Bei der Kostümierung für den Festumzug durch Gudendorf wurde viel Mühe in die Kostüme gesteckt. Als Sonne, Mond und Sterne grüßten die Kinder hier in den 50er-Jahren vom Wagen. Foto: Sammlung Ortsrat Altenwalde
Bei der Kostümierung für den Festumzug durch Gudendorf wurde viel Mühe in die Kostüme gesteckt. Als Sonne, Mond und Sterne grüßten die Kinder hier in den 50er-Jahren vom Wagen. Foto: Sammlung Ortsrat Altenwalde
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Wie eine Wundertüte: Im Altenwalder Kalender werden alte Zeiten wieder lebendig

von Maren Reese-Winne | 26.08.2026

Der Altenwalder Kalender ist in jedem Jahr wie eine Wundertüte. Jedes Bild, das Ortsheimatpfleger Eberhard Wendt auswählt, erzählt ein Stück Heimat- und persönlicher Geschichte. Es macht Spaß, vorab schon mal durch die Seiten zu blättern.

Und plötzlich ist die Erinnerung an den Wohnwagen wieder da, aus dem heraus der Altenwalder Verkehrsverein einst sehr erfolgreich die Quartiersvermietung betrieben hat. Dieser Anhänger stand vor der Verwaltungsstelle - direkt an der Hauptstraße, durch die vor dem Autobahnbau noch der gesamte Verkehr aus Richtung Süden nach Cuxhaven rollte. Manch anderer Verkehrsverein schaute misstrauisch nach Altenwalde und argwöhnte, dass dort bereits die besten Kurgäste abgefangen wurden.

Mode und Autos im Stil der 80er-Jahre

Das gestochen scharfe Foto aus der Altenwalder Ortsmitte stellt das August-Motiv des Kalenders dar und zeigt noch mehr Details: Mode und Autos im Stil der 80er-Jahre, die noch bestehende Poststelle und an der Ecke zum Frankenweg das Backstein-Haus der Familie Kausche, das später durch den Tengelmann-Neubau (heute Fitnessstudio) ersetzt wurde. 

Ortsbürgermeister Ingo Grahmann (l.) und Ortsheimatpfleger Eberhard Wendt präsentieren Kostproben aus dem neuen Altenwalde-Kalender 2027. Foto: Reese-Winne

Basis des Kalenders ist nach wie vor die Bildersammlung des Ortsrats, für die Eberhard Wendt gerne jederzeit neue Fotos entgegennimmt (leihweise, die Fotos werden eingescannt und innerhalb kürzester Zeit zurückgegeben). Ortsbürgermeister Ingo Grahmann weiß zu jedem Bild etwas zu erzählen, kennt noch ganz genau den Standort jedes Hauses und seine Bewohner. Das gilt natürlich auch für das ehemalige DRK-Heim am Königshof 1 (Januar-Motiv), das dank einer Erbschaft von der Familie Färber an das DRK übergegangen war. Dort befindet sich heute der Edeka-Getränkemarkt.

Der aus Otterndorf angereiste Oberkreisdirektor Waldemar Büning setzte mit Hut und Sommeranzug modische Akzente bei der Übergabe des neuen Fahrzeugs an die Freiwillige Feuerwehr Franzenburg. 1957 war die Gemeinde noch selbstständig. Foto: Sammlung Ortsrat Altenwalde

Fotos von Menschen und Gebäuden oder Straßen bilden wieder eine gelungene Mischung. Da ist der feine Landrat aus Otterndorf bei der Übergabe des neuen Franzenburger Feuerwehr-Bullis, da sind die streng in die Kamera schauenden Mitglieder eines Blasorchesters beim Schützenfest und die Mitglieder der Familie Keibel ("eine Institution in Altenwalde"), die in der Bahnhofstraße in Höhe des "Storchennests" eine "Colonialwaren- und Spirituosen"-Handlung betrieb.

Für den Umzug die besten Kleider herausgeholt

Verschmitzt lächelt eine Gruppe von Kindern als Sonne, Mond und Sterne verkleidet von einem Festwagen beim Gudendorfer Festumzug (vermutlich dem Ernteumzug) herab. "Die besten Fotos mit Kindern in unserer Sammlung sind über Jahre hinweg bei diesen Umzügen entstanden", erzählt Ingo Grahmann. Auch in der zweiten Hälfte der 50er-Jahre dürfte der Wohlstand in vielen Familien noch bescheiden gewesen sein, sodass es sicher nicht leicht gewesen war, die Mädchen mit ihren blütenweißen Kleidern auszustatten. 

TSV-Turnerinnen zeigten 1951 beim Dorffest auf dem damaligen Sportplatz (heute Karl-Grote-Platz) auf dem Barren ihr Können. Das Fest war der Höhepunkt des Jahres: "Alle waren damals auf dem Sportplatz, alle Häuser hätten währenddessen mühelos ausgeräumt werden können", erinnert sich Ingo Grahmann schmunzelnd. Abends wurde im Altenwalder Hof weitergefeiert.

Suchbild: Wer kennt wen noch? 1995 - genau zwölf Jahre nach der ersten Initiative - gab der damalige Ortsbürgermeister Karl-Arnold Eickmeyer den Radweg zwischen Altenwalde und Oxstedt entlang der Straße Am Möhlendiek frei. Foto: Sammlung Ortsrat Altenwalde

Viele Gesichter gibt es auf dem September-Blatt zu studieren, denn alle wollten dabei sein, als 1995 der Radweg nach Oxstedt entlang des Möhlendieks eröffnet wurde - zwölf Jahre, nachdem die Diskussion darüber begonnen hatte. Fast 100 Jahre ist es hingegen her, dass auf dem Franzenburger Schulhof die Feuerwehr mit ihrem Pumpenwagen zu Besuch war. Bevor das erste Wasser floss, musste auf beiden Seiten des Wagens erst mal kräftig von Hand gepumpt werden.

Feuerschutzübung mit den Schülerinnen und Schülern auf dem Schulhof in Franzenburg: Mindestens acht Personen waren an der Handpumpe im Einsatz, um eine kleine Fontäne zu erzeugen. Foto: Sammlung Ortsrat Altenwalde

Steine der Franzenburg sind im Torhaus verbaut

Eine Collage rund um das Torhaus der Franzenburger Domäne - erbaut aus den Steinen der einstigen Franzenburg - stellt das Titelbild dar. Zu sehen sind neben einer historischen Ansicht mehrere frühere Pächter und das Dorfwappen. Die Zeitreise endet wie immer mit dem Blick in die Kreuzkirche an Heiligabend. Zu erwerben ist der Kalender "Historische Ansichten aus Altenwalde" ab sofort zum Preis von 12,50 Euro im Second-Hand-Kaufhaus an der Hauptstraße.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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