Minister Falko Mohrs: "Cuxhaven hat sich zum richtigen Zeitpunkt relevant gemacht"
Von den städtischen Kultureinrichtungen bis zum Drohnencampus - es war ein weitgefächertes Programm, das dem niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs (SPD) in Cuxhaven geboten wurde. Die Drohnen-Forschung ist hochrelevant.
In der Stadtbibliothek traf der Minister mit Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD), Bürgermeisterin Christine Babacé (Die Grünen), Stadt-Bediensteten, den Landtagsabgeordneten Eva Viehhoff (Bündnis 90/Die Grünen) und Claus Seebeck (CDU) sowie Ratsmitgliedern zusammen, um sich zunächst über die beiden Institutionen im Hause zu informieren, angefangen beim Stadtarchiv, das vor genau zehn Jahren, 2016, von der Altenwalder Chaussee an den Schleusenpriel umgezogen ist.
Stadtarchiv erhält so viele schriftliche Anfragen wie noch nie
Das historische Erbe Cuxhavens wird dort nicht etwa nur hinter verschlossenen Türen auf 2,5 Regalkilometern gehütet. Der kommissarische Leiter Lars Schmidt berichtete über Rekordwerte bei schriftlichen Anfragen und Besuchen im Jahr 2025 und gab dem Minister aktuelle Bedürfnisse nach Hannover mit.

Die drängende Notwendigkeit der Digitalisierung - wichtige Maßnahme zum Schutz des Bestands und gleichzeitig zu einer besseren Zugänglichkeit - rufe geradezu nach einem Förderprogramm für die Gemeinden; so wie schon bei der 2009 angelaufenen und immer noch andauernden Massenentsäuerung von Papierakten aus den Jahrzehnten nach 1850. Diese Aufgabe sei ohne zusätzliches Personal trotz moderner Archivscanner nicht zu bewältigen.

Pro Öffnungstag eine Veranstaltung
Stadtbibliotheksleiterin Stephanie Lüder schilderte das vielfältige Leben in der Einrichtung, die im deutschlandweiten Vergleich sowohl bei den Nutzer- als auch bei den Ausleihzahlen sehr gut dastehe. Die Zahl der Ausleihen steige (auch bei Büchern!) und im vergangenen Jahr habe es so viele Neuanmeldungen gegeben wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Zurückzuführen sei das auch auf das riesige Programm für alle Altersgruppen; rechnerisch war es eine Veranstaltung pro Öffnungstag. Die Zahl von allein 80 Kinder- und Jugendveranstaltungen pro Jahr soll am liebsten noch ausgebaut werden, neue Ideen würden jederzeit aufgegriffen und umgesetzt. "Und das alles neben den normalen Öffnungszeiten", bemerkte Uwe Santjer. Stephanie Lüders und Kollegin Astrid Hebel versetzen mit ihrer Begeisterungsfähigkeit beim Rundgang auch die Alteingesessenen ins Staunen. Für die Zukunft steuert die Bibliothek den Ausbau digitaler Angebote an und wünscht sich 32 Jahre nach Bezug des Gebäudes hier und da eine räumliche Modernisierung.
170 Meter lange Start- und Landebahn
Der Wissenschaft, nämlich dem Drohnen-Übungscampus des Fraunhofer-Instituts, war der zweite Teil des Besuchs gewidmet. Dr. Hanno Schnars und Tim Strohbach, Leiter der Cuxhavener Gruppe, gaben Einblicke in das Geschehen auf dem ODCC (Offshore Drone Campus Cuxhaven). Das inmitten der Hafenwirtschaft gelegene Gelände mit der 170 Meter langen Start- und Landebahn ermöglicht den direkten Weg zu den Windparks in der Deutschen Bucht, ohne dabei bewohntes Gebiet, Firmengelände oder den Nationalpark überqueren zu müssen.

Ziel der Forschung: Inspektion und Wartung per Drohneneinsatz
Die Forschungen zielen darauf ab, bei Inspektionen, Wartung und Reparaturen der Gondeln und Blätter der riesigen Windkraftanlagen zukünftig weitgehend ohne Seilkletterer-Einsätze auszukommen. Bei den Versuchen gehe es zum Beispiel darum, droheneinsatztaugliche Werkzeuge mitzuentwickeln.
Marineflieger in Nordholz mit einbeziehen
Da in der strategisch bedeutsamen Weser-Elbe-Region das Auftauchen unidentifizierbarer Drohnen ein besonders sensibles Thema ist, stößt der Campus auf großes Interesse, ist eng vernetzt und wird bei Meldungen unbekannter Flugobjekte oft als Erstes angerufen, um zu klären, ob die gesichtete Drohne etwa von dort aus gesteuert worden war. So liege der Gedanke nah, hier eine Modellregion zu etablieren, um Methoden zum Detektieren und zur Klassifizierung von Drohnen zu verbessern und Ausbildung zu forcieren, auch im Zusammenhang mit den nahen Marinefliegern in Nordholz, so Tim Strohbach.
Offshore-Industriezentrum wächst täglich weiter
"Danke, dass Sie sich auf Cuxhaven eingelassen haben", sagte Uwe Santjer. Die Entscheidung des Instituts sei für Cuxhaven ein Geschenk. Wie sich dieser Bereich in die beispiellose Entwicklung des Deutschen Offshore-Industriezentrums eingliedert, erfuhr Falko Mohrs beim Anblick der sich täglich verändernden Produktions-, Umschlags- und Lagerstätten zwischen Cuxhaven und Altenbruch, alles ein Ergebnis engagierter, vorausschauender Ansiedlungspolitik. "Ihr habt Euch zum richtigen Zeitpunkt relevant gemacht", stellte der Minister beeindruckt fest.

Nach einem Eintrag ins Buch der Stadt Cuxhaven hatte er zuvor noch das Museum Windstärke 10 und dessen Leiterin Dr. Christina Wawrzinek kennengelernt. "Alles Einrichtungen, die letztlich auch durch eine stabile Wirtschaft mit abgesichert sind", freute sich Uwe Santjer. Nicht zu vergessen: "Weiche" Standortfaktoren steigern die Lebensqualität - unverzichtbar für eine wachsende Stadt.
