Cuxhaven setzt ein kraftvolles Zeichen für Vielfalt und Sichtbarkeit: 2027 findet der erste CSD am Meer statt. Foto: Markus Scholz
Cuxhaven setzt ein kraftvolles Zeichen für Vielfalt und Sichtbarkeit: 2027 findet der erste CSD am Meer statt. Foto: Markus Scholz
Christopher Street Day

Der erste CSD Cuxhaven: 2027 erobert "Gemeinsam Meer Vielfalt" die Straßen der Stadt

von Bengta Brettschneider | 26.08.2026

Cuxhaven bekommt 2027 seinen ersten CSD (Christopher Street Day). Als queeres Leben noch im Verborgenen blühte, wagten sich nur wenige, sichtbar zu sein. Jetzt formiert sich ein Bündnis, das in der Stadt ein starkes Zeichen der Vielfalt setzen will. 

Wenn die Mitglieder von "Queer Cuxhaven" gemeinsam zu queeren Veranstaltungen fahren, bleiben die Regenbogenflaggen zunächst in den Taschen. Erst am Ziel werden sie herausgeholt. Wer allein unterwegs ist, versucht, nicht aufzufallen. Es sind kleine Vorsichtsmaßnahmen, die zeigen, dass offen queer zu sein auch heute noch nicht selbstverständlich und ohne Sorge möglich ist.

Ganz unsichtbar ist queeres Leben in Cuxhaven nicht. In der Stadtbibliothek trifft sich "Queer Cuxhaven" regelmäßig. Im Jugendcafé an der Bahnhofstraße und im Haus der Jugend hängen Regenbogenflaggen. Es sind Orte, an denen niemand erst erklären soll, warum er da ist. Doch schon wenige Kilometer weiter wird das Angebot dünn und die Sichtbarkeit weniger. Vor allem im ländlich geprägten Teil des Landkreises fehlen erkennbare Räume.

Die Gruppe "Queer Cuxhaven" trifft sich seit über einem Jahr regelmäßig und besucht auch gemeinsam die umliegenden CSDs in Bremen, Bremerhaven und Stade. Foto: Brettschneider

Eine erstaunlich alte Geschichte

Neu ist die Suche nach solchen Orten nicht. Im Dezember 2000 berichteten die Cuxhavener Nachrichten über die "Jugend Gay Gruppe Cuxhaven". Acht junge Schwule kamen damals gelegentlich zusammen - nicht in einem Jugendzentrum oder Vereinsheim, sondern in den privaten Räumen eines der Gründer. Die Gruppe suchte dringend einen eigenen Treffpunkt. Schwulenkneipen gebe es in Cuxhaven nicht, hieß es damals. Die jungen Männer wollten etwas, das für andere Jugendliche selbstverständlich war: zusammensitzen, reden, Menschen treffen, die ähnliche Erfahrungen machen. 

Die Menschen von "Queer Cuxhaven" beschreiben ihre Stadt keineswegs als grundsätzlich verschlossen. Sie erleben Neugier, Offenheit und die Bereitschaft zum Gespräch. Gleichzeitig begegnen ihnen fehlendes Wissen, Vorurteile und Gewohnheiten, die lange nicht hinterfragt wurden. 

Für die Gruppe fehlt es häufig an beständigen Netzwerken. Hängt ein Treffpunkt an einer oder zwei Personen, kann er mit ihnen auch wieder verschwinden. Dauerhaft wird eine Struktur erst, wenn mehrere Menschen und Institutionen Räume bereitstellen, Veranstaltungen organisieren und Verantwortung teilen.

30 Menschen an einem Tisch für Vielfalt

Genau an diesen Strukturen beginnt sich gerade etwas zu verändern. Am 5. August 2026 traf sich erstmals das Komitee für den geplanten CSD (Christopher Street Day) Cuxhaven 2027, der unter dem Motto "Gemeinsam Meer Vielfalt" stattfinden soll.
Queer Cuxhaven sitzt mit am Tisch, ebenso Pro Familia, Verdi, der Kreisjugendring, die Frauen- und Mädchenberatung des Paritätischen, weitere soziale Träger, kirchliche und zivilgesellschaftliche Initiativen wie die Omas gegen Rechts, Menschen aus Schulen, Kinder- und Jugendhilfe sowie engagierte Privatpersonen. Insgesamt kamen Vertreterinnen und Vertreter von fast 30 Institutionen und Gruppen sowie Einzelpersonen zusammen. 

Ein CSD ist für "Queer Cuxhaven" dabei in erster Linie kein buntes Straßenfest. Zunächst sei es eine Demonstration - für Rechte, gegen Benachteiligung und für gesellschaftliche Sichtbarkeit. Gleichzeitig soll der Tag auch Menschen erreichen, die sich bislang nicht trauen, offen queer zu leben. Und jene, die selbst nicht queer sind, aber verstehen wollen, wie ihre Freunde, Kinder, Kolleginnen oder Nachbarn leben.

"Jeder Ort soll ein sicherer Ort sein"

Für Frank Struss vom Bündnis für Respekt und Menschenwürde, das den CSD 2027 veranstalten wird, gehört diese Sichtbarkeit unmittelbar zur demokratischen Öffentlichkeit. Nach Gewalt gegen queere Veranstaltungen und den Anschlag auf den Berliner CSD formuliert er den Anspruch bewusst größer als Cuxhaven: Solche Veranstaltungen müssten "in jeder Stadt, in jeder Gemeinde, in jedem Landkreis" möglich sein. "Genau jetzt zeigen wir in Cuxhaven erst recht Gesicht: Wir stehen fest zu unseren bunten, offenen Veranstaltungen. Wir lassen uns nicht einschüchtern, nicht spalten und nicht kleinmachen", so Struss.

Wer den Weg bis zum ersten CSD verfolgen oder sich beteiligen möchte, findet das CSD-Komitee auf Instagram unter @csd_cuxhaven.

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Bengta Brettschneider

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