zu haben, das finde ich so toll", sagt Ische.

Auch der zweite Teil des Cuxhavener Abends knüpft an Nehbergs Lebensgeschichte an. Nach der Lesung wird die Dokumentation "Tatunca Nara und die Toten im Dschungel" gezeigt. Darin begibt sich Kirsten Nehberg in Brasilien auf die Spuren ihres Vaters und seiner Recherchen zum deutschen Hochstapler Günther Hans Hauck alias Tatunca Nara, der im Amazonasgebiet Abenteurer täuschte und für mindestens drei Tötungsdelikte verantwortlich sein soll.

Die Tagebücher erwiesen sich als Glücksfall

Eine besondere Rolle spielen dabei Rüdiger Nehbergs alte Tagebücher. Während des Lockdowns hatte seine Tochter begonnen, auszumisten; die Aufzeichnungen lagen bereits in einer Kiste zum Weggeben. Im letzten Moment entschied sie sich dagegen. Für die spätere Dokumentation erwies sich das als Glücksfall: Anhand der Tagebücher konnte sie nachvollziehen, was ihr Vater Jahrzehnte zuvor erlebt hatte, und selbst an diese Orte zurückkehren. "Wir konnten dann noch mal auf den Spuren wandern", erzählt sie. Der ursprünglich fürs Fernsehen produzierte Film wurde für die Vorführung in Cuxhaven eigens fürs Kino aufbereitet.

So schließt sich für Bernd Ische ein Kreis: Früher brachte er Rüdiger Nehberg nach Cuxhaven, nun kommt dessen Tochter mit den Geschichten ihres Vaters. Der Abend erinnert damit nicht nur an den Abenteurer und Menschenrechtler, sondern auch an den Vater hinter der öffentlichen Figur - und an einen Mann, dessen Überzeugung bis heute nachwirkt: immer an das Unmögliche zu glauben.

Die Veranstaltung: Kirsten Nehberg stellt am Donnerstag, 3. September, im Cuxhavener Bali-Kino, Holstenstraße 5, ihr Buch "Glaub immer an das Unmögliche" vor. Die Lesung beginnt um 18 Uhr. Ab 20.15 Uhr wird die Dokumentation "Tatunca Nara und die Toten im Dschungel" gezeigt. Tickets gibt es im Netz unter www.kino-cuxhaven.de oder per E-Mail unter info@kino-cuxhaven.de.

Unsere Zeitung verlost drei Exemplare von "Glaub immer an das Unmögliche" von Kirsten Nehberg. Und so machen Sie mit: Schreiben Sie eine Mail an mangels@cnv-medien.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 28. August, um 12 Uhr. Unter allen Einsendungen werden drei Gewinner per Los ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt.

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Christian Mangels

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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