Oberleutnant zur See Volker Muth vor dem Denkmal des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz, bereit für neue Abenteuer zwischen Himmel und Meer. Der Presseoffizier des Geschwaders wechselt jetzt nach Berlin. Foto: Potschka
Oberleutnant zur See Volker Muth vor dem Denkmal des Marinefliegergeschwaders 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz, bereit für neue Abenteuer zwischen Himmel und Meer. Der Presseoffizier des Geschwaders wechselt jetzt nach Berlin. Foto: Potschka
Jetzt geht es nach Berlin

Zwischen Himmel, Meer und Menschen: Pressesprecher verlässt Nordholzer Marineflieger

von Jens Potschka | 27.09.2025

Volker Muth, Ex-Energieberater und Fotograf, tauscht Büro und Kamera gegen Uniform und Marineflieger. Seine Erlebnisse im Cockpit und die familiäre Atmosphäre sind nur der Anfang einer faszinierenden Reise zwischen Nordholz und Berlin.

Volker Muth sitzt mir in der Messe der Marineflieger gegenüber, die Uniform korrekt, das Schiffchen zur Seite gelegt. Hinter ihm hängt ein überdimensionales altes Schwarz-Weiß-Foto, Soldaten vor einem Zeppelin, als stolze Erinnerung an vergangene Zeiten. Er lacht, als er von seinem ersten Tag bei den Marinefliegern erzählt - und man merkt sofort: Hier spricht einer, der sich mit Leidenschaft auf Neues einlässt.

Seiteneinsteiger mit Neugier

Der Weg in die Bundeswehr war für den 55-Jährigen kein geradliniger. Am Niederrhein geboren und in Duisburg-Reinhausen aufgewachsen, studierte er Betriebswirtschaft in Frankfurt, spezialisierte sich auf Energiewirtschaft und erwarb später die Lizenz für die Energiebörse in Leipzig. Dann zog es ihn in die Selbstständigkeit als Fotograf. "Eigentlich waren meine Berufswünsche immer Soldat und Fotograf", sagt er. "Damals wusste ich nur nicht, wie man beides verbinden kann."

Im Oktober 2018 tat er den Schritt: als Reserveoffizieranwärter bei der Luftwaffe. Grundausbildung in Germersheim, Offiziersschule in Fürstenfeldbruck - eine Erfahrung, die er als prägend beschreibt. "Bei der Bundeswehr lernen Sie den Umgang mit Menschen. Und man lernt, Dinge einfach zu machen, auch mal den eigenen Schweinehund zu überwinden." Nach einer Station im Presseinformationszentrum der Luftwaffe führte ihn der Weg nach Nordholz.

Faszination Nordholz

Im November 2021 begann Muth bei den Marinefliegern - ausgerechnet an dem Tag, als Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Abschiedstour in Bremerhaven war. Am Himmel zogen Maschinen der Flugbereitschaft vorbei, ein Transporthubschrauber flog mit Außenlast, ein Jet übte Landungen. "Ich musste mich keinen Meter bewegen, ich hatte das ganze Programm vor Augen", erinnert er sich. "Da habe ich gedacht: privilegiert, hier zu sein."

Von da an war es die Vielfalt, die ihn fesselte. Mitflüge im Cockpit einer P-3C Orion über der Ostsee, internationale Begegnungen mit französischen Marinefliegern, spontane Erlebnisse wie das Abwinschen aus dem NH90-Hubschrauber. "Diesen Morgen war ich nicht mit dem Gedanken aufgestanden, dass ich aus 40 Metern Höhe abgewinscht werde", sagt er schmunzelnd. "Aber es sind genau diese überraschenden Geschichten, die diesen Job so besonders machen."

Auch das Winschen aus einem NH90 hat Volker Muth schon erlebt. Symbolfoto: Rehder/dpa

Der Mensch hinter dem Offizier

Muth ist Familienvater von drei Kindern - zwei erwachsenen Söhnen, einer Tochter. Die Entscheidung für die Bundeswehr hat auch mit ihnen zu tun. "Mir ist bewusst geworden, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist. Ich wollte, dass meine Kinder dieselben Freiheiten haben wie ich."

Privat sucht er Ausgleich in Bewegung: Laufen, Schwimmen, Wandern, besonders in Schottland. Und er liebt die analoge Fotografie. "Mit zwölf oder 36 Bildern, schwarz-weiß oder Farbe - diese Begrenzung ist meditativ. Sie bringt Ruhe in den Kopf." Auf Homeoffice verzichtet er bewusst. Freitags pendelt er nach Hause nach Frankfurt, sonntags geht es zurück in den Norden. 

Von der Nordsee in die Hauptstadt

Jetzt steht der Wechsel bevor: nach Berlin, in die Redaktion der Bundeswehr. Dort entstehen Magazine wie Y, dort bündeln sich die Medienkanäle der Bundeswehr. "Das ist mehr journalistisches Arbeiten, mehr Schreiben, mehr Fotografieren - mein Wunsch", sagt er. Ein Aufstieg? "Eher ein nächster logischer Schritt. In der Bundeswehr ist es normal, alle paar Jahre die Perspektive zu wechseln."

Er will dort vor allem Geschichten über Menschen erzählen. "Ich würde gerne Porträts machen, wie Sie gerade eines über mich. Menschenbilder faszinieren mich." Konkrete Ideen gibt es schon: Die neue P-8 Poseidon, Nachfolger der P-3C, ist für ihn ein naheliegendes Thema. Und er freut sich - ganz prosaisch - auch auf etwas, das jeder Bahnfahrer kennt: "Einen durchgehenden Zug ohne Umstieg in Bremen."

Das Seefernaufklärungsflugzeug P-8 Poseidon ist Nachfolger der P-3C. Foto: Boeing

Haltung und Ausblick

Was ihn antreibt, fasst er schlicht zusammen: "Dienst an der Gesellschaft heißt für mich, ein ehrliches Bild von der Bundeswehr zu vermitteln. Offen, verständlich, transparent." Die Wertschätzung, die Soldaten erfahren, habe er selbst gespürt - etwa, als ihn ein Fremder am Bahnhof spontan zu einer Currywurst einlud, "weil er realisiert hatte, wie viele Kameraden in Afghanistan gefallen sind".

In Berlin will er die Vielfalt der Hauptstadt entdecken. "Vielleicht ganz spießig mit einem Stadtführer: jeden Tag einen anderen Kiez." Was ihm fehlen wird? "Die Weite des Meeres - und die kleine Fischbraterei in Bremerhaven."

Am Ende des Gesprächs betont der Oberleutnant zur See, was ihn an den Marinefliegern besonders beeindruckt hat: das fast familiäre Miteinander. "Ob Bootsmann oder Fregattenkapitän - entscheidend ist der Auftrag. Diese Herzlichkeit federt Härten ab. Das nehme ich als Motivation mit."

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