Wolf in Cuxhaven-Altenwalde längst heimisch: Experten warnen vor Begegnungen im Ort
Am Pfingstmontag lief ein Wolf mitten durch den Cuxhavener Ortsteil Altenwalde; in Wald und Heide ist er dort längst heimisch. Welches Rudel bewegt sich dort, was sollten Spaziergänger und Hundebesitzer beachten?
Die Stunde war schon fortgeschritten, als der Hintergrundfilm noch mal die Aufmerksamkeit des Altenwalder Publikums auf sich zog. Zu sehen waren Bilder von Wolfsbegegnungen. Eine nach der anderen, mit Datums- und Ortsbezeichnungen, die deutlich machten, dass der Wolf längst unter uns lebt - auch in Altenwalde, wo er Ende Mai morgens mitten durch den Ort spaziert war.
Dieses Ereignis war für Ortsratsmitglied Ingo Uppendahl Anlass, eine Informationsveranstaltung zu organisieren. Aufgefallen waren ihm zuvor die Beiträge der Wolfssichtungsgruppe Cuxhaven bei Facebook, allen voran die aufklärenden Worte von Lilly Strube in der Altenwalde-Gruppe. Die Privatinitiative von Weidetierhaltern aus der Region hat schon mehrfach im Cuxland über Wolfsvorkommen informiert.
Nach dem krankheitsbedingten Ausfall des Referenten übernahm Lilly Strube spontan die Information der Interessierten in der Geschwister-Scholl-Schule. Früher seien, berichtete sie, der hiesige Küstenstreifen und die Heide nie durch den Wolf besiedelt gewesen. "Heute ist der Deich die Wolfsautobahn." Die hiesige Kulturlandschaft biete ihnen eine sichere Nahrungsquelle.
Der Tagesbedarf eines Wolfs liege bei rund zwei bis vier Kilo Muskelfleisch pro Tag, dazu etwas Innereien und Rippenknochen - vorzugsweise von Huftieren. Statt mühevoll mehrere Stück Rehwild in der Woche zu erlegen, sei für viele Wölfe die Versuchung groß, sich an Herden- und Weidetiere heranzumachen: "Von einer Kuh hat man mehr."
"Wölfe, die nicht gemeldet sind, sind einfach nicht da"
Lilly Strube machte keinen Hehl daraus, dass sie - bei aller Lebensberechtigung für den Wolf - nicht zu der Fraktion gehört, die eine Wolfsbegegnung mit einem Sechser im Lotto vergleicht. Für sie stimmt etwas im Gleichgewicht nicht mehr, wenn Wölfe so lange leben und sich so stark vermehren wie nirgends sonst, wenn Weidetiere in Massen aufgeschreckt und zu Tode gehetzt, Pferde vor der eigenen Haustür gerissen und sogar Herdenschutzhunde getötet werden.
Dabei wies sie immer wieder auf offizielle Quellen, Info- und Meldeportale hin. Sie appellierte an Bevölkerung und Jägerschaft, jede Wolfssichtung und Spur zu melden: "Denn Wölfe, die nicht gemeldet sind, sind einfach nicht da." Wolfsspuren sind häufig daran zu erkennen, dass der Wolf "schnürt", das heißt, seine Hinterpfote exakt in die Spur der Vorderpfote setzt. Zehn Zentimeter kann die Pfotenlänge bei einem Männchen leicht erreichen.
Das Wissen über die lokalen Rudel, Anzahl der Welpen, Angriffs- und Rissverhalten sowie Nahrungsvorlieben sei ziemlich gut. Die Altenwalder Wölfe seien dem Nordholz-Otterndorfer Rudel zuzuordnen, das dafür bekannt sei, sich immer wieder kleinen Hunden anzunähern.
Was tun und was lieber nicht?
Vor dem Hintergrund war das Publikum an Verhaltenstipps sehr interessiert. Hier eine Auswahl:
- Nach Wolfssichtungen Kinder nicht allein im Wald herumbutschern lassen und ihnen erklären, dass Wölfe keine Kuscheltiere sind und sich nicht wie Hunde verhalten. Ein Codewort für den Ernstfall vereinbaren, um klarzumachen, dass sofort vereinbarte Sicherheitsregeln gelten. Lärm machen. Sehr empfehlen konnte die Referentin die Einladung eines Wolfsinfomobils an die Schule, die Kita oder den Verein.
- Hunde anleinen und nicht außerhalb der Sichtweite laufen lassen. Einen Tracker anbringen, Rückrufkommandos üben. Kleine Hunde auf den Arm nehmen. "Oft riecht der Hund den Wolf früher und will nicht weiter - hören Sie auf ihn", so Lilly Strube. Wölfe könnten Hunde als Konkurrenten ansehen, aber auch als Beute.
- Wölfe nicht füttern, Müll wegräumen, kein Igelfutter auslegen (Igelhäuser benutzen), offene Komposthaufen vermeiden.
- Wölfen nicht folgen und versuchen, das Quartier zu finden oder Fotos zu machen.
- Nahbegegnungen vermeiden: Möglichst nicht näher als 100 Meter.
- Nicht vor dem Wolf weglaufen, nicht den Rücken zukehren. Stattdessen: stehen bleiben, groß machen, mit tiefer Stimme anschreien.
- Hilfsmittel können Pfefferspray, Pfeffergel, eine Trillerpfeife oder Alarmsticks sein, die ordentlich Lärm produzieren (Info-Materialien dazu lagen aus, unbedingt Sicherheitshinweise beachten). Hilfe per Handy herbeiholen.
In Altenwalde schon viele Sichtungen, auch im Zentrum
Auf der Hauptstraße in Altenwalde soll der Wolf nicht nur einmal gesichtet worden sein. Die Straße Am Altenwalder Bahnhof benutzt er jedenfalls regelmäßig auf dem Weg in die Küstenheiden. Die hier geborenen Wölfe seien längst nicht mehr so scheu, wie man es dem Wolf zuschreibe, gab Lilly Strube zu bedenken.
Nur kurz erwähnt seien hier die sehr ausführlichen Erläuterungen zum Herden- und Weidetierschutz an dem Abend. Der Dank galt der Schule für die Bereitstellung des Raums sowie privaten Spendern, die die Veranstaltung unterstützt hatten.
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