"Das genau wollen wir nicht": Schülerstreik und Protest gegen Wehrpflicht in Cuxhaven
Mitten in Cuxhavens City formiert sich Protest: Jugendliche stellen sich gegen das Wehrdienstgesetz. Mit klaren Worten und mutigen Fragen machen sie auf dem Kaemmererplatz auf sich aufmerksam. Kleiner Streik mit großer Entschlossenheit. (mit Video)
Der Himmel über Cuxhaven zeigte sich am Donnerstagmittag (5. März 2026) von seiner besten Seite. Frühlingssonne lag über dem Kaemmererplatz, als sich kurz vor zwölf Uhr etwa 20 junge Menschen versammelten. Die meisten kaum älter als 16 Jahre, viele mit Rucksäcken auf dem Rücken, als kämen sie direkt aus dem Unterricht. Was sie zusammenführte, war keine Freistunde. Es war Protest.
Friedensfahnen in Regenbogenfarben oder mit Friedenstauben wehten im Wind. Ordnerwesten leuchteten rot. Aus einer kleinen Lautsprecherbox erklang Musik, dann eine Stimme: Wilko Heiduschat, 19 Jahre alt, trat vor das Mikrofon und verlas seine Rede vom Manuskript. Ruhig, konzentriert, mit einer Ernsthaftigkeit, die man von einem Teenager nicht unbedingt erwartet.
Es war die zweite Streikwelle bundesweit. Bereits im Dezember hatten Schülerinnen und Schüler in mehr als achtzig Städten gegen das im Bundestag verabschiedete Wehrdienstgesetz demonstriert. Nun folgten über hundert Städte und Cuxhaven. Organisiert von der Linken Jugend, getragen von Schülerinnen und Schülern der Berufsbildenden Schulen Cuxhaven.
Die Kulisse blieb überschaubar. 20 Teilnehmer, elf junge Frauen, acht bis neun junge Männer. Am Rand des Platzes blieben vereinzelte Passanten kurz stehen, hörten einen Moment zu, zogen dann weiter. Groß war der Schulstreik nicht. Laut war er auch nicht. Aber er war da.
Heiduschat legte in seiner Rede die Argumente der Bewegung klar auf den Tisch. Er verwies auf Umfragen, die belegten, dass eine Mehrheit der Jugendlichen den Pflichtwehrdienst ablehne. Er kritisierte, dass die Bundesregierung diese Haltung ignoriere: "Entweder kommen unsere Meinungen nicht in Berlin an - oder, viel wahrscheinlicher, sie werden dort einfach ignoriert."

Besonders das Thema Datenerfassung bewegte den Redner. Er kritisierte, dass künftig über alle 18-Jährigen eine Akte angelegt werden solle und ältere Jahrgänge Fragebögen erhielten: "Da hat die Bundeswehr schon mal alle Daten über die Jugendlichen und kann im Bedarfsfall sofort Leute von uns einziehen. Das genau wollen wir nicht."
Sein Mitstreiter Mio, 16 Jahre alt, ergänzte im Gespräch vor der Kundgebung, warum ihr Widerstand grundsätzlicher Natur ist: "Ich bin prinzipiell gegen Krieg. Ich kann mich auf meine Werte beziehen und sagen: Ich will das so nicht. Und ich hoffe, dass die Weltpolitik dafür eine Lösung findet."
Auf die Frage, was denn an die Stelle der Landesverteidigung treten solle, antworteten die jungen Leute mit dem, was sie haben: Überzeugung. Man setze auf Diplomatie, auf Dialog, auf ein weltweites Umdenken. Fertige Antworten auf schwierige Fragen hatten sie nicht. Aber sie hatten den Mut, unbequeme Fragen laut zu stellen. Mitten auf dem Kaemmererplatz in Cuxhavens City.
Jugendliche sollen über Sorgen sprechen können
Und sie beabsichtigen, wiederzukommen. Das bundesweite Bündnis kündigt weitere Streikwellen an, auch für Cuxhaven. Geplant sind Schulkomitees, in denen Jugendliche in den Pausen über ihre Sorgen sprechen können. Eine Bewegung im Aufbau. Klein, aber entschlossen.
Ob die 20 jungen Menschen auf dem Kaemmererplatz die Politik in Berlin erreichen werden, ist offen. Dass sie gehört werden wollen, war an diesem sonnigen Donnerstagmittag jedenfalls unübersehbar.