Zweite Wand könnte Lärmbelastung in Cuxhavens Süden lindern
Hafenwachstum und Lebensqualität schließen sich für Bernd Hartig (SPD) nicht aus: Der SPD-Ratsherr aus Groden ist für mehr Schallschutz an der Autobahn.
Doch, der Verkehr habe definitiv zugenommen. Bernd Hartig blickt hinüber zum Damm, auf dem die A27 verläuft. Ein Lastwagen zieht vorüber - einer der kleineren Sorte. Motor- und Abrollgeräusche der Reifen sind am Rande des Einfamilienhausgebiets zwischen Katharina-von-Bora- und Martin-Luther-Weg trotzdem deutlich zu hören.
Hartig, Stadtratsmitglied der SPD, lebt in Sichtweite der Autobahn, spricht aber nicht für sich allein: Nachbarn seien auf ihn zugekommen, mit der Bitte, das Thema Lärmbelastung auf die Agenda zu setzen. "Man kann mit Schutzmaßnahmen dafür sorgen", so der Genannte, "dass sich Wachstum nicht mit Wohnqualität beißt." In genau diesem Zwiespalt nämlich leben die Menschen im Stadtteil Groden: Der nahe gelegene Hafen wächst; aktuell werden weitere Umschlagkapazitäten geschaffen, und das "Deutsche Offshore Industriezentrum" könnte durch weitere Maßnahmen wie dem Bau eines Schwerlastzubringers nicht nur national, sondern in Zukunft europaweite Bedeutung erlangen.
Ziel: Groden ein Stück weit "von Belastungen befreien"
Aus politischer Sicht ist das durchaus gewollt. "Die Entwicklung des Cuxhavener Hafens zu einem zentralen Standort der Offshore-Windenergie ist ein großer Erfolg für unsere Stadt und die gesamte Region", bekräftigt Hartig und spricht von steigenden Umschlagzahlen, neuen Firmenansiedlungen und den daraus resultierenden Arbeitsplätzen. Perspektiven, die von SPD-Seite her eindeutig begrüßt werden. "Wir stehen klar hinter dieser Entwicklung, hinter einer starken industriellen Zukunft unseres Hafens", macht auch der Ratsfraktionsvorsitzende Gunnar Wegener deutlich. Gleichzeitig räumt er ein, dass man Bürgerinnen und Bürger, die in Groden ihren Platz zum Leben gefunden haben, ein Stück weit von den Belastungen befreien müsse, die mit der Wirtschaftsentwicklung einhergehen. "Es gibt hier ja auch Diskussionen um Lichtverschmutzung", fährt er unter in Anspielung auf einen CN/NEZ-Bericht fort.
Der Artikel hatte Klagen über das Ausmaß der Außenbeleuchtung auf Cuxhavener Werksgeländen aufgegriffen. Auswirkungen von Lichtimmission sind ein vergleichsweise neues Thema, Verkehrslärm zählt unter den Umweltbelastungen zu den Klassikern. Gleichwohl sind Präventivmaßnahmen in diesem Bereich kein Selbstgänger: Eine Schutzwand wurde im Bereich Groden/Altenbruch zwar entlang Fahrspur in Richtung Cuxhaven gezogen. Wer auf der anderen Seite der Autobahn lebt, guckt bislang allerdings in die Röhre. Der Ostwind, so Hartig, trage den Lärm, der durch die steigende Zahl von Schwarlasttranporten eher zu- denn abnimmt, direkt in die Gärten hinein.
Vor diesem Hintergrund spricht der Ratsherr sich dafür aus, zu prüfen, was in diesem Bereich möglich wäre. Schallschutz auf der anderen Seite der Autobahn könnte aus seiner Sicht eine deutliche Entlastung der Wohngebiete im Stadtteil Groden bewirken.
Nicht von heute auf morgen zu realisieren
"Eine ergänzende Lärmschutzwand wäre ein sinnvoller Schritt, um diese Balance zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Lebesqualität zu sichern.": Ratsfraktionsvorsitzender Gunnar Wegener dämpfte allerdings Erwartungen, dass ein solcher Ausbau von heute auf morgen erfolge. Nach seinen Worten muss eine derartige Maßnahme in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden. "Das geht sicher nicht in ein bis zwei Monaten."