Deutschkurs für 21 Nationen: Fachkräftemangel im Kreis Cuxhaven macht erfinderisch
Der Fachkräftemangel zwingt Hotellerie und Gastronomie im Kreis Cuxhaven zum Umdenken. Ein innovatives Sprachkursmodell im Strandhotel Kamp zeigt, wie Integration und Servicequalität Hand in Hand gehen können.
Mittwochnachmittag, 15 Uhr: Während im Restaurant die Vorbereitungen laufen, wird ein Seminarraum im Strandhotel Kamp zur Sprachschule. Seit rund eineinhalb Jahren gehört das hier zum Alltag. Zweimal pro Woche heißt es dann nicht "Guten Appetit", sondern: "Bitte nachsprechen."
Die Idee entstand wegen eines strukturellen Problems. Denn der Fachkräftemangel ist auch in der Hotellerie und Gastronomie im Kreis Cuxhaven ein großes Thema. Viele Betriebe sind mittlerweile gezwungen, Personal aus dem Ausland einzustellen - im Strandhotel Kamp arbeiten inzwischen Menschen aus 21 Nationen. Doch mit der Vielfalt aus dem Ausland wächst eine Herausforderung: die Sprache. "Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Mitarbeiter kommunizieren können", sagt Kristian Kamp, Inhaber des Strandhotels und Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Stadtverband Cuxhaven. Denn eines sei klar: Die Gäste an der Nordseeküste sind überwiegend deutschsprachig. Servicequalität machen sie oft an der Kommunikation fest. Und deshalb sei es wichtig, dass die Mitarbeiter sich verständigen können und "nicht vor dem Gast weglaufen".
"Die Aussprache ist das größte Problem"
Im hauseigenen Kurs unterrichtet der pensionierte Förderschullehrer Klaus-Dieter Lemke. 90 Minuten pro Einheit, ausschließlich auf Deutsch. "Die Aussprache ist das größte Problem", sagt er. Vokabeln, einfache Dialoge, Alltagssprache - alles orientiert sich am Berufsleben. Wenn es gar nicht anders geht, hilft eine Übersetzungs-App. Die heutige Gruppe ist bunt gemischt: Mery kommt aus Kolumbien, Citlaly aus Mexiko, Nibin und Amal aus Indien. Sie arbeiten in Küche, Service oder Housekeeping - und sitzen für den Deutschkurs gemeinsam an einem Tisch. In der Spitze sind es bis zu 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, meist kommen sieben bis acht. Alle eint das gleiche Ziel: sich verständigen zu können.

Der Vorteil des internen Kurses liegt auf der Hand, weiß Klaus-Dieter Lemke: "Keine Noten, kein Prüfungsdruck, kein zusätzlicher Weg nach einem langen Arbeitstag." Lernen findet dort statt, wo der Alltag ohnehin spielt. "Ohne Druck lernt es sich besser", ergänzt der ehemalige Förderschullehrer. Und tatsächlich: Die Fortschritte sind spürbar, berichten auch die Kollegen im Betrieb. Oft sieht die Realität anders aus als auf dem Papier: Eigentlich sollten viele internationale Fachkräfte mit Deutschkenntnissen auf B2-Niveau einreisen. "Das ist in der Praxis aber selten der Fall", sagt Hoteldirektorin Annette Kamp. Trotzdem setzt sie bewusst auf diese Mitarbeiter - wegen ihrer Motivation und ihrer Serviceorientierung.
Ohne internationale Fachkräfte kann der Bedarf nicht gedeckt werden
Für die Branche sei das Projekt "hauseigener Deutschkurs" ein wichtiger Schritt. "Wir geben damit eine Hilfestellung für die gesamte Branche", sagt Kristian Kamp. Tatsächlich haben erste Betriebe bereits nachgezogen. Doch flächendeckend ist das Konzept noch nicht angekommen. Der Grund: Es fehlt an Lehrkräften. Während Räume, Bedarf und Motivation vorhanden sind, mangelt es an Menschen, die unterrichten können - oder wollen. Dabei könnte der Bedarf weiter steigen. Denn eines ist absehbar: Ohne internationale Fachkräfte wird die Branche ihren Personalbedarf nicht decken können. Und ohne Sprache wird Integration im Arbeitsalltag schwierig. Der Dehoga-Vorsitzende Kristian Kamp hofft deshalb, dass sich weitere Mitstreiter finden. Interessierte Arbeitgeber oder Lehrkräfte können sich mit ihm unter (0 47 21) 40 30 oder k.kamp@kamp-hotels.de in Verbindung setzen.