Nach der Meisterschule, die Timo Sowade in Mayen (Eifel) in zehn Monaten in Vollzeit absolvert, möchte er Mitte 2023 wieder nach Cuxhaven zurückkehren. Foto: red
Nach der Meisterschule, die Timo Sowade in Mayen (Eifel) in zehn Monaten in Vollzeit absolvert, möchte er Mitte 2023 wieder nach Cuxhaven zurückkehren. Foto: red
Handwerk rockt

Wie ein 23-jähriger Dachdecker aus Cuxhaven ganz groß abräumt

von Maren Reese-Winne | 28.10.2022

Cuxhaven. Erst Abi, dann rauf aufs Dach: Timo Sowade aus Cuxhaven räumte dabei gleich mal eine Landesmeisterschaft ab, startete nun bei den Bundesmeisterschaften und hat an seiner Berufswahl rein gar nichts auszusetzen.

Der Name "Sowade" ist in Cuxhaven nicht unbekannt, schon gar nicht, wenn es um das Dachdeckerhandwerk geht. Der elterliche Betrieb hat Timo Sowade (23) geprägt - so sehr, dass es ihn nach dem Abitur an den BBS Cuxhaven selbst ins Handwerk gezogen hat. Die Früchte kann der Meisterschüler jetzt ernten.

Es winkte die Reise nach St. Gallen

Nachdem er im Januar 2022 seine Gesellenprüfung mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen und bei den nachfolgenden Landesmeisterschaften in Nordrhein-Westfalen den Sieg abgeräumt hatte, startete er am vergangenen Wochenende bei den Bundesmeisterschaften in Mayen in der Eifel. Ein Riesen-Erfolg war es schon, dort mit den Besten aus Deutschland zu stehen und um die Qualifikation zur Weltmeisterschaft zu kämpfen, die den beiden Erstplatzierten winkte. Und das waren am Ende tatsächlich zwei Frauen.

Zehn konzentrierte Monate an der Meisterschule

Nuancen entschieden in dem zehnköpfigen Teilnehmerfeld über den Sieg. Zur Weltmeisterschaft nach St. Gallen in der Schweiz wäre Timo Sowade zwar auch gern gefahren, aber nun kommt erstmal die Siegerehrung der nordrhein-westfälischen Landessieger und dann konzentriert er sich - nach einem langen Wochenende in der Heimat in Cuxhaven - wieder auf die Meisterschule in Mayen, um Ende Mai kommenden Jahres einen erfolgreichen Abschluss hinzulegen.

Schon in den Ferien auf dem Dach gearbeitet

Geboren und aufgewachsen ist der 23-Jährige in Cuxhaven, wo er nach dem Besuch der Abendrothschule und des Lichtenberg-Gymnasiums an den BBS Abitur gemacht hat. In der Freizeit schwamm er erfolgreich für den ATSC und spielte mit Rot-Weiss Cuxhaven Basketball auf Landesebene. Und er stieg in den Sommerferien schon mal zwecks Taschengeldaufbesserung im Betrieb seines Vaters Heiko den Kunden aufs Dach. "Da habe ich schon gemerkt, dass mir das super viel Spaß bringt." Die Höhe sei von Anfang an kein Problem gewesen.

Andere Gegend - andere Dächer

"Unser Vater hat in Bezug auf die Berufswahl nie auf uns Druck ausgeübt", bekräftigt Timo und bezieht dabei seinen älteren Bruder Fabian mit ein. Er selbst entschied sich leichten Herzens für die Dachdecker-Ausbildung, die aber nicht im elterlichen Betrieb stattfinden sollte. Mit seiner Freundin zog Tim Sowade nach Havixbeck in der Nähe von Münster. Übrigens eine Gegend, die sich auch in Sachen Dächer deutlich vom Cuxland unterscheidet: "Sehr viel mehr ältere Gebäude, sogar Schlösser, an denen wir Unterhaltungsarbeiten durchgeführt haben", zählt Timo auf. Viele Aufträge führten ihn auch in die Altstadt von Münster.

Seine Hauptaufgabe in der Gesellenprüfung - Flachdachabdichtung - bildete auch den Schwerpunkt bei der Hauptarbeitsprobe der Landesmeisterschaft. Bei der Bundesmeisterschaft wurde noch eine Schippe draufgelegt und es mussten noch mehr Arbeiten in kürzerer Zeit erledigt werden. Sehr schön fand Timo Sowade den Austausch mit den Konkurrentinnen und Konkurrenten: "Da wurde schon die Liebe zum Handwerk deutlich."

Freie Minuten gibt es in dieser Zeit kaum

Freie Minuten kennt der Junghandwerker bei Unterrichtszeiten von 8 bis 17.15 Uhr an der Meisterschule kaum. Dafür winkt nach zehn strammen Monaten Vollzeitunterricht im Mai 2023 der Meistertitel. Den Blick für die Zeit danach richten er und seine Freundin nach Cuxhaven, wo der elterliche Betrieb reichlich Aufgaben bereit hält. Einen Tipp kann der Cuxhavener Jugendlichen mitgeben, die vor der Berufswahl stehen: "Handwerk hat wirklich goldenen Boden, die Zukunft sieht sehr gut aus. Bei vielen hält sich das Klischee, dass man nur Geld verdient, wenn man Anzug trägt und im Büro sitzt. Aber das ist nicht so."

Ein Praktikum sei immer gut. Das Handwerk biete viele Entwicklungsmöglichkeiten. Die Leistungswettbewerbe seien dabei wie ein Sahnehäubchen: "Viele wissen doch gar nicht, dass es im Handwerk überhaupt Landes-, Bundes- und sogar Weltmeisterschaften gibt."

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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