Fangverbote im Wattenmeer: Sorge um Krabbenfischerei und Tourismus - auch im Cuxland
Die geplanten Fangverbotszonen im Wattenmeer sorgen an der Nordseeküste für Diskussionen. Die Tourismus-Agentur Nordsee (Tano) fordert, bei der Umsetzung der EU-Vorgaben auch die wirtschaftlichen und touristischen Folgen zu berücksichtigen.
Die Tourismus-Agentur Nordsee GmbH (Tano) spricht sich angesichts geplanter zusätzlicher Fangverbotszonen im niedersächsischen Wattenmeer für eine differenzierte Lösung aus. Wie das Unternehmen mitteilt, sieht die EU vor, bis 2030 insgesamt 30 Prozent der küstennahen Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Für zehn Prozent der Flächen soll demnach ein generelles Fangverbot gelten.
Krabbenfischer warnen vor Existenzverlust
Die Küstenfischerei an der niedersächsischen Nordsee kritisiert diese Pläne und befürchtet erhebliche wirtschaftliche Folgen. Nach Angaben der Tano drängt die niedersächsische Landesregierung - anders als Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern - auf eine zeitnahe Umsetzung der EU-Vorgaben. Unterstützung erhalten die Fischer von zahlreichen Kommunalpolitikern, die eine umfassende Prüfung der Auswirkungen fordern.
Die Tano unterstützt nach eigenen Angaben den Schutz sensibler Meeresökosysteme und des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer. Gleichzeitig müsse jedoch sichergestellt werden, dass wirtschaftliche, kulturelle und touristische Interessen ausreichend berücksichtigt würden. Gerade der Tourismus an der Nordseeküste könne von den Folgen betroffen sein, wenn traditionelle Fischereibetriebe wegfielen.
Tourismusbranche sieht wirtschaftliche Folgen
"Wir befeuern bei unseren Gästen eine Erwartungshaltung, die es am Ende zu bedienen gilt. Häfen ohne Kutter sind wie Deiche ohne Schafe", wird Tano-Geschäftsführer Mario Schiefelbein in der Mitteilung zitiert. Der Tourismus an der niedersächsischen Nordsee erwirtschafte jährlich eine Bruttowertschöpfung von rund 4,3 Milliarden Euro und gehöre damit zu den wichtigsten Branchen der Region.
Nach Einschätzung der Tourismus-Agentur hätte ein Rückgang der Krabbenfischerei nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen, sondern würde auch die kulturelle Identität vieler Küstenorte verändern. Sollten Fischer in Orten wie Dorum-Neufeld oder Fedderwardersiel ihre Tätigkeit einschränken oder aufgeben müssen, könnte dies laut Tano zudem zu Umsatzeinbußen im Einzelhandel und bei touristischen Angeboten führen.
Mehr Zeit für Prüfung und Abstimmung
Die Gesellschaft plädiert deshalb für einen konstruktiven Dialog zwischen Politik, Naturschutz und Wirtschaft. Ziel müsse es sein, einen Ausgleich zwischen Meeresschutz und den Interessen der betroffenen Betriebe zu finden. Aus Sicht der Tano spreche zudem vieles für ein abgestimmtes Vorgehen der deutschen Küstenländer.
Da Schleswig-Holstein eine Entscheidung über zusätzliche Schutzmaßnahmen in die nächste Legislaturperiode verschoben habe, bestehe ausreichend Zeit, alle Argumente sorgfältig abzuwägen. Nach Angaben der Tano sollte dabei auch die Informations- und Koordinierungsstelle Transformation Fischerei (IKTF) als zentrale bundesweite Institution eingebunden werden, um die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen umfassend zu bewerten.
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