Anlässlich des Deutschen Seeschiffahrtstags im Jahr 2010 durfte mal wieder über das Steubenhöft - und durch die Kranbeine hindurch - geschlendert werden. Foto: Reese-Winne
Anlässlich des Deutschen Seeschiffahrtstags im Jahr 2010 durfte mal wieder über das Steubenhöft - und durch die Kranbeine hindurch - geschlendert werden. Foto: Reese-Winne
Kampnagel-Kran

Vor möglichem Abriss: Wie die Kräne am Steubenhöft zu Wahrzeichen Cuxhavens wurden

von Maren Reese-Winne | 08.02.2023

"Cuxhaven wird ein schneller Hafen. Jedenfalls was den Überseepassagierverkehr betrifft. Dafür wird schon die neue Steubenhöftanlage mit ihren beiden Riesenkränen sorgen", schrieb die "Cuxhavener Presse" im Januar 1954.

Gleichzeitig wurden die erst zwei, dann drei Kräne aber auch zu Wahrzeichen der Stadt. Es gab Zeiten, da wurde kein Erinnerungsfoto vor einem spektakulären Schiff am Steubenhöft ohne einen Kran am Bildrand geschossen. Der Sonntagsspaziergang führte damals noch unter den großen Beinen hindurch. Entsprechend groß war vor wenigen Tagen der Gegenwind, der N-Ports entgegenschlug, als eben so nebenbei verkündet wurde, dass der einzige verbleibende Kampnagel-Kran nun demontiert werde. Sowohl offizielle Stellen als auch Privatleute setzen sich dafür ein, dass das technische Bauwerk als Denkmal erhalten bleibt. Einfach so verschrottet werden darf er jedenfalls nicht.

Die ersten überhaupt in Deutschland

In zeitgenössischen Zeitungsartikeln wurde die Entwicklung am Steubenhöft, das im April 1954 wieder voll in den Liniendienst nach Übersee eingegliedert werden sollte, gebührend begleitet: "Eine der schwierigsten Arbeiten, die ein Höchstmaß an besonderer Geschicklichkeit, überlegenem Können und äußerster Ruhe erfordert, vollbringen gegenwärtig ein Richtmeister und acht Monteure mit der Einrichtung von zwei riesengroßen Säulenlenker-Wippkränen modernster Bauart auf dem Steubenhöft-Pier. Diese Art Kräne der Firma Kampnagel AG, Hamburg, sind die ersten, die überhaupt in Deutschland montiert werden", war am 26. Januar 1954 in der "Cuxhavener Zeitung" zu lesen. Die auf Schienen gleitenden Kräne hätten eine Tragfähigkeit von je drei Tonnen und seien nur für die Stückgut-Be- und Entladung der Passagierschiffe bestimmt. Die technischen Werte wurden wie folgt angegeben: Höhe (im eingetoppten Zustand): 57 m. Ausladung:  5 bis 28 m. Hubhöhe: 56,3 m, Länge der Ausleger: 38 m.  Das reichte auf jeden Fall, um damit das eine oder andere schmucke Automobil an Bord der Liner zu hieven.

Mit Pelzmützen und ohne doppelten Boden

Für die Aufstellung der Kräne wurde bei orkanartigen Böen ein Hilfskran mit 31 Meter hohem Montagemast errichtet werden, der bis zu 15 Tonnen schwere Bauteile tragen konnte. Dem Richtmeister und seinen acht Männern, die sich mit Pelzmützen und dicken Montageanzügen gegen den klirrenden Frost schützten, dürfte trotz technischer Hilfe ordentlich warm geworden sein. Über die schweren Arbeitsbedingungen berichtete das Konkurrenzblatt "Cuxhavener Presse" am nächsten Tag: "Schwer sind die Kranteile, die mit Hilfe dieses Mastes montiert werden müssen. Das hohe Portal mit dem "König" wiegt nur die Kleinigkeit von 12 Tonnen. Darauf kommen der Kranz, das Führerhaus und der Schwenker.  Die Monteure sind die reinsten Artisten. Es ist nicht einfach, in so großen Höhen bei schlechtestem Wetter, bei Sturm, Regen oder Kälte zu arbeiten. Angurten gibt es nicht. Dann ist man nicht mehr beweglich genug. Kranmontage ist gefährlich. Besonders bei Kälte. Die Hände werden klamm. Viel Zeug darf nicht getragen werden. Sonst können die Monteure nicht klettern.

Todesfälle kommen gelegentlich vor. So stürzte kürzlich ein Richtmeister in Schweden aus 32 Meter Höhe ab. Steht aber der Kran, dann sind alle besonders stolz auf ihr Werk. Die Menschen sind zu bewundern, die mit Todesverachtung in solchen Höhen arbeiten. ,Das sind doch nur kleine Fische', sagen die Monteure dann bescheiden." Für die Montage des zweiten Krans sollte dann bereits der frisch errichtete Kampnagel-"Zwilling" zum Einsatz kommen, während die Monteure zur nächsten Einsatzstelle weiterzogen, nämlich nach "Hinterindien" (Südostasien), wo sie 30 Kräne "Made in Germany" hochziehen sollten.

Paradeschiffe noch schneller abfertigen

1959 war dann der dritte, ebenso große Kran Gegenstand der Berichterstattung. Dafür wurde wieder wurde ein Montagekran benötigt. Die Übergabe sollte im 15. September 1959 stattfinden. Bestimmt war der Kran für die schnellere Abfertigung der "Hanseatic" und der "Italia" der Hamburg-Atlantic-Linie: Zwei Kräne sollten künftig sofort das Gepäck von Deck an Land heben, während mit dem dritten Kran erst noch die Gangway eingehängt werden musste." Cux­havens schnelle Übersee-Anlage soll also noch schneller werden", so die "Cuxhavener Presse". Das war bedeutsam angesichts der am Horizont heraufziehenden Konkurrenz der Passagierluftfahrt.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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