Koalas gehören zu den ikonischsten Tieren Australiens. Foto: Robert Michael/dpa
Koalas gehören zu den ikonischsten Tieren Australiens. Foto: Robert Michael/dpa
Heftige Diskussionen

Aus der Luft: Warum Australien 700 Koalas abgeschossen hat

30.04.2025

Koalas gehören zu den beliebtesten Tieren Australiens - und sind vielerorts bedroht. Jetzt wurden nach Buschbränden Hunderte aus der Luft abgeschossen. Aber warum? Viele Tierfreunde sind entsetzt.

In Australien sind heftige Diskussionen entbrannt, nachdem die Behörden in einem Nationalpark etwa 700 Koalas aus Hubschraubern abgeschossen haben. Während die Regierung des Bundesstaates Victoria von einem Akt der Barmherzigkeit für die Beuteltiere spricht, sind viele Tierschützer entsetzt. "Das ist keine Fürsorge. Das ist kein Artenschutz. Das ist eine nationale Schande", wetterte die Tierschutzpartei Animal Justice Party.

Was war passiert?

Ein verheerender Buschbrand hatte zuvor große Teile des Budj-Bim-Nationalparks etwa 270 Kilometer westlich von Melbourne zerstört. Den Flammen waren Berichten zufolge etwa 2.200 Hektar des rund 5.400 Hektar großen Gebiets zum Opfer gefallen - auch viele Manna-Eukalyptusbäume, die eine wichtige Nahrungsquelle für Koalas sind, brannten ab. Viele Tiere trugen Verbrennungen und andere schwere Verletzungen davon.

Ziel der Abschüsse aus der Luft sei es gewesen, den Betroffenen weiteres Leid zu ersparen, zitierte der australische "Guardian" den Biodiversitätsbeauftragten James Todd. "Aufgrund der direkten Auswirkungen des Feuers, des schlechten Gesundheitszustands und der geringen Überlebenschancen vieler Tiere wegen der anhaltenden Dürre und des Nahrungsmangels nach dem Feuer mussten viele Tiere eingeschläfert werden", betonte er.

Koalas - oder "Phascolarctos cinereus" - sind in Down Under endemisch. Sie verschlafen den Großteil des Tages in Bäumen sitzend und ernähren sich ausschließlich von Eukalyptusblättern. 

Abschuss aus der Luft als neue Methode

Tierschützer kritisieren nun vor allem die Art und Weise, wie die Tiere ausgewählt und getötet wurden. Denn die Selektion der Koalas nur durch Luftaufnahmen und aus der Distanz - das ist in Australien neu und bis dato nicht erprobt.

"Die Entscheidung für diese Methode wurde nicht leichtfertig getroffen", sagte Todd. Die Regierung habe sich von erfahrenen Tierärzten und Wildtierexperten beraten lassen. Zudem habe man sich den Tieren aus der Luft so weit wie möglich angenähert und ihren Gesundheitszustand etwa mit Ferngläsern beurteilt.

Andere Methoden seien schließlich angesichts des extrem schwierigen Geländes ausgeschlossen worden. Auch hielten sich die Koalas zumeist hoch oben im Geäst der vom Feuer betroffenen Bäume auf, was ein Sicherheitsrisiko dargestellt hätte. Es habe nur zwei Optionen gegeben, erklärte Todd: Einfach zuzuschauen, wie sich der Gesundheitszustand der Tiere verschlechtere, oder proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, um ihr Leid zu beenden.

"Einfach abgeschlachtet"

Viele Tierschützer sehen das anders. Nach Bränden seien schwierige Entscheidungen zum Tierschutz unvermeidlich, und die Minimierung des Tierleids stehe dabei im Vordergrund, teilte die Organisation "Humane World for Animals" mit. "Wir dürfen aber nicht zulassen, dass Luftaufnahmen zur Standardmethode werden", sagte Evan Quartermain vom australischen Zweig der NGO.

Den Zustand eines Tieres aus der Ferne zu beurteilen, sei extrem schwierig. Auch seien jetzt vermutlich viele von ihren Müttern abhängige Junge verwaist. Es wäre deutlich besser gewesen, Such- und Rettungsaktionen für verletzte Koalas durchzuführen, um fundiertere tierärztliche Beurteilungen vorzunehmen, betonte Quartermain.

Drastischer machte die Animal Justice Party ihrem Entsetzen Luft. Die Partei erklärte, die Koalas seien einfach abgeschlachtet worden. "Die Regierung von Victoria genehmigte diese brutale Keulung", hieß es. "Verletzte und vertriebene Koalas wurden vom Himmel aus abgeschossen - ohne Transparenz, ohne Rechenschaftspflicht, ohne Gnade."

Sind Koalas nicht bedroht?

Der Australian Koala Foundation zufolge gibt es wahrscheinlich höchstens noch 60.000 Koalas in freier Wildbahn. Ein dramatischer Rückgang im Vergleich zu den Millionen Exemplaren, die Anfang des letzten Jahrhunderts noch Australien bevölkerten. Lange wurden die knuddeligen Tiere wegen ihres Fells gejagt, was mancherorts beinahe zu ihrer Ausrottung führte. 

Während es in einigen Bundesstaaten wie New South Wales und Queensland an der Ostküste große Sorge um den Bestand gibt - etwa wegen Naturkatastrophen, Rodungen und Verkehrsunfällen - ist die Situation in den Regionen Victoria und South Australia anders: Hier gibt es Experten zufolge teilweise zu viele Koalas und zu wenige Bäume als Lebensraum.

Schrecklicher "Schwarzer Sommer"

Bei den verheerenden Buschfeuern im "Schwarzen Sommer" vor gut fünf Jahren wurden nach Schätzungen des WWF mehr als 60.000 Koalas getötet, verletzt, vertrieben oder traumatisiert. Bilder von Tieren mit angesengtem Fell und verbrannten Pfoten gingen damals um die Welt. 2022 stuften mehrere Bundesstaaten den Gefährdungsstatus der drolligen Beutelsäuger offiziell von "vulnerable" (gefährdet) auf "endangered" (stark gefährdet) hoch.

Von Carola Frentzen/dpa

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Lesen Sie auch...
Zusammenstoß auf der Fahrbahn

Kurioser Unfall im Kreis Cuxhaven: Robbe bei Kollision mit Auto tödlich verletzt

von Redaktion

Ein ungewöhnlicher Verkehrsunfall sorgte am Mittwoch in Schiffdorf für Aufsehen: Auf der K60 kollidierte ein Autofahrer mit einer Robbe. Nach Angaben der Polizei Cuxhaven gibt es eine Vermutung, wie das Tier auf die Fahrbahn gelangt sein könnte.

Expertin im Interview

Polizei Cuxhaven rettet Igel in Osten - Tierschützerin warnt vor dramatischer Lage

von Tamina Francke

Nach dem Igel-Einsatz der Polizei in Osten blickt auch die Igelhilfe im Landkreis Cuxhaven besorgt auf die Lage. Expertin Stefanie Röse erklärt, wie es den Tieren geht - und wie jeder ihnen jetzt noch durch den Winter helfen kann.

Behörden prüfen Situation

Tierleid in Sahlenburg - und offene Fragen: Freilaufende Katzen besorgen Anwohner

von Tamina Francke

Seit Wochen tauchen in Sahlenburg immer mehr freilaufende Katzen auf - einige verletzt, andere trächtig. Anwohner kümmern sich um die Tiere und suchen Hilfe bei Behörden und Tierschutz. Doch wie agiert wird, ist von außen nicht sofort erkennbar.

Saison eröffnet

Kegelrobben bringen auf Helgoland ihre Jungen zur Welt - das müssen Touristen wissen

von Redaktion

Auf der Helgoländer Düne beginnt die Kegelrobben-Kindergartenzeit: Die Tiere bringen jetzt ihre Jungen zur Welt - und brauchen Ruhe. Warum der Strand dafür perfekt ist und worauf Besucher nun achten müssen.