In Sahlenburg kümmern sich Anwohner um freilaufende Katzen, die teils verletzt oder geschwächt wirken. Foto: Francke
In Sahlenburg kümmern sich Anwohner um freilaufende Katzen, die teils verletzt oder geschwächt wirken. Foto: Francke
Behörden prüfen Situation

Tierleid in Sahlenburg - und offene Fragen: Freilaufende Katzen besorgen Anwohner

von Tamina Francke | 19.11.2025

Seit Wochen tauchen in Sahlenburg immer mehr freilaufende Katzen auf - einige verletzt, andere trächtig. Anwohner kümmern sich um die Tiere und suchen Hilfe bei Behörden und Tierschutz. Doch wie agiert wird, ist von außen nicht sofort erkennbar.

Von Ende August an begann für Ramona Pietrzykowski aus Sahlenburg eine Entwicklung, die sie selbst als "immer belastender" beschreibt: In ihrer Nachbarschaft tauchten zunehmend Katzen auf - zunächst eine, dann zwei, schließlich ganze Gruppen. Einige Tiere humpelten, hatten entzündete Augen oder Zeckenbefall. Andere wirkten trächtig. "Inzwischen sind es rund 13", sagt sie. Was für sie wie ein klassischer Fall verwilderter Katzen wirkte, mündete für die Anwohner in eine nervenaufreibende Odyssee zwischen Tierheim, Ordnungsamt und Veterinäramt.

Sorgen um verletzte Tiere - kaum Einblick in behördliche Abläufe

Pietrzykowski rief nach eigenen Angaben mehrfach beim Tierheim an. Von dort wurde sie an die Behörden verwiesen. Es folgten E-Mails, Telefonate, Fotos und Dokumentationen über offensichtliche Verletzungen. Eine junge Katze wurde schließlich vom Veterinäramt begutachtet - und sollte nach Einschätzung des Amts in die Obhut des Tierheims. Pietrzykowski brachte das Tier selbst dorthin. Der Tierarzt stellte eine schwere Hornhautentzündung fest - vermutlich hätte das Auge gerettet werden können, wäre früher eingegriffen worden.

Unterdessen versuchten Anwohner, das Leid der übrigen Tiere zu lindern: Sie richteten Futterstellen ein, stellten kleine Schutzhäuschen auf und wechselten täglich Handtücher. "Es geht nicht darum, dass hier niemand Katzen haben will", erklärt Pietrzykowski. "Aber dieses Leid können wir irgendwann nicht mehr mit ansehen."

Wochenlange Unklarheit: Wild- oder Hauskatzen?

Kern des Problems war für die Anwohnerschaft die Frage: Gehören die Katzen überhaupt jemandem? Viele gingen davon aus, dass es sich um halterlose, unkastrierte Tiere handelt. Aus ihrer Sicht wurde deshalb zu spät gehandelt - auch weil von außen nicht erkennbar sei, welche Schritte Behörden im Hintergrund unternehmen.

Auf Nachfrage von cnv-medien.de erklärt Marcel Kolbenstetter, Sprecher der Stadt Cuxhaven, der Fall sei bekannt. Man stehe mit einer Halterin oder einem Halter in Kontakt - weitere Einrichtungen seien einbezogen. Details dürften aus Datenschutzgründen nicht genannt werden. Damit steht fest: Aus Sicht der Stadt handelt es sich nicht um Straßenkatzen - doch konkrete Informationen gelangen nicht zu den Nachbarn, die ihre Sorgen wiederholt meldeten.

Warum das Tierheim nicht einfach eingreifen darf

Jelka Tetzlaff, Sprecherin des Tierheims Cuxhaven, betont, dass die Meldungen der Anwohner grundsätzlich richtig platziert gewesen seien. "Bei möglichem Tierleid ist das Veterinäramt zuständig, bei unkastrierten Wildkatzen das Ordnungsamt", sagt sie. Das Tierheim selbst könne jedoch nicht ohne behördlichen Auftrag Tiere einfangen - insbesondere dann nicht, wenn ein Besitzer existiert oder nicht ausgeschlossen werden kann.

Cuxhavens Katzenschutzverordnung: Kastrationspflicht seit 2023

Seit Juli 2023 gilt in der Stadt eine Katzenschutzverordnung. Freilaufende Katzen müssen kastriert, gechipt und registriert sein. Werden wiederholt unkastrierte Tiere in einem Gebiet gesichtet, ist das nicht nur ein Tierschutz-, sondern auch ein ordnungsrechtliches Thema.

Eine der in Sahlenburg gesichteten Katzen: Am Ohr zeigt sich eine sichtbare Verletzung. Foto: Pietrzykowski

Für Wildtiere kann das Ordnungsamt Kastrationen anordnen und das Einfangen veranlassen. Gibt es jedoch einen Halter, können Auflagen und Bußgelder ausgesprochen werden.

Geht es um ein krankes oder verletztes Tier, wird das Veterinäramt aktiv. Es kann Tiere begutachten, Haltungsbedingungen prüfen oder Maßnahmen zum Schutz der Tiere anordnen.

Katzenhilfe: Unterstützung möglich, aber eingeschränkt

Auch die Katzenhilfe Cuxhaven kennt Fälle wie diesen gut. Die 1. Vorsitzende, Kristina Schnäckel, berichtet von rund 80 Katzen, die der Verein regelmäßig im Cuxland versorgt.

Werden halterlose Tiere entdeckt, sollten sie so schnell wie möglich einem Tierschutzverein oder dem Tierheim gemeldet werden. Jede zugelaufene Katze gilt rechtlich als Fundtier und fällt unter die Verantwortung der Kommune. Besteht jedoch der Verdacht, dass die Tiere jemandem gehören oder schlecht gehalten werden, müssen Ordnungsamt und Veterinäramt involviert sein - und die Abläufe der Behörden eingehalten werden.

Für Ramona Pietrzykowski und ihre Nachbarn bleibt die Situation belastend. Sie sehen nach eigener Darstellung verletzte und kranke Tiere direkt vor der Haustür, investieren Zeit, Geld und Energie in Futter, Unterstände und Pflege - und wissen zugleich nicht, welche Schritte die Behörden im Hintergrund bereits veranlasst haben.

Die Mischung aus Verantwortungsempfinden und Informationslücke sorgt für Frust. "Man fragt sich irgendwann: Passiert da überhaupt etwas - oder stehen wir mit den Sorgen alleine da?", so Ramona Pietrzykowski. Für sie und ihre Nachbarn bleibt die Hoffnung, dass die eingeleiteten Schritte am Ende vor allem denen zugutekommen, um die es eigentlich geht: den Katzen.

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Tamina Francke

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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