Der Bestand des Feldhasens hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen, stabilisiert sich aber seit einigen Jahren wieder leicht. Foto: Hildenbrand/dpa
Der Bestand des Feldhasens hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen, stabilisiert sich aber seit einigen Jahren wieder leicht. Foto: Hildenbrand/dpa
Zugvögel, Feldhasen und Co.

Frühlingsanfang im Kreis Cuxhaven: Im März erwacht die Tierwelt

von Denice May | 13.03.2026

Im Kreis Cuxhaven erwacht die Natur: Auf den Feldern toben Feldhasen in der Rammelzeit, während im Wattenmeer Millionen Zugvögel Rast machen und das Leben mit dem Frühling zurückkehrt.

Der Morgen im Watt beginnt scheinbar still. Nur wer jetzt genauer hinsieht, erkennt: Der Winter hat seinen Rücktritt begonnen. Ein feiner bräunlich-grüner Schimmer überzieht jetzt den Wattboden, aus dem Schlick steigen winzige Sauerstoffbläschen auf, und in der Ferne rufen die ersten Vögel. Der Frühling hat begonnen - und mit ihm kehrt auch das tierische Leben zurück.

Für Frauke und Günter "Günni" Kruggel vom Blauen Klassenzimmer in Cuxhaven sind diese ersten Zeichen jedes Jahr ein besonderer Moment. Die beiden Wattführer sind regelmäßig draußen unterwegs und beobachten genau, wann sich im Ökosystem des Watts wieder etwas regt. "Obwohl es noch sehr früh im Jahr ist, hat die Wärme der Sonne in den letzten Tagen auch im Watt die Pflanzen- und Tierwelt mobilisiert", sagt Frauke Kruggel. Besonders auffällig sei derzeit das explosionsartige Auftreten der Kieselalgen. Sie färben die Wattoberfläche bräunlich-grün - ein Zeichen intensiver Fotosynthese.

Wer sie im Watt sieht, hat Glück: Eine kleine Tellmuschel (Plattmuschel), die versucht, sich wieder in den Wattboden einzugraben. Foto: Kruggel

Wer weiter hinaus ins Watt läuft, entdeckt auf diesen Flächen unzählige kleine Sauerstoffbläschen. "Das ist wunderschön zu beobachten", sagt Frauke Kruggel. "Diese winzigen Algen produzieren Sauerstoff und bilden die Grundlage für das gesamte Nahrungsnetz." Auch auf der Oberfläche des Watts selbst ist bereits wieder Bewegung. Auf den schlickigen Flächen tummeln sich kleine Wattschnecken. Unter der Oberfläche beginnt ebenfalls neues Leben. Beim vorsichtigen Graben zeigen sich erste Schlickkrebse, wenn auch noch in geringer Zahl. Häufiger lassen sich dafür schon verschiedene Wattwurmarten entdecken: die dünnen, meist quietschroten Kotpillenwürmer, größere Seeringelwürmer mit einem roten Blutband auf dem Rücken - und auch der bekannte Pierwurm, den viele schlicht als Wattwurm kennen. Manchmal gelingt sogar ein besonderer Fund. "Wir haben kürzlich eine kleine Tellmuschel entdeckt, die sich gerade wieder in den Wattboden eingrub", erzählt Frauke Kruggel.

Schon häufiger zeigen sich im Wattboden die unterschiedlichen Wattwurmarten, wie hier der Pierwurm - auch als "der Wattwurm" bekannt. Foto: Kruggel

Rastplatz für Millionen Zugvögel

Das Leben im Watt bleibt auch den Vögeln nicht verborgen. Viele Zugvögel kehren im Frühjahr an die Nordseeküste zurück. Jan Wagner von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer erklärt, dass zu den ersten Rückkehrern vor allem Kiebitze sowie Gänsearten wie Ringel- und Weißwangengans gehören. Auch Rotschenkel, Goldregenpfeifer und Alpenstrandläufer lassen sich jetzt häufig beobachten. "Das Wattenmeer ist die zentrale Drehscheibe des Ostatlantischen Vogelzuges", sagt Jan Wagner. Für viele Arten ist es die entscheidende Zwischenstation auf ihrer Reise von den Winterquartieren im Süden zu den Brutgebieten im Norden.

Der Grund liegt im außergewöhnlichen Nahrungsreichtum. Würmer, Muscheln und kleine Krebse liefern genau die Energie, die die Vögel für ihre langen Flüge benötigen. "Millionen Zugvögel können hier ihre Energiereserven wieder auffüllen. Ohne diesen Zwischenstopp wären viele Arten gar nicht in der Lage, ihren weiten Wanderweg zu bewältigen." Der Zeitpunkt der Rückkehr ist also kein Zufall. Besonders gut beobachten lassen sich derzeit im Landkreis Cuxhaven Arten wie Austernfischer, Rotschenkel, Brachvögel oder Kiebitzregenpfeifer.

Doch das sensible Zusammenspiel gerät zunehmend unter Druck. Der Klimawandel verschiebt vielerorts den Beginn des Frühlings. Pflanzen treiben früher aus, Insekten erscheinen zeitiger - doch manche Zugvögel können ihre Zugzeiten nicht so schnell anpassen. "Es kann passieren, dass sie zu spät ankommen, wenn das optimale Nahrungsangebot bereits vorbei ist", sagt Jan Wagner. Gleichzeitig steigen Meeresspiegel und Wassertemperaturen, was die Lebensbedingungen im Watt verändert.

Derzeit lassen sich im Kreis Cuxhaven Austernfischer besonders gut beobachten - wie hier an der Kugelbake. Foto: Hibbeler/dpa

Märzhasen auf den Feldern

Während im Watt die Vögel zurückkehren, spielt sich auf den Feldern im Kreis Cuxhaven ein anderes Schauspiel ab. In den Abendstunden lassen sich dort nämlich immer häufiger Feldhasen beobachten, die über die Wiesen jagen oder scheinbar miteinander boxen. "Das gehört zur sogenannten Rammelzeit", erklärt Klaus Dock, besonderer Vertreter des Kreisjägermeisters der Jägerschaft Land Hadeln / Cuxhaven. Die Fortpflanzungszeit des Feldhasen reicht in Mitteleuropa von Januar bis Oktober. "Viele Häsinnen planen im März bereits ihren zweiten Wurf."

Die auffälligen Kämpfe zwischen den Hasen haben mit der Partnerwahl zu tun. Mehrere Rammler verfolgen eine Häsin - aber nur der ausdauerndste darf sich schließlich mit ihr paaren. Dabei beteiligt sich auch die Häsin selbst an den Boxkämpfen. "Sie ist erst bereit, wenn die Berührungssperre überwunden ist", sagt Klaus Dock. Dieses Verhalten hat dem Tier übrigens auch seinen berühmten Spitznamen eingebracht. Schon im 16. Jahrhundert prägte sich im Englischen die Redensart "mad as a March hare" - verrückt wie ein Märzhase.

Der Feldhase lebt im Gegensatz zum Kaninchen nicht in einem Bau, sondern in einer flachen Bodenmulde, der sogenannten Sasse. Dort bringt die Häsin auch ihre Jungen zur Welt. Diese kommen bereits sehend und behaart zur Welt und sind sogenannte Nestflüchter. Wichtig ist deshalb: Wer einen jungen Hasen im Feld entdeckt, sollte ihn auf keinen Fall anfassen. "Die Mutter lässt ihre Jungen häufig allein zurück und kommt nur zum Säugen zurück", erklärt Klaus Dock.

Der Feldhasenbestand hat in den vergangenen Jahrzehnten stark abgenommen, stabilisiert sich aber seit einigen Jahren wieder leicht. Entscheidend dafür ist vor allem die Struktur der Landschaft. "Auf riesigen Ackerschlägen wird man den Hasen kaum sehen", sagt Klaus Dock. Er brauche abwechslungsreiche Lebensräume mit Randstreifen, Brachflächen, Wallhecken und blütenreichen Wiesen. Solche Strukturen helfen nicht nur dem Hasen. "Er ist ein guter Indikator dafür, wie es um die Feldlandschaft insgesamt steht."

Ob im Watt oder auf den Feldern: Das Frühlingserwachen im Landkreis Cuxhaven zeigt sich derzeit überall. Wer also in diesen Tagen aufmerksam durch die Landschaft geht, kann die Spuren überall entdecken.

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Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

dmay@no-spamcuxonline.de

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