Ein Stammzellspender liegt am 21.12.2016 während der Apherese auf einer Liege im Institut für Transfusionsmedizin in Chemnitz (Sachsen). Bei dem jungen Mann aus Berlin wird die 1000. Spende der Stammzellspenderdatei Ost (DSSD-Ost) für eine schwerkranke Patientin entnommen. Derzeit sind 80000 Spender in der Datei des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost erfasst. Die Stammzellen werden an Leukämiepatienten oder Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems vermittelt. Die DSSD-Ost besteht 2016 seit 25 Jahren. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa ++ +++ dpa-Bildfunk +++
Ein Stammzellspender liegt am 21.12.2016 während der Apherese auf einer Liege im Institut für Transfusionsmedizin in Chemnitz (Sachsen). Bei dem jungen Mann aus Berlin wird die 1000. Spende der Stammzellspenderdatei Ost (DSSD-Ost) für eine schwerkranke Patientin entnommen. Derzeit sind 80000 Spender in der Datei des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost erfasst. Die Stammzellen werden an Leukämiepatienten oder Patienten mit anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems vermittelt. Die DSSD-Ost besteht 2016 seit 25 Jahren. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa ++ +++ dpa-Bildfunk +++
Zwei Methoden

Leben retten kann so einfach sein: Experte vom UKE erklärt Stammzellenentnahme

von Denice May | 14.01.2023

Kreis Cuxhaven. Nicht nur die Registrierung für eine Knochenmarkspende ist einfach, sondern auch die Stammzellenentnahme selbst. Wir haben mit dem Hamburger Chefarzt des Instituts für Transfusionsmedizin und mit einem Spender gesprochen.

Neben dem ehemals an Leukämie erkrankten - und mittlerweile wieder gesunden - 13-jährigen Anthony aus Cuxhaven (wir berichteten) warten viele Krebspatienten auf eine Stammzellenspende. Doch wie funktioniert die Entnahme beim Spender? Und wie fühlt es sich an, Spender - und somit Lebensretter - zu sein? 

In der Abteilung von Dr. Sven Peine, Chefarzt des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), werden täglich Stammzellenspenden durchgeführt. Er erklärt, was dabei entscheidend ist: "Heutzutage werden zu etwa 90 Prozent Männer als Spender ausgesucht, weil die Transplantation bei ihnen aus immunologischer Sicht etwas besser funktioniert als bei Frauen. Wenn der Transplanteur eine Wahl hat, wählt er also eher einen Mann als eine Frau - und auch eher einen jungen Menschen als einen alten. Der ideale Spender ist also männlich und zwischen 18 und 25 Jahre alt." 

Wahrscheinlichkeit ist hoch, mehrere Spender zu finden

Aktuell sind 25 Millionen Menschen als Stammzellenspender auf der Welt registriert. Wird ein Spender gesucht, kann weltweit in  Registern nach potenziellen Spendern gesucht werden - allerdings müssen zig Merkmale im Immunsystem übereinstimmen. Aufgrund unterschiedlicher ethnischer Herkünfte ist es sehr unwahrscheinlich, dass beispielsweise ein Asiate einen passenden Spender im europäischen Raum findet. "Für den klassischen Mitteleuropäer oder den Amerikaner, der aus England oder Europa eingewandert ist, findet man aber mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit heutzutage nicht nur einen, sondern fünf oder mehr passende Spender - für die allermeisten Patienten etwa vier Wochen nach Suchbeginn", erklärt Dr. Peine. Wird ein passender Spender gefunden, wird dieser informiert und zu Voruntersuchungen wie EKG, Ultraschall und einer ausführlichen Blutuntersuchung eingeladen.

Bei Methode eins: vorab Botenstoff spritzen

Passt alles, wird die Stammzellenentnahme durchgeführt. Hier gibt es zwei Methoden. Eine Möglichkeit, die in 90 Prozent der Fälle angewendet wird, ist das Sammeln von Stammzellen, durch das Blut. Der Spender muss sich vier Tage lang vor der Entnahme, jeweils morgens und abends eine Spritze mit einem Botenstoff, der dem Körper das Signal gibt, ganz viele weiße Blutkörperchen zu produzieren, in den Bauch spritzen - ähnlich wie eine Thrombose-Spritze. "Der Botenstoff gibt dem Körper zudem das Signal Blutstammzellen nicht nur zu produzieren, sondern auch aus dem Knochenmark zu entlassen und in das zirkulierende Blut auszuschütten", so der Chefarzt. Während dieser vier Tage, kann der Spender grippeähnliche Symptome mit Muskel- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder auch Fieber spüren.

Die Entnahme in der Klinik läuft dann wie folgt ab: "Es gibt Verweilnadeln in den linken und in den rechten Arm. Das Blut, etwa 100 Milliliter in der Minute, wird von dem einen Arm in ein steriles Schlauch-Set eines Geräts gesaugt und wird zentrifugiert. Dadurch wird die Trennung von roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplasma erreicht. Aus den weißen Blutkörperchen werden die Stammzellen gesammelt. Dann gelangt das Blut über den anderen Arm wieder in den Körper." Das Prozedere dauert etwa vier bis fünf Stunden. 

OP-Methode in etwa zehn Prozent der Fälle

Die zweite Methode verläuft etwas anders, denn hier handelt es sich um eine Stammzellenentnahme aus dem Knochenmark, die bei etwa zehn Prozent der Spender durchgeführt wird. "Es gibt gewisse Krankheitsbilder, gerade bei Kindern, wo lieber Zellen aus dem Knochenmark transplantiert werden", erklärt Dr. Peine. Der Unterschied: Bei der Methode, bei der Stammzellen aus dem Blut gewonnen werden, benötigen die Zellen nach der Transplantation etwa drei Wochen, bis sie angewachsen sind. Bei den Stammzellen aus dem Knochenmark dauert es etwa eine Woche länger. "Je nach Krankheitsbild und Gesundheitszustand des Patienten können das entscheidende fünf bis sieben Tage sein", so Dr. Peine.

"Ich wollte einfach nur helfen."

Mit dieser eher selteneren Methode hat der Odisheimer Torben von Thaden bereits vor einigen Jahren Stammzellen gespendet.   Schon wenige Wochen nach seiner Registrierung hatte der heute 25-Jährige die Mitteilung bekommen, dass er als Spender infrage kommen würde. Nach anschließenden Untersuchungen, bei denen er einmal auf den Kopf gestellt wurde, stand fest, dass er der geeignete Spender ist. "Ich wurde aufgeklärt und es stand gleich fest, dass die Methode, bei der das Knochenmark bei einer OP aus dem Beckenknochen entnommen wird, angewandt wird. Ich habe mir da aber keine Gedanken drüber gemacht, ich wollte einfach nur helfen." Dr. Sven Peine erklärt: "Die Operation, bei der mit einer Nadel ins Knochenmark gestochen wird, um etwa 800 Milliliter knochenmarkhaltiges Blut abzusaugen, dauert etwa 45 Minuten." Der Schmerz nach der OP sei aber aushaltbar, wie Torben von Thaden berichtet: "Es hat sich angefühlt, als hätte ich einen starken Muskelkater, der mit der Zeit weniger wurde und nach etwa einer Woche weg war."

"Ich würde es immer wieder machen, weil es ein schönes Gefühl ist, jemanden damit das Leben retten zu können", so der junge Odisheimer. Zwei Jahre nach der Spende hat Torben von Thaden übrigens den Namen der Empfängerin, eine damals 51-jährige Amerikanerin, erfahren. "Ich habe dann über Facebook kontakt zu ihr aufgenommen." Noch heute meldet sich die Amerikanerin am Geburtstag und zu Weihnachten bei dem Odisheimer. "Es freut mich, dass sie diese Feste mit ihrer Familie feiern kann und ich ihr mit meiner Spende helfen konnte." 

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Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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